Betriebsreportage Ruhsam, Stmk.

Der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Dagmar und Walter Ruhsam liegt im Herzen des steirischen Salzkammergutes auf 800 m Seehöhe in der Gemeinde Pichl-Kainisch, Bezirk Liezen. Walter hat nach der Betriebsübernahme seinen Job als Fahrdienstleiter an den Nagel gehängt und widmet sich seither konsequent der Fleckviehzucht.

Dagmar, Walter, Maria und Walter sen.; vorne die beiden SöhneEigentlich wird der Betrieb aber als klassischer Nebenerwerbsbetrieb geführt, denn Dagmar arbeitet hauptberuflich als Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester im LKH Bad Aussee. Walter Ruhsam war bis 2005 als Fahrdienstleiter bei den ÖBB beschäftigt. Er gab diesen Beruf im Zuge der Hofübernahme im Jahr 2006 auf. Unterstützung bei den landwirtschaftlichen Arbeiten findet das Ehepaar durch die beiden Söhne Erik und Sebastian. Erik besucht ab Herbst 2013 die landwirtschaftliche Fachschule Grabnerhof. Sebastian möchte später einmal eine technische Schule besuchen. Auch die Eltern Walter sen. und Maria helfen noch tatkräftig am Betrieb mit.

Walter ist auch als Vorstandsmitglied der Fleckviehzuchtgenossenschaft Ennstal, beim Maschinenring Enns- und Paltental und in der sozialen Betriebshilfe im Bezirk Liezen aktiv. In der Bezirkskammer Liezen ist er als Kammerrat und Obmann des Tierzuchtausschusses tätig. Weiters ist er Obmann der Einforstungsgenossenschaft Bad Aussee.

Stall mitten im Dorf

Nach einer kurzen Planungsphase wurde im Jahr 2008 der Anbindestall umgebaut und durch einen Laufstall mit 34 Liegeplätzen ergänzt. Da sich der Betrieb im Dorfgefüge befindet und nicht arrondiert ist, musste man in der Planungsphase die Grenzabstände zu den Nachbarn berücksichtigen. Im Zuge des Stallneubaues war auch ein Grundstückstausch notwendig. Besonders wichtig dabei war das gute Gesprächsklima mit den angrenzenden Nachbarn. Der neue Stall ist mit Tiefboxen und zwei asphaltierten Schrapperbahnen mit säurefestem Asphalt ausgestattet. Das Stallgebäude ist südostseitig ausgerichtet. Der helle, gut belüftete Stall sorgt für optimales Wohlbefinden der Rinder. Im Altgebäude sind die Kälberboxen, der Jungviehlaufstall, die Abkalbebox und der Wartebereich für den 5er-Swing-over- Melkstand untergebracht.

Fütterung

Großen Wert legt der Betriebsführer auf die Verbesserung des Futterangebotes. Über den Transponder  bekommen die Tiere ein energiereiches Kraftfutter mit einem geringen Anteil an Eiweißfutter. Auch die  grobe Mineralstoffmischung wird über das Kraftfutter verabreicht.
Über den Futtertisch werden verschiedene Futterkomponenten mit einem Hoftrac vorgelegt. Wichtig ist dem Betriebsführer dabei, dass über das gesamte Jahr eine möglichst gleichbleibende Ration vorgelegt wird. Gefüttert wird Grassilage vom ersten und zweiten Schnitt, hinzu kommen Kleegras, gehäckselte Luzerne und Biertreber. Raufutter wird zur freien Entnahme angeboten. Konsequent wird die tägliche Kontrolle der Kraftfutterentnahme sowie der Milchmenge umgesetzt.
Die Trockensteher werden von den melkenden Kühen getrennt gehalten und mit Heu und Silage gefüttert. Drei Wochen vor dem Abkalben werden die Kühe mit Laktationsstarter langsam angefüttert. Zwischen dem 30. und 50. Tag nach der Abkalbung werden die Kühe besamt. Der Betriebsführer hat die Brunsterkennung und Fruchtbarkeit seiner Tiere gut im Griff.
Besonderes Augenmerk legt man auch auf die Kälberaufzucht. Die Kälber bekommen zwei bis drei Monate Milch und werden von Anfang an mit Heu und Kälberkorn zu guten Fressern erzogen. Die Kalbinnen werden durchschnittlich zweimal gealpt.

Akribischer Züchter

Walter Ruhsam ist ein Fleckviehzüchter aus Leidenschaft. So wie er sich früher intensiv mit Fahrplänen auseinandergesetzt und für konsequente sowie exakte Umsetzung gesorgt hat, so genau beschäftigt er sich nunmehr mit der Fleckviehzucht und allen verfügbaren Fleckviehstieren in Europa. Es gibt bei ihm kein Rind, das nicht gezielt angepaart wird. Durch die Genomselektion ist die Zucht sehr schnelllebig geworden – das Angebot der Stiere ist sehr groß. Deshalb sieht er im neuen Anpaarungsprogramm der Rinderzucht Steiermark „All in one“ eine willkommene Hilfe bei der Stierauswahl.

Als Eigenbestandsbesamer setzt der Betriebsführer folgende Stiere aktuell am Betrieb ein: RAJAN *TA, HURRICAN, MANTON, JANDA und GS WOHLTAT. Hinzu kommen die Stiere ZAUBER, WILLE, DRYLAND, MAMMUT und SILVERSTAR. In letzter Zeit wird auch gesextes Sperma von den Stieren GS WALCH, GS RAVE, GS VOGT, GS INROS und MARMOR PS eingesetzt. Sehr euterstarke Tiere mit hohen Euterböden wurden mit dem Outcross-Vererber FIDELIS besamt. Bei der Stierauswahl achtet Walter Ruhsam neben dem Gesamtzuchtwert sehr stark auf die Fundamentmerkmale Fessel und Trachten.

Schauerfolge

Seit Ende der 1960er Jahre wird am Betrieb Fleckviehzucht betrieben. Schon damals  konnten immer wieder Schauerfolge verbucht werden: Herausragend war die Kuh ZILLE, eine SALOMON-Tochter. Auch die Kuh FALKE konnte in der Vergangenheit bei Rinderschauen überzeugen. Im Jahr 2010 beteiligte sich der Betrieb Ruhsam sehr erfolgreich an der Ennstal- Schau. Insgesamt wurden vier Tiere ausgestellt, die alle vordere Platzierungen erreichten. Mit der Kuh REBE konnte ein Gruppensieg errungen werden; MOLLY,  eine RAINER-ET Tochter, erreichte den Gesamtsieg bei den Fleckvieh-Jungkühen.

Für Walter ist die Genomselektion eine Chance: Immer wieder werden von seinem Betrieb interessante männliche Stierkälber getestet. Die genomischen Zuchtwerte liegen dabei zwischen 124 und 135. Einige geprüfte Kälber wurden in der Eigenleistungsprüfstation Kalsdorf aufgezogen und konnten über Versteigerungen sehr gut vermarktet werden.

Besonders stolz ist der Betrieb auf seine sehr guten Erstlingskühe: 2012 erreichten sie eine durchschnittliche Milchleistung von 9.405 kg bei einem Erstkalbealter von 32 Monaten. Auch die beste Erstlingskuh der Rinderzucht Steiermark über alle Rassen im Jahr 2012 steht am Betrieb Ruhsam Walter. LILLI erreichte in der ersten Laktation eine Leistung von 13.277-4,15-3,52-1.019.

Für die Zukunft ist dem Betriebsführer wichtig, den eingeschlagenen züchterischen und betrieblichen Weg konsequent fortzusetzen, um bestmöglich für diese schnelllebige Zeit gerüstet zu sein.

Betriebsdaten

Dagmar und Walter Ruhsam vlg. Kuchler, 8984 Kainisch, Pichl 21

Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar und Eltern
Betriebsschwerpunkte: Milchproduktion, Zuchtrindervermarktung, Forstwirtschaft und Almwirtschaft
Seehöhe/BHK Punkte: 800 m/130 Punkte
Jahresniederschlagsmenge: 1600 – 2000 mm
Flächenausstattung: 23 ha mehrmähdige Wiesen, 2 ha zweimähhdige Wiesen, 11 ha Dauerweiden und Hutweiden
Einforstungs- und Weiderechte: Almweiderechte  23 GVE, Heimweiderecht   7 GVE, 2 Almhüttenrechte, Holzbezugsrecht 18 ha Nutzwald, Elementarholzrecht 400 fm
Tierbestand: 24 Milchkühe und 35 Stück weibliche Nachzucht
Stalldurchschnitt:
2000    16,5      8.035-4,33-3,42-623
2006    18,1      8.959-3,78-3,49-651
2012    22,9    10.689-4,37-3,53-845

zu den Fotos

Autor: Ing. Fritz Baumann, Rinderzucht Steiermark