Betriebsreportage Georg Edlinger, Steiermark

Der Milchvieh- und Zuchtbetrieb Edlinger Georg vulgo Andresen liegt mit der Hofstelle an den Ausläufern der Niederen Tauern auf einem Hochplateau in der Nähe von Stift Seckau. Der auf 900 m Seehöhe liegende Betrieb ist ein reiner Grünlandbetrieb – Milchproduktion und Zuchtviehverkauf sind die Hauptproduktionszweige der Familie.

Wunderschön gelegen: das Hofareal der Familie EdlingerWunderschön gelegen: das Hofareal der Familie Edlinger
Im Jahre 1527 wurde der Hof erstmals urkundlich erwähnt und seit 350 Jahren befindet sich der Betrieb im Familienbesitz.
Der heutige Bewirtschafter Georg ist ebenso wie seine Vorfahren ein begeisterter Heumilchproduzent. V.l.n.r.: Mutter Roswitha, Freundin Barbara und Betriebsführer Georg mit den WEB-Zwillingsschwestern LILLY und LUDMILLAGeorg Edlinger mit seiner Mutter und seiner Partnerin
Der Landwirtschaftsmeister führt den Betrieb im Vollerwerb - keine Selbstverständlichkeit für diese Gegend. Viele Betriebe sind hier angesiedelt, allerdings oftmals sehr klein strukturiert und daher im Nebenerwerb geführt. Flächen sind sehr schwer verfügbar und wenn, sind die Preise so hoch, dass die Wirtschaftlichkeit infrage zu stellen ist.

Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund
1998 wurde der bestehende Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen und Spaltenboden errichtet. Die weibliche Nachzucht ist in Hochboxen mit Gummimatten untergebracht. Natürlich ist der Stall für die heutige Zeit nicht mehr am neuesten Stand der Technik und die Platzkapazitäten sind begrenzt. Doch der Familie ist es wichtig, die vorhandenen baulichen Anlagen bestmöglich zu nutzen.

Grünlandbestand ist wichtigste Schraube
Der Betrieb hat das große Glück, dass die gesamten Flächen arrondiert um die Hofstelle liegen. Dieser Vorteil wirkt sich besonders in kürzeren Schönwetterphasen positiv aus. Man ist bedacht, das 4-mähdige Grünland durch den richtigen Schnittzeitpunkt und eine kurze Feldphase möglichst blattreich unter Dach zu bekommen. Da die Heuernte in Eigenmechanisierung durchgeführt wird, ist die Schlagkraft am Optimum angelangt. Besonders am Herzen liegt der Familie der Zustand ihrer Grasbestände. Ampfer- sowie Schädlingsbekämpfungen sind fix eingeplant in den Vegetationsmonaten, um die Futterverschmutzung so gering wie möglich zu halten. Ebenso werden immer wieder Bestände neu umgebrochen und angelegt oder ansonsten werden Kleegrasmischungen nachgesät, um möglichst hochwertiges Futter ernten zu können.
Das Heu wird mittels Rostbelüftung und Luftentfeuchter im Umluftbetrieb getrocknet. In Kombination dazu steht die Abwärme einer 35 kW Photovoltaikanlage zur Verfügung und zur Trocknung eine 150 m² Box mit Brückenkran. Die Gesamtheulagerkapazität beträgt 2.100 m³.

Frisches Grünfutter als Leistungsgarant
Bei Familie Edlinger werden die laktierenden Kühe den Großteil des Jahres im Stall mit Auslauf gehalten. Im Sommer wird mit Frontmähwerk und Ladewagen das Grünfutter immer frisch vom Feld geholt und ad libitum angeboten. Nur im Herbst werden die Kühe bei passender Witterung auf die umliegenden Wiesen getrieben.
Qualitätsheu und ad libitum Vorlage - Grundvoraussetzung für erfolgreiche Milchproduktion bei Familie EdlingerQualitätsheu und ad libitum Vorlage - Grundvoraussetzung für erfolgreiche Milchproduktion bei Familie Edlinger
In den Wintermonaten wird das Futter mehrmals am Tag nachgeschoben, um die Tierbeobachtung sicherzustellen. Futterreste werden auf die gegenüberliegende Seite zu den Jungtieren geschoben. Kraftfutter wird je nach Leistung über den Transponder angeboten.

Besamung und Vermarktung
Georg ist seit 2009 Eigenbestandsbesamer. Die wichtigsten Merkmale, nach denen er selektiert, sind: Euter, Leistung, Fitness und Rahmen. Er vertraut dabei zur Gänze auf das Samenangebot von GENOSTAR. Als Hilfestellung nützt der Betriebsführer den Anpaarungsplaner ALL IN ONE. Derzeit werden vor allem Stiere wie GS WM, GS VOLLWERT, GS PANDORA, HERZ, DAX, GS MINNESOTA, HURLY oder MINT eingesetzt.
Alle am Betrieb geborenen Stierkälber werden vermarktet, je nach Nachfrage entweder privat oder über den Nutzrindermarkt am Standort Leoben. Da der Platz sehr begrenzt ist, können nicht alle weiblichen Nachkommen die komplette Aufzucht am Betrieb verbringen. Im Sommer kann man zwar Kalbinnen als Zinsvieh an eine Alm abgeben, dennoch muss man Tiere verkaufen. Der Großteil der zur Vermarktung vorgesehenen Tiere wird als Jungkalbinnen auf den Zuchtviehversteigerungen in Leoben angeboten. Gegebenenfalls werden aber auch Tiere anderer Kategorien selektiert.

Schauerfolge
Besonders stolz blicken die Edlingers auf die letzten Jahre zurück, was Schauen anbelangt. So konnte die GS HERMANN-Tochter SONYA 2011 bei der Genossenschaftsrinderschau Knittelfeld den Gesamtchampion- sowie auch den Gesamteuterchampiontitel mit nach Hause nehmen.
GS HERMANN-Tochter SONYA, Schausiegerin und weitere Top-Platzierungen auf diversen Schauen, aktuell 91.000 kg LebensleistungGS HERMANN-Tochter SONYA, Schausiegerin und weitere Top-Platzierungen auf diversen Schauen, aktuell 91.000 kg Lebensleistung
Weiters war noch eine ILION-Tochter ausgestellt, welche hervorragende Gruppendritte bei den Jungkühen wurde.
Ebenfalls erfolgreich vertreten war GS HERMANN-Tochter SONYA bei der GENOSTAR-Schau 2013, wo sie bei den Kühen mit einer Lebensleistung von über 50.000 kg Vierte wurde.
Hervorragend abgeschnitten hat man auch bei der Steiermarkschau 2014. Wiederrum schlug SONYA zu. Sie wurde bei den Kühen über 70.000 kg Lebensleistung Gruppensiegerin.
Kapitale GS RUM-Tochter GUNDULA, 3. Platz Steiermarkschau 2014 bei den DrittkalbskühenGS RUM-Tochter GUNDULA
Und auch GS RUM-Tochter GUNDULA konnte bei den Drittkalbskühen in einer starken Gruppe mit dem 3. Rang beeindrucken.

Top in Fitnessmerkmalen
Erfreut ist man überdies, dass heuer die erste Kuh am Betrieb die 100.000 kg Milch-Marke überschritten hat. STRELLER-Tochter KESSY hält aktuell bei über 107.000 kg Lebensleistung, steht aktuell topfit trocken und nimmt heuer noch die 11. Laktation in Angriff.
KESSY - aktuelle 100.000 kg-Kuh am Betrieb EdlingerKESSY - aktuelle 100.000 kg-Kuh am Betrieb Edlinger
Schon drei Mal konnte Familie Edlinger die begehrte Auszeichnung TOP HERDE STEIRMARK für sich gewinnen. Diese Auszeichnung setzt die Erfüllung folgender Grenzen voraus: mindestens 675 kg Fett/Eiweiß, max. 390 Tage Zwischenkalbezeit, eine Zellzahl von maximal 180.000 im Durchschnitt und mindestens 25.000 kg Lebensleistung.
Wie man in den Betriebsdaten sehen kann, ist die Herde in puncto Fitnessmerkmale sehr stark aufgestellt. Georg ist bestrebt, diese Kennzahlen weiterhin auf höchstem Niveau zu halten bzw. gegebenenfalls noch weiter zu optimieren. Und wer weiß, vielleicht darf man heuer wieder mit dem Gedanken liebäugeln, die angesprochene Auszeichnung einzufahren. Zuzutrauen ist es dem Betrieb jedenfalls.

Betriebsdaten

Edlinger Georg, vulgo Andresen, Hart 7, 8732 Seckau

Lage: 900 m Seehöhe; Niederschlag ca. 750-1000 mm
Arbeitskräfte: Betriebsleiter und Mutter           
Betriebsgröße: LN 23 ha (vierschnittiges Grünland), davon 6 ha Pachtfläche, und 5 ha Wald
Betriebsschwerpunkte:
Milchproduktion und Zuchtrindervermarktung
Viehbestand: 27 Milchkühe und 27 Stück weibliche Nachzucht
Fütterung: Heumilchbetrieb; im Sommer fast nur Gras
Stallgebäude:             
Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen und Spaltenboden bei Milchkühen
Hochboxen mit Gummimatten bei Jungvieh
Maschinenausstattung: Alles in Eigenmechanisierung
Kennzahlen der Herde:                
Erstkalbealter: 27 Monate
Besamungsindex: 1,5
Zwischenkalbezeit: 357 Tage
Durchschnittsalter Kühe: 5,3 Jahre
Durchschnittliche Zellzahl LKV in 1000: 72
Abkalbequote in %: 96,4
Leistungsentwicklung:                
Leistungsentwicklung am Betrieb Edlinger

Autor: Ewald Fladl, Rinderzucht Steiermark