Betriebsreportage Familie Pichlbauer, Kirchschlag, NÖ

Bereits 1914 reiste der Ur – Großvater von Martin Pichlbauer in die Schweiz für den Ankauf von Fleckviehrindern! 1950 traten sie dem niederösterreichischen Rinderzuchtverband bei. Der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Martin und Gaby Pichlbauer befindet sich in der Buckligen Welt, in der Gemeinde Kirchschlag. Der Betrieb liegt auf einer Seehöhe von 600 m und die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr beläuft sich auf 600 mm. Die Familie Pichlbauer bewirtschaftet ihre Flächen in der Bergbauernzone 3.

Sehr gut organisierter Familienbetrieb

Der heutige Betriebsleiter, Martin Pichlbauer, übernahm den Hof mit seiner Frau Gaby im Jahr 2000. Zusammen mit ihren beiden Kindern Stefan (10) und Jaqueline (8) bewirtschaften sie den landwirtschaftlichen Betrieb. Zusätzlich werden sie noch tatkräftig von den Großeltern bei der täglichen Arbeit unterstützt. Die Strukturen des Acker- und Grünlandbetriebes umfassen die Schwer- punkte Milchwirtschaft und Rinderzucht. Zurzeit wird eine Gesamtfläche von 58 ha bewirtschaftet, davon sind 20 ha Dauergrün- land, 24 ha Acker und 14 ha Wald. Der Viehbestand umfasst 28 Kühe sowie die gesamte weibliche Nachzucht.


Bauliche Maßnahmen


1999 entschloss sich die Familie Pichlbauer für den Neubau des Milchviehstalles. Der errichtete Liegeboxenlaufstall mit Tiefbuchten und Spaltenböden bietet Platz für 30 Kühe. Hoher Wert wird auf die Liegeboxensauberkeit und reichliche Stroheinstreu gelegt. Aufgrund der Melksicherheit und des geringeren Platzbedarfes entschied man sich bei der Melktechnik für einen 5-er Side by Side Melkstand. Nach dem Neubau des Milchviehstalles wurde 2003 ein Jungviehstall mit Bergehalle und Kran erbaut. In der Anfangsphase stehen die Kälber in Einzelboxen und später wird das Jungvieh in Gruppenboxen gehalten. Den Sommer allerdings verbringt das Jungvieh auf den umliegenden Weiden. Wenn es die Witterung zulässt, dürfen die Kühe auch im Sommer auf die Weide. Die anfallenden Stierkälber werden über den Kälbermarkt in Warth vermarktet. Die züchterisch interessanten Stierkälber, welche aus der Gezielten Paarung stammen, werden an der Eigenleistungsprüfstation in Rosenau aufgezogen.

Fütterung

Die Herde der Familie Pichlbauer melkt seit Jahren auf einem hohen Niveau von 8.000 bis 9.000 kg Milch. Nach dem Neubau des Milchviehstalles und der Aufstockung der Herde wurde in Quote investiert und so liefert der Betrieb jährlich 200.000 kg Milch an die Molkerei. In erster Linie stellt das monatliche Milchgeld die bedeutendste Einnahmequelle des Betriebes dar.
Auf den Ackerflächen wird Mais, Getreide und Kleegras angebaut. Beim Grünland wird versucht beste Grassilage zu erzeugen.  Denn nur durch bestes Grundfutter und hohe Trockenmasseaufnahme der Tiere kann tiergerecht und kostengünstig Milch erzeugt werden.
Das Grundfutter setzt sich im Sommer aus Silage und Sommerweide und im Winter aus Ganzjahressilage zusammen. Die Leistungsfütterung erfolgt über die Kraftfutterstation mit Transpondersteuerung. Das Kraftfutter setzt sich aus Getreideschrot, Soja und Ausgleichsfutter zusammen. Maximal werden 8 kg pro Kuh und Tag verabreicht.  

Zuchtziel: ANITA

Bei der Frage nach dem Zuchtziel des Betriebes wird immer wieder die Stiermutter ANITA angesprochen. Diese RALBO – Tochter besticht durch ihre enorme Leistungsveranlagung, Lebensleistung, Exterieur und vor allem Problemlosigkeit. ANITA startete mit einer Erstlaktation von 6.600 kg und steigerte sich in den folgenden Laktationen auf Leistungen zwischen 9.000 bis 11.000 kg Milch. Beeindruckend sind ihre aktuelle Lebensleistung von 90.000 kg und die Liste ihrer erfolgreichen Schauteilnahmen. Dass der Erfolg auch auf einer starken Kuhfamilie basiert, wird schnell durch ihre Vorfahren bestätigt. Ihre Mutter die DIRTECK – Tochter AMSEL konnte ebenfalls mit enormen Leistungen (9/9-8.470-4,20-3,34) und einem exzellenten Exterieur überzeugen (8-6-9-9). Am wichtigsten ist dem Betriebsleiter allerdings, dass die Kuh ANITA  und ihre Vorfahren die tollen Leistungen auch an die nächste Generation weiter geben und zwar sehr konstant.
Die momentan stärksten Vertreterinnen der A – Kuhfamilie sind eine leistungsstarke HUMLANG – Tochter (5/4-9.560-4,27-3,36) und eine STALBO – Tochter, die durch ihr enormes Exterieur überzeugt. Diese Aufzählung wird durch vier beeindruckende Jungkühe ergänzt:  
1.    ANIKA (Weinbar x Ralbo): 100 Tageleistung von 2.700 kg Milch
2.    ALMUT (Romel x Humid): EL von 32 kg Milch
3.    ANGELIKA (Martl-DE x Humlang): EL von 27 kg Milch
4.    AQUA (Herich x Stalbo): 100 Tageleistung von 3.500 kg Milch.
Von ANIKA, ALMUT und AQUA stehen deren Söhne an der ELP in Rosenau. Die bekannteste unter den aufgezählten Jungkühen dürfte die HERICH – Tochter AQUA sein. AQUA wurde bereits erfolgreich zweimal einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. So konnte sie aufgrund ihrer Qualitäten im Exterieur auf der OÖ – und NÖ – Landesrinderschau in Wels einen Gruppenreserve- und Eutersieg erringen.

Europasiegerkuh BERGA
    
Beim 10. Welt – Simmental – Fleckvieh – Kongress 1994 wurde die Kuh BERGA als Gesamtsiegerkuh ausgezeichnet. Auf den  wohl größten Erfolg der Familie Pichlbauer bei Schauteilnahmen ist man natürlich überaus stolz. BERGA war allerdings nicht nur eine schöne Kuh, sondern etablierte auch die zweite erfolgreich Kuhfamilie in der Herde. BERGA wurde auch über Embryotransfer genutzt und ihre Töchter bzw. Enkel bilden neben den Vertreterinnen des A – Kuhstammes die Basis der exterieur- und leistungsstarken Herde der Familie Pichlbauer.

Betriebs-Daten

Gaby & Martin Pichlbauer, Aigen 50, 2860 Kirchschlag

Familie: Betriebsleiterehepaar, 2 Kinder
Seehöhe: 600 m
Niederschläge: 600 mm
Flächenausstattung: gesamt 58 ha, davon  20 ha Wiesen, 24 ha Acker und 14 ha Wald
Viehbestand: 28 Kühe, weibliche Nachzucht
Stall: Liegeboxenlaufstall mit  Tiefbuchten
Melktechnik: 5-er Side by Side Melkstand
Herdendurchschnitt:  9.214 – 4,25 – 3,50 (715)

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