Betriebsreportage Familie Wöll, Tirol

Josef Wöll, ein Sohn vom bekannten „Stolzenbauer“ in Radfeld, der von klein auf von der Landwirtschaft und von der Viehzucht begeistert war, konnte bereits in jungen Jahren 1990 von seiner Tante mütterlicherseits den „Lantingerhof“ in Radfeld mit damals neun Milchkühen übernehmen.

Nur zwei Jahre später wurde er Mitglied beim örtlichen Fleckviehzuchtverein und somit auch bei der Tiroler Landesorganisation. Mittlerweile ist er seit 29 Jahren Zuchtbuchführer beim Fleckviehzuchtverein Radfeld. Bereits nach kurzer Zeit konnte er damals mit Stolz auf eine kleine züchterisch hochwertige Herde blicken.

Der Lantingerhof liegt am Ortsrand von Radfeld, etwa 15 km nordöstlich vom Vermarktungszentrum RotholzDie Hofstelle, welche sich mitten im Zentrum der Gemeinde Radfeld befand, schränkte die Entwicklungsmöglichkeiten des Hofes stark ein. Somit entschloss sich der junge Betriebsführer Josef Wöll die komplette Hofstelle inklusive Wohnhaus an den Ortsrand auszusiedeln.

Im Jahr 2001 wurde der Laufstall für ca. 70 Tiere samt Futterbergehalle und Fahrsilos gebaut. Nur drei Jahre später – 2004 – baute er das dazugehörige Wohnhaus. Im Jahr 2006 heiratete Josef seine Monika. Mittlerweile haben die beiden drei Kinder – Valentina (15), Josef (9) und Gregor (7).

Der heutige Viehbestand von 30 Kühen und ca. 40 Stück Jungvieh wurde über die Jahre durch eigene Nachzucht aufgestockt.

Wirtschaftsgebäude – praktisch muss es sein
Bei der Planung des neuen Wirtschaftsgebäudes wurde primäres Augenmerk auf höchste Funktionalität und kurze sowie praktische Arbeitsabläufe gelegt. Dies deshalb, da der Betrieb großteils von einer Person geführt werden muss. Josefs Frau Monika ist als Schneiderin berufstätig.
Die praktische Umsetzung des Baus ist sehr gut gelungen. Rechts vom Futtertisch sind die Kälber in unmittelbarer Nähe zur Milchkammer situiert. Das Jungvieh befindet sich direkt anschließend auf Hochbuchten und Spaltenböden. Links vom Futtertisch finden hinter dem Doppel-3er-Fischgrätenmelkstand die Kühe in Tiefbuchten ihren Platz. Die Futter- und Heuhalle ist direkt an den Laufstall bzw. an den Futtertisch angegliedert, um kurze Laufwege für den Landwirt zu garantieren. Für den nötigen Kuhkomfort ist bestens gesorgt.

Unspektakuläre Fütterung
Gefüttert wird sehr unspektakulär. Auf dem breiten Futtertisch wird mittels Siloblockschneider für zwei bis drei Tage Gras- und Maissilage in ganzen Blöcken vorgelegt. Heu wird ein Mal pro Tag zusätzlich gefüttert. Das Kraftfutter wird leistungsabhängig ebenfalls über den Futtertisch vorgelegt. Somit wurde nie in teure Fütterungstechnik investiert. Josef spart damit Zeit und hat keine laufenden Wartungskosten für die Technik.

Das Jungvieh wird ganz ähnlich gefüttert. Im Sommer werden die Jungrinder sowie zehn bis zwölf Kühe gealpt. Der Rest der Kühe darf im Sommer auf die Weide.

Synergien werden genutzt
Josefs Bruder Herbert übernahm den elterlichen Betrieb „Stolzenbauer“, welcher sich ebenfalls in Radfeld befindet. Durch die Nähe der beiden Höfe haben sich über die Jahre gewisse Synergien entwickelt. Beispielsweise werden diverse Maschinen miteinander verwendet und bei der Ernte wird häufig zusammengearbeitet. Auch setzen die beiden Brüder einen gemeinsamen Deckstier ein, der meistens aus der Zucht von Josef stammt und bei Herbert gehalten wird. Für die nächste Saison steht derzeit ein DAX-Sohn in Aufzucht.

Viehzucht
Einen der ersten züchterischen Erfolge konnte der Betrieb Wöll bei der örtlichen Fleckviehschau im Jahr 2006 erzielen. Die MORROR-Tochter MUNTER wurde als Zweitkalbskuh Gesamtreserve- und Eutersiegerin.

Josef und sein Bruder Herbert (2.v.l.) mit den Siegertieren der letzten Radfelder Ausstellung 2006. MORROR-Tochter MUNTER wird als Zweitkalbskuh Gesamtreserve- und EutersiegerinJosef (rechts mit MUNTER) und sein Bruder Herbert (2.v.l.) mit den Siegertieren der Radfelder Ausstellung 2006. 

MUNTER ist auch die Linienbegründerin und Stammkuh der „Wöll-Herde“.

MUNTER, die Stamm-Mutter der WEGMANN-Familie; 10/9 9.273-3,84-3,39-670, LL: 108.646 kg.Josef Wöll mit seinen Söhnen Josef und Gregor und der 100.000 kg-Kuh MUNTER

MUNTER ist derzeit mit dem 11. Kalb trächtig und weist aktuell eine Lebensleistung von 106.418 kg Milch auf. Diese Kuh beweist sehr eindrucksvoll, dass nur mit fehlerfreiem Exterieur hohe Lebensleistungen und langlebige Kühe möglich sind.

Auch bei der letzten Gebietsausstellung des Sprengels 2 konnte Josef Wöll einen Gruppensieg und zwei Gruppenreservesiege einfahren.

Seinen ersten Besamungsstier verkaufte der Zuchtbetrieb Wöll mit dem WELTENBURG-Sohn WEGMANN an die EUROgenetik-Rinderbesamung.

WEGMANN - der EUROgenetik-Stier vererbt neben Fitness, Melkbarkeit und Euter auch eine hohe NutzungsdauerWEGMANN ist der Urenkel von MUNTER und hat eine sehr gute HUPSOL-Tochter als Mutter.

WEGMANN-Mutter HANNAMUNTERs Enkelin HANNA (V.: Hupsol), die Mutter von WEGMANN

Außergewöhnlich ist auch, dass aktuell vier nachfolgende Generationen von MUNTER im Stall stehen. Dies spiegelt auch den hohen Fitnesszuchtwert von WEGMANN wider.

Monika und Josef Wöll mit ihren Kindern Valentina, Josef und Gregor und den fünf Generationen aus der Familie von WEGMANN: MUNTER (V.: Morror), PRISKA (V.: Poldi), HANNA (V.: Hupsol), REBECCA (V.: Romario) und DIANA (V.: Dax) (v.l.n.r.)Monika und Josef Wöll mit ihren Kindern Valentina, Josef und Gregor und den fünf Generationen aus der Familie von WEGMANN: MUNTER (V.: Morror), PRISKA (V.: Poldi), HANNA (V.: Hupsol), REBECCA (V.: Romario) und DIANA (V.: Dax) (v.l.n.r.)

Josef ist bereits seit 1997 Eigenbestandsbesamer. Die Stierauswahl wird in Zusammenarbeit mit dem Zuchtverband vorgenommen. Dabei legt er immer besonderes Augenmerk auf fitnessstarke Exterieurvererber mit gutem Leistungsniveau. Überdies ist Josef Wöll auch für Outcross-Stiere zu begeistern. Derzeit stehen Jungtiere von folgenden Vätern in Aufzucht: MINT, DAX, HURLY, WABAN, PIRLO, SIWIL, HERZSCHLAG und natürlich WEGMANN.

Vermarktung
Jährlich werden ca. zehn frischmelkende Kühe und ein bis zwei Zuchtstiere über die Vermarktungsanlage Rotholz verkauft. Einstellkälber werden ab Hof mit ca. 80 kg vermarktet. Nutz- und Schlachttiere werden ebenfalls ab Hof abgesetzt.

Die Familie Wöll ist stolz auf ihren Lantingerhof und zu Recht auch auf ihre züchterischen Erfolge. Wichtig ist Josef vor allem, dass der Betrieb, so wie er besteht, rein aus der Landwirtschaft im Vollerwerb wirtschaftlich erfolgreich ist. Dies ist ihm gelungen. Eine Vergrößerung strebt er nicht an, da die derzeitige Betriebsgröße für ihn und seine Familie ideal ist und Josef auch der Überzeugung ist, dass eine Vergrößerung in der aktuellen landwirtschaftlichen Situation für den Betrieb kein Gewinn wäre.

Betriebsdaten

Wöll Monika und Josef vulgo „Lantinger“, Dorfstraße 34j, 6252 Radfeld

Arbeitskräfte: Betriebsführer Josef Wöll und Monika Wöll
Viehbestand: 30 Kühe, 1-2 Zuchtstiere, 40 Stück Jungvieh
Betriebsgröße: 25 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 16 ha Eigenfläche und 9 ha Pachtfläche; 3 ha Wald
Flächennutzung: 22 ha Grünland (bis zu 5 Schnitte) und 3 ha Mais
Seehöhe: 510 m ü.d.M.
Niederschlag: 1.200 mm
Leistungsentwicklung:
Leistungsentwicklung 2000-2015

Autor: Josef Schipflinger, RZV Tirol