Betriebsreportage FS Otterbach, Oberösterreich

1910 wurde die Landwirtschaftsschule Otterbach in der Nachbargemeinde der Bezirksstadt Schärding, in St. Florian am Inn, auf dem ehemaligen Gutsbesitz von Georg Wieninger gegründet. Vor kurzem feierte die zweitälteste Landwirtschaftsschule in Oberösterreich ihr 100-jähriges Jubiläum.

Schüler mit JungtierenSeit Gründung der Schule wird der landwirtschaftliche Betrieb für den praktischen Unterricht genutzt. Der Hauptschwerpunkt der Schule liegt in der Ausbildung der Schüler in der Milchproduktion.

Betrieb vom FIH gepachtet

Der landwirtschaftliche Betrieb im Ausmaß von über 60 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche wurde 2006 durch den FIH vom Land Oberösterreich gepachtet. Seit dieser Zeit bewirtschaftet der FIH den Betrieb, mit Ausnahme des Waldes, auf eigene Rechnung. Nachdem der Gründer der Schule, Georg Wieninger, 1894 auch den ersten Verband der „Simmentaler Rindviehzüchter“ in Österreich, aus welchem später der Fleckviehzuchtverband Inn- und Hausruckviertel (FIH) hervorging, gegründet hat, gibt es eine historische Beziehung. Ziel ist es, die Schüler auch für die Rinderzucht zu begeistern. Damit dies gelingt, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften der Schule und den Mitarbeitern des FIH notwendig. Dieses Konzept der Kooperation zwischen Schule und Zuchtverband ist in Österreich einzigartig und bietet für beide Seiten große Chancen.

Tierfreundliches Haltungssystem

Tretmiststall mit Schrapperentmistung und Selbstfangfressgitter mit großzügigem AuslaufZurzeit werden 33 Kühe in einem Tretmiststall mit Schrapperentmistung und Selbstfangfressgitter mit großzügigem Auslauf gehalten. Die Lauffläche ist zusätzlich mit einer Gummimatte ausgelegt. Der Warteraum befindet sich, wie der Trockensteherbereich mit Tieflaufsystem, im Altgebäude, wo auch das Jungvieh untergebracht ist. Gemolken wird in einem Doppel-Dreier-Autotandemmelkstand mit Milchmengenmessung und Abnahmeautomatik. 2006 wurde der Jungviehstall umgebaut und mit Hochboxen und Schieberentmistung ausgeführt.
Die Kälber werden bis 8 Wochen in Einzelbuchten und anschließend bis 5 Monate in einem großzügigen Zweiraumtieflaufstall gehalten.

Bestens ausgebildete Mitarbeiter

Der Betriebsleiter, Sebastian Langmaier, ist landwirtschaftlicher Meister und Absolvent der Höheren Landbauschule Rotthalmünster/Bayern. Zur Unterstützung steht ein landwirtschaftlicher Facharbeiter in Teilzeit zur Verfügung. Der Betriebsleiter ist auch Lehrkraft an der Schule und somit großteils für die praktische Ausbildung der Schüler verantwortlich. Im Schulbetrieb werden die Schüler im Rahmen des praktischen Unterrichtes in die gesamten Arbeitsabläufe am Betrieb eingebunden. Aber auch in der Freizeit sind die Schüler bereit am Betrieb mitzuhelfen. Fixe Bestandteile der praktischen Ausbildung sind die Melkarbeit, die Fütterung sowie die gesamte Betreuung des Tierbestandes.
Der Betrieb Otterbach ist auch Mitglied im Arbeitskreis Milch der Landwirtschaftskammer. Die Kennzahlen, der Vergleich mit anderen Betrieben, der Meinungsaustausch untereinander sowie die laufenden Fachveranstaltungen sind dem Betriebsleiter dabei äußerst wichtig.

Mehrrassige Herde

Tretmiststall innen - die Kühe fühlen sich wohlDie Herde besteht großteils aus Fleckviehkühen, zu einem Viertel aus Holstein Friesian und zwei bis drei Braunviehkühen. Für die Schüler ist dies von Vorteil, können sie doch im praktischen Unterricht mit verschiedenen Rassen arbeiten. Bei Fleckvieh entstammt ein nicht unerheblicher Teil der Kühe von WEINOLD ab, aber auch RESS, MALINT-, Rechberg-, WEBAL- und HERBERT-Töchter stehen im Stall. Zurzeit werden Stiere wie WILLE, ROMARIO, aber auch noch HUPSOL eingesetzt. Seit Anfang 2010 werden die Besamungen vom Betriebsleiter als Eigenbestandsbesamer durchgeführt. Um einen problemlosen praktischen Unterricht zu gewährleisten, wird auch auf einen guten Charakter sehr viel Wert gelegt.

Vermarktung

Die Stierkälber werden zur Gänze über die Nutzkälberversteigerungen in Ried abgesetzt. Kalbinnen, welche nicht für die Bestandsergänzung benötigt werden, werden über die Versteigerungen oder über den Export verkauft.
Der Großteil der Milch wird an die Gmundner Molkerei geliefert. Ein Teil der produzierten Milch wird in der eigenen Schulküche verarbeitet.

Fütterung

Die Futtervorlage erfolgt einmal täglich mit einem Silokamm. Als Grundfutter werden ganzjährig 50 % Grassilage und 50 % Maissilage vorgelegt. Um eine genaue Ration gestalten zu können, wird von jedem Schnitt eine Futteruntersuchung durchgeführt. Heu gibt es laufend zur freien Entnahme. Das Kraftfutter wird mittels Transponder über die Kraftfutterstation verabreicht.

Betriebsdaten

Eigentümer: Land Oberösterreich
Pächter:
FIH
Seehöhe:
320 m
Niederschläge: 700 – 800 mm /Jahr
Betriebsfläche:
10 ha Dauergrünland und 52 ha Acker, davon 6 ha Feldfutter
Gebäudeausstattung:
Maschinenhalle mit Werkstätte, Stallgebäude wie beschrieben, 2 Traunsteinsilos à 250 m³, 2 überdachte Fahrsilos für Silomais à 200 m³, Güllehochbehälter mit Vorgrube für 600 m³, Mistlagerraum 450 m³, 3 Getreidesilos für je 30 t, 1 Kraftfuttersilo mit 6,3 t und 2 Kraftfuttersilos mit je 3,2 t Kapazität
Maschinenausstattung:
Ein Großteil der Maschinen wird von den Firmen auf Mietbasis zur Verfügung gestellt. Die Ernte wird unter Mithilfe des Maschinenrings bewerkstelligt. Der Pflanzenschutz ist ebenfalls ausgelagert.    
Eigenmechanisierung: Silokamm und Düngerstreuer
Tierbestand: 23 Fleckviehkühe, 8 Holstein Frisian-Kühe, 2 Braunviehkühe, 35 weibliche Jungrinder
Fütterung: Ganzjahressilage, seit  2011 wird das Grünfutter gehäckselt, bestehend aus 50 % Grassilage, 50 % Maissilage; Heu zur freien Entnahme; Kraftfutter
Kraftfutterzusammensetzung:

Energiekraftfutter ab 18 kg Milch: 1/3 Körnermais, 1/3 Gerste, 1/3 Weizen, 3 % Mineralfutter, 2% Futterkalk
Eiweißkraftfutter ab 16 kg Milch:Soja und Actiprot  im Verhältnis 80:20; ab Juli 2011 wird Soja durch Rapsextraktionsschrot ersetzt
Leistung:
2007               25,1      7.944    4,13    3,45     602
2008               24,8      8.864    4,32    3,68     709
2009               24,6      8.357    4,36    3,50     659
2010               29,6      8.128    4,24    3,55     633
Lieferleistung 2010/2011
: 213.000 kg

Autor: Max Fruhstorfer, FIH