Betriebsreportage Schafferhofer, Stmk.

In der Oststeiermark auf 1.030 m Seehöhe liegt der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Schafferhofer, einer 9-köpfigen Großfamilie mit vier Generationen. Betriebszweige sind die Milch- und Forstwirtschaft. Das Erfolgsrezept des Betriebes: Intensive Nutzung der Genomselektion kombiniert mit der Erzeugung von Gebrauchsrassekreuzungen mit Weiß-Blauen Belgiern.

v. l.: Daniela, Josef, Lisa, Alois, Philipp, Stefanie, Sebastian, Alois sen. und Annav. l.: Daniela, Josef, Lisa, Alois, Philipp, Stefanie, Sebastian, Alois sen. und Anna Schafferhofer

Die Kühe werden in dem 1996 bereits für 36 Kühe erbauten und 2004 erweiterten Laufstall gehalten. Ausgestattet ist er mit Tief- und Hochliegeboxen sowie Spaltenboden mit Gummimatte. Ein großzügiger betonierter Auslauf sorgt für entsprechendes Tierwohl. Das Jungvieh befindet sich gegenüber auf Spaltenboden mit Hochliegeboxen. In der Mitte befindet sich der Futtertisch, sodass er von zwei Seiten benutzt werden kann.

Gefüttert wird mittels Mischwagen eine aufgewertete Mischration. Zusätzlich stehen zwei Transponder für die vollständige Ausfütterung zur Verfügung. Die Milchkuhration besteht aus 75 Prozent Grassilage und 25 Prozent Maissilage, die zum Teil zugekauft wird. Besonders großer Wert wird auf eine einwandfreie Qualität des Grundfutters gelegt. Das Jungvieh und die Trockensteher bekommen eine mit Stroh verdünnte Grassilage-Ration.

Erfolgreiche Betriebsstrategie
Am Betrieb Schafferhofer wird die gesamte weibliche Nachzucht genotypisiert. Die besten Tiere werden über Embryotransfer genutzt - im Jahr 2018 wurden acht Spülungen durchgeführt. Kalbinnen mit GZW über 125 werden mit einem genomischen Jungvererber belegt und bei Kalbinnen mit GZW unter 125 wird ein Embryo eingesetzt. Die überzeugendsten leistungsstarken Kühe werden mit einem genomischen Jungvererber besamt, bei leistungsschwächeren Kühen mit bester Fruchtbarkeit wird ein Embryo eingesetzt. Die restlichen Kühe werden mit Weiß-Blauen Belgiern besamt.
So kommen zum einen sehr viele züchterisch hochinteressante Tiere nach und zum anderen werden stark nachgefragte Kreuzungskälber aus züchterisch weniger interessanten Kühen produziert.Philipp mit einem Gebrauchskreuzungskalb beim Steirischen RindfleischfestPhilipp Schafferhofer mit einem Gebrauchskreuzungskalb beim Steirischen Rindfleischfest

Zuchtziel
Das Ziel ist eine mittelrahmige, leistungsbereite Kuh mit gut melkbarem Euter, die vor allem problemlos ist, sind sich Betriebsführer Alois und Sohn Josef einig. Aufgrund der großen Begeisterung des Hofnachfolgers für die Zucht wurden 2015 die ersten Embryonen gekauft und weibliche Tiere genotypisiert - wie sich im Nachhinein zeigt, war es der absolut richtige Weg.

Ein besonderes Händchen bewies Josef Schafferhofer beim Kauf eines Embryos vom Betrieb Karrer, Oberösterreich, aus einer erfolgreichen Schaukuh (V.: GS Rau). Aus dem Embryo entwickelte sich eine mittelrahmige, umsatzbetonte und sehr elegante Kuh mit sehr hoher Leistungsbereitschaft, die WILDSTERN-Tochter WAIKIKI (GZW 127). Sie bereitet den Züchtern durch ihre gute Fruchtbarkeit und Persistenz größte Freude. Von WAIKIKI ist mit GS INSTAGRAM (V.: Imperativ) bereits ein Stier im Besitz von GENOSTAR und ein GS DER BESTE-Sohn mit aktuell GZW 137 befindet sich in Aufzucht.

WAIKIKI (Wildstern x GS Rau), die Mutter des Jungstieres GS INSTAGRAMWAIKIKI (Wildstern x GS Rau)

Aus dem eigenen Bestand wurde, dank der Genomselektion, mit GOLLA (GZW 131) eine genetisch hochwertige WATT-Tochter entdeckt. GOLLA (Watt x Waldbrand) ist ebenfalls eine mittelrahmige Kuh, die mit gutem Euter und Fundament zu gefallen weiß. Besonders auf der weiblichen Seite haben sich die Nachkommen von GOLLA sehr gut typisiert. Auffallend dabei sind die sehr guten Euter-Zuchtwerte sowie die frohwüchsigen, vitalen Kälber aus dieser Linie.

Weibliche Nachkommen von GOLLA am Betrieb:
•    HERZSCHLAG-Tochter: 136/129 und ihre WORLDCUP-Tochter: 139/128
•    HERZSCHLAG-Tochter: 128/122
•    DENKMAL-Tochter: 139/136
•    DENKMAL-Tochter: 136/124
•    DENKMAL-Tochter: 130/128
•    DENKMAL-Tochter: 130/125
•    ein DENKMAL-Sohn 131/123 befindet sich in Aufzucht.

Zur großen Freude der Züchter entsprechen diese zwei hochtypisierten Kühe aufgrund der Leistung und der guten Fitness genau dem Zuchtziel. „Wenn das Züchterglück weiter anhält, ist vorgesehen, einige hochwertige Embryonen über Kuh4You anzubieten und vielleicht das eine oder andere hochtypisierte weibliche Jungrind über den Vermarktungsstandort Greinbach zu vermarkten“, so Sepp Schafferhofer.

GS INSTAGRAM und MIVEN
Ende 2018 schafften gleich zwei Stiere den Weg auf eine Besamungsstation. Der IMPERATIV-Sohn GS INSTAGRAM (GZW 135; ZWS Dez. 2018) ist ein Stier, der seine großen Vorzüge in der Fitness sowie bei den Exterieur-Merkmalen Fundament und Euter hat. Der auch für Kalbinnen sehr gut geeignete Stier hat die großen Stärken in einer herausragenden Persistenz von 128 (ZWS Dez. 2018) und sehr guten Zellzahlwerten.

INSTAGRAM, ein IMPERATIV-Sohn mit Stärken in der Fitness, im Fundament und EuterGS INSTAGRAM

MIVEN (GZW 130; ZWS Dez. 2018) ist ein MINDMAP-Sohn, der von einer slowakischen Besamungsstation angekauft wurde. MIVEN ist ebenso ein Fitness-Vererber mit Stärken in der Melkbarkeit, Zellzahl und Fruchtbarkeit. In den Exterieur-Merkmalen hat der Kalbinnen-Stier besonders im Euter eine positive Abweichung. Seine Mutter MALLI (V.: Vestel) ist eine knapp mittelrahmige, mit einem sehr langen, breiten und drüsigen Euter ausgestattete Kuh mit sehr hoher Leistungsbereitschaft.

Der MINDMAP-Sohn MIVEN wurde von einer slowakischen Besamungsstation erworbenDer MINDMAP-Sohn MIVEN wurde von einer slowakischen Besamungsstation erworben

Es ist beachtenswert, in welch kurzer Zeit der Betrieb mit intensiver Zuchtarbeit seinem Zuchtziel nähergekommen ist und dadurch wirtschaftlich erfolgreich in die Zukunft blicken kann.

Der Betrieb Schafferhofer in Strallegg in der OststeiermarkDer Betrieb Schafferhofer in Strallegg in der Oststeiermark

Betriebsdaten

Stefanie und Alois Schafferhofer, Pacher, Strallegg, Steiermark

Familie: Altbauern Anna und Alois, Betriebsführer Stefanie und Alois, Hofnachfolger Daniela und Josef mit den Kindern Philipp, Sebastian und Lisa
Seehöhe: 1.030 m
Niederschlag: 936 mm
Betriebsschwerpunkte: Rinderhaltung und Forstwirtschaft
Flächenausstattung: 74 ha Eigenfläche, davon 35 ha Nutzfläche und 39 ha Wald; Nutzfläche aufgeteilt auf 30 ha Ackerstatus, 5 ha Dauergrünland.
Es werden ca. 2 ha Silomais und 3 ha Getreide angebaut. 4 ha Silomais werden zugekauft.
Mechanisierung: Außenwirtschaft bis auf das Dreschen alles selbst
Siloraum: 5 Traunsteinsilo – 1.500 m³
Gülleraum: 1.200 m³
Viehbestand: 63 Milchkühe und weibliche Nachzucht
Fütterung: mittels Mischwagen, Kraftfutter über Transponder
Herdendaten:
Herdenkennzahlen des Betriebes

Leistungsentwicklung:
Leistungsentwicklung 2016 bis 2018
Aktuelle Besamungsstiere:
GS W1, GS WHAT ELSE, GS INSTAGRAM, MALAGA Pp*, WEISSENSEE, WEITBLICK, MIVEN.
Die Anpaarung erfolgt mithilfe des Anpaarungsprogrammes GS AIO. Züchterisch interessante Tiere werden zu 100 Prozent mit genomischen Jungstieren besamt, der Rest mit den Weiß-Blauen Belgiern IDEFIX und RUBEN.
Hauptkriterien bei der Stierauswahl: GZW, Euter, Milch und Persistenz.

Autor: Georg Stückler, Rinderzucht Steiermark