Betriebsreportage Gruber, OÖ

In der Gemeinde St. Georgen am Walde, im unteren Mühlviertel, liegt in wunderschöner Lage der Betrieb der Familie Gruber. Der Fleckviehzuchtbetrieb wird in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts von Markus und seinen Eltern Rosa und Josef im Vollerwerb geführt.

Markus ist 27 Jahre alt und schloss 2011 die HLBLA St. Florian erfolgreich mit Matura ab. Danach arbeitete er fünf Jahre bei der Agrowerbung in Linz und anschließend eineinhalb Jahre bei der Firma Lely als Disponent. Der begeisterte Fleckviehzüchter ist bereits seit 2013 Obmann der RZO-Jungzüchter, befindet sich im Pool der Fleckvieh-Preisrichter und ist daher weit über die Grenzen hinaus bekannt. Seit Juni 2018 ist er mit Begeisterung Landwirt im Vollerwerb.

Der Betrieb
Der Bergbauernbetrieb der Familie Gruber war schon immer auf Rinderhaltung ausgerichtet. 1996 wurde der erste Laufstall errichtet und im Jahr 2013 der erste Melkroboter gebraucht erworben. Seit dieser Zeit ist der Betrieb ständig gewachsen. Als im Jahr 2018 auch der Betrieb einer Tante von Markus dazugekommen ist, hat sich die Familie entschlossen – nach bereits jahrelanger Planungsphase, sowie Besichtigung zahlreicher anderer Betriebe – einen neuen Stall für die Milchkühe zu errichten.

Innovativer Stallneubau
Mit den Bauarbeiten wurde Mitte 2018 begonnen. Ende März 2019 konnte der neue Stall bezogen werden, der nach eigenen Plänen und mit viel Eigenleistung errichtet wurde. Aufgrund der Hanglage entschloss sich die Züchterfamilie, den neuen Stall platzsparend zu „unterkellern“. Unter dem Stall konnte dadurch eine Maschinenhalle und ein Güllelager mit einer Kapazität von 1.350 m³ geschaffen werden. Der in Holzbauweise unter Verwendung von 165 m³ Kanthölzern errichtete Stall enthält 75 Fressplätze, 65 Liegeplätze und 100 m² Tiefstreufläche. Als Einstreu werden die Festanteile separierter Gülle verwendet. Decken und Giebelwände sind isoliert, die Südseite ist offen und mit Windschutznetzen ausgestattet. Der neue Stall ist in vier Gruppen (frischmelkende, melkende, trockenstehende Kühe, Transitgruppe) unterteilt. Der alte Laufstall wird als Jungviehstall verwendet. Die Kosten für den Stallneubau, bei dem auch 1.200 m³ Fahrsiloraum geschaffen wurde, liegen bei 14.000 Euro pro Kuhplatz.
Unter dem Stall befindet sich eine Maschinenhalle und ein GüllelagerUnter dem Stall befindet sich eine Maschinenhalle und ein Güllelager

Das moderne Bauwerk wird laufend von interessierten Exkursionsteilnehmern mit voller Begeisterung besichtigt. Beim Fleckviehkongress 2020 in Österreich ist geplant, den modernen Stall Fleckviehzüchtern aus aller Welt zu präsentieren.

Vollständige Mechanisierung
Der neue Milchviehstall ist zur Gänze automatisiert. Angefangen bei der Futtervorbereitung, über die Fütterung, das Melken, bis hin zur Entmistung ist kaum Handarbeit erforderlich. Ebenso sind Lüftung und Beleuchtung automatisch gesteuert. Falls erforderlich schaltet sich das Notstromaggregat selbständig ein. Sämtliche Funktionen vom Fütterungssystem, Melkroboter, Entmistungsroboter, Beleuchtung und Belüftung sind vom Betriebsführer via App auf dem Handy überwach- und steuerbar. Außerdem können über einen Transponder am Halsband der Rinder sämtliche tierspezifische Daten (zum Beispiel auch die Wiederkauaktivität) überwacht werden und geben so Aufschluss über die optimale Versorgung.
Die Vorlage der aufgwerteten Mischration erfolgt mehrmals täglich mit dem Fütterungsroboter (4 bis 7 Mal je nach Kuhgruppe)Die Vorlage der aufgwerteten Mischration erfolgt mehrmals täglich mit dem Fütterungsroboter (4 bis 7 Mal je nach Kuhgruppe)

Zucht und Vermarktung
Die Familie Gruber ist ein sehr aktives Mitglied beim Rinderzuchtverband OÖ (RZO). Der Fleckviehzuchtbetrieb entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten sowohl zu einem der bekanntesten Schaubeschicker des Verbandes als auch zu einem regelmäßigen Jungkuhverkäufer bei der Versteigerung in Freistadt. Jährlich werden ca. 25 Jungkühe vermarktet. Zukünftig sollen auch verstärkt Kühe in der zweiten Laktation vermarktet werden.
STOLZE (V.: Vlax): Reservesiegerin Kühe mit 2 Abk. bei der Bundesfleckviehschau Maishofen 2017; 5/4-9.816-4,42-3,71-797STOLZE (V.: Vlax): Reservesiegerin Kühe mit 2 Abk. bei der Bundesfleckviehschau Maishofen 2017; 5/4-9.816-4,42-3,71-797
JENNY (V.: GS Rau): Reservesiegerin Kühe mit 2 Abk. bei der AGRARIA in Wels 2014 6/6-10.646-3,85-3,51-784JENNY (V.: GS Rau): Reservesiegerin Kühe mit 2 Abk. bei der AGRARIA in Wels 2014; 6/6-10.646-3,85-3,51-784
ASTI (V.: Passion): Gruppensiegerin Kühe mit 3 Abkalbungen und Gesamtsieg – Rindfleischkirtag 2018; 5/4-8.499-4,09-3,67-659ASTI (V.: Passion): Gruppensiegerin Kühe mit 3 Abkalbungen und Gesamtsieg – Rindfleischkirtag 2018; 5/4-8.499-4,09-3,67-659

Derzeit werden von den beiden Eigenbestandsbesamern Markus und Josef nur die aktuellsten und besten genomischen Jungvererber eingesetzt. Der RZO-Zuchtbetrieb ist auch Teilnehmer an den Projekten FoKUHs und D4Dairy. Durch die Typisierung von vielen Jungrindern wurden bereits wertvolle Zuchttiere wie zum Beispiel der Jungstier PINGUIN (Perfekt x Watt) entdeckt.
PINGUIN (Perfekt x Watt)PINGUIN (Perfekt x Watt)

Betriebsdaten

Markus, Rosa und Josef Gruber, vulgo Lemböck, St. Georgen/W., Oberösterreich
Arbeitskräfte:
    
Markus (27 J.), Josef (58 J.) und Rosa (57 J.) Gruber
Seehöhe:     
700 Meter
Niederschläge:     
700-800 mm
Betriebsfläche:     
48 ha Eigengrund, davon 18 ha Wald
16 ha Zupacht, 11 ha Silomais, Rest Grünland und Futterbau
Viehstand:     
derzeit 70 Milchkühe, 50 Stück weibliche Nachzucht am eigenen Betrieb und 45 Kalbinnen auf zwei Aufzuchtbetrieben
Herdenleistung:     
Herdenleistung
Stall:    
neuer Milchviehstall (Bezug März 2019) für 75 Milchkühe;
4 Gruppen (Melkende, Frischmelker, Frühtrockensteher, Transit);
vollständige Automatisierung (Melkroboter, Fütterungsroboter, Entmistungsroboter), Strohbereich für Transitgruppe
Siloraum    
1.200 m³
Güllelagerraum    
1.850 m³
Jungviehaufzucht:    
Liegeboxenlaufstall (Baujahr 1996) in Rundholzbauweise mit Gummimatten und Schrapperentmistung, Tiefboxen mit Einstreu, Kälber in Einzelboxen
Fütterung:     
aufgewertete Mischration aus Grassilage, Maissilage, Biertreber; Vorlage mehrmals täglich mit Fütterungsroboter (4 bis 7 Mal je nach Kuhgruppe); derzeit werden fünf verschiedene Rationen gemischt;
Kälberaufzucht mit Trocken-TMR und Vollmilch
Mechanisierung:     
Ernte und Transport bei Mais sowie teilweise bei Gras ausgelagert, Maisanbau und Pflanzenschutz ausgelagert, Gülleausbringung teilweise ausgelagert, der Rest wird mit Eigenmechanisierung erledigt

Mitglied beim RZO seit dem Jahr 1963.

Autor: Günther Holzer, RZO
Fotos: KeLeKi, Luca Nolli, Wagner Helga, Land OÖ