Betriebsreportage Philipp Hammerl, Abtenau, Salzburg

Philipp Hammerl ist mit Leib und Seele Bauer auf dem Lindmooshof in der Gemeinde Abtenau im Salzburger Tennengau. Mit seinen siebzehn Milchkühen liefert er jährlich 150.000 kg Milch an die Molkerei und verkauft pro Jahr zehn bis fünfzehn Jungkühe und Kühe.

Betriebsführer Philipp Hammerl mit Kuh im AuslaufPhilipps größtes Bemühen ist es, die Tiere bestens zu versorgen. So war es ihm auch ein Anliegen, ihnen durch einen Neu- bzw. Umbau des alten Anbindestalles im Jahr 2009 bestmöglichen Komfort bieten zu können. Daneben gab es aber noch zwei weitere Anforderungen an den Stall: Die tägliche Stallarbeit muss von einer Person alleine bewältigbar sein und die Baukosten sollten sich in Grenzen halten.

Das Ergebnis: ein gelungener Bau

Der Altstall wurde ausgehöhlt, Eisenträger eingezogen und im Frontbereich eine neue Halle angebaut. Ein optisch gelungener Bau, welcher für 20 Milchkühe mit Nachzucht, also insgesamt 60 Tieren, ein komfortables Zuhause bietet. Auch die Arbeitsbedingungen für das Stallpersonal sind gelöst: Der 1x5er-Side-by-Side-Melkstand wurde ebenerdig eingebaut und die Kälberboxen sind im Nahbereich untergebracht. Vom zentral angelegten Futtertisch, der auch eine einfache Fütterung ermöglicht, hat man einen guten Überblick zur Tierbeobachtung über die gesamte Herde. Die Kälber werden in Einzel- und später in Gruppenboxen auf Tiefstroh gehalten. Der Jungviehbereich wurde so angelegt, dass er arbeitstechnisch einfach ist: Spaltenboden mit Hochboxen. Der Kuhbereich bietet den Tieren viel Komfort: Der planbefestigte Boden wurde mit Gummimatten rutschsicher gestaltet, die Tiefboxen mit Strohmatratze gewähren den Tieren einen sehr guten Liegebereich, die Laufgänge wurden breit angelegt und der Auslauf erweitert das Platzangebot für die Tiere.

Bewirtschaftung der Flächen

Die Flächen des Betriebes, der sich auf einer Seehöhe von 800 m befindet, liegen arrondiert um den Hof und sind von der Neigung her von eben bis sehr steil (174 BHK Punkte). Der schwere lehmige Boden, eine Niederschlagsmenge von 1.400 mm und die Steilheit der Flächen erschweren vielfach die Bewirtschaftung. Die Gülleausbringung mittels Verschlauchung erfolgt überbetrieblich im Frühjahr und nach jedem Schnitt. Dieses System ist sehr bodenschonend und durch die arrondierte Lage sehr schlagkräftig. Bis zu vier Schnitte erfolgen pro Jahr. Nachgesät wird seit zwei Jahren bei günstiger Witterung. Erster und dritter Aufwuchs werden zur Gänze in den Fahrsilos (350m³) konserviert, zwei Drittel des zweiten Schnittes werden als Heu gewonnen und das restliche Drittel des zweiten und der gesamte vierte Schnitt werden in Ballen siliert. Das Pressen und Wickeln der Ballen erledigt der Maschinenring.
Als Futtergrundlage dienen hauptsächlich die Silagen der verschiedenen Schnitte und das bodengetrocknete Heu. Zusätzlich werden den Milchkühen vier bis fünf Kilo Biertreber verfüttert. Die Kraftfuttergabe erfolgt leistungsbezogen.

Alpung des Jungviehs

Bei der Agrargemeinschaftsalm in St. Koloman ist der Betrieb mit einem Viertel Anteil an der 180 ha großen Alm beteiligt. Die 70 ha umfassende Futterfläche erstreckt sich von 1.000 m bis 1.400 m Seehöhe. Das gesamte Jungvieh ab einem halben Jahr wird von Ende Mai bis Ende September dort gealpt. Die Alpung ist sehr arbeitsaufwändig, fördert aber die Vitalität und Gesundheit der Tiere.

Ruhige, zutrauliche Tiere

Mit den 17 Milchkühen werden ca. 150.000 kg Milch an die Alpenmilch Salzburg geliefert –125.000 kg davon im Rahmen des Kontingents, der Rest über Pacht bzw. Überlieferung. Neben der Milchproduktion spielt auch die Zuchtrindervermarktung eine wesentliche Rolle. Jährlich werden zwischen zehn und fünfzehn Jungkühe oder Kühe über die Versteigerungen in Maishofen vermarktet. Kälber werden kaum zugekauft, als Grundlage dient der eigene Rinderbestand.
Damit sich die Tiere am Markt bestens präsentieren, werden die Kälber und Jungrinder bereits beim Umstallen an das Führen mit dem Strick gewöhnt, daher prägen ruhige, zutrauliche Tiere das Bild der Herde. Der gesamte Rinderbestand wird im Herbst geschoren, was nicht nur der Schönheitspflege dient, sondern auch der Vorbeugung gegen Parasiten. Die Trockenstehzeit der Milchkühe beträgt sechs Wochen. Die Abkalbungen erfolgen über das ganze Jahr.

Zuchtziel

Zuchtziel ist die mittelgroße Kuh mit guter Flankenausprägung, stabilen, feinen Fundamenten und gut melkbaren Eutern. Schon bei der Kälberaufzucht wird versucht, die Tiere wiederkäuergerecht zu füttern. Hohe Grundfutteraufnahme ist für Tiere im Grünlandbereich sehr wichtig. Besamt wird mit den Fleckviehstieren WALDBRAND, WILLE, ROMARIO und ZAUBER. Genomische Stiere wie GS VENEZIANO, GS ILKON, GS IMBER, IKEBANA und GS RAVE werden mit einer entsprechenden Streuung eingesetzt. Tiere, denen es an Adel fehlt, werden mit RH-Stieren besamt.
Philipp war bereits selbst sehr erfolgreich auf Schauen vertreten, ist aber auch immer gerne als Schaubesucher dabei. Das Gespräch mit Züchterkollegen und die gezeigten Tiere bringen dem Betriebsleiter viel Information. Durch die eigene Tiervermarktung auf der Versteigerung ist er immer auf dem aktuellen Stand, welche Tiere gefragt sind und welcher Stier eine gute Nachzucht bringt.

Betriebsdaten

Philipp Hammerl, Lindmoos, Seydegg 1, 5441 Abtenau

Betriebsform: konventioneller Milchviehbetrieb mit Nachzucht

Seehöhe/Niederschlagsmenge: 800 m/1.400 mm

Bodenbeschaffenheit: schwerer, lehmiger Boden

Lage der Flächen/BHK-Punkte: arrondiert/174

Betriebsgröße: 20 ha mehrmähdiges Grünland (davon 4,5 ha Pachtland), 2 ha einmähdiges Grünland, ¼ Anteil bei einer Agrargemeinschaft (180 ha, 70 ha Futterfläche), 6 ha Wald

Arbeitskräfte: Betriebsführer

Maschinen: Eigenmechanisierung für das Grünland; Düngung mittels Verschlauchung überbetrieblich;. Ballensilage über MR

Durchschnittlicher Viehbestand: 17 Milchkühe, 40 Stück weibliche Nachzucht

Milchkontingent: 125.000 kg Eigenkontingent

Milchleistung: 17,3 Kühe 9.667 – 4,29 – 3,42 – 746


Autor: Ing. Christian Preßlaber, RZS

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