Das ABC der Zitzenhygiene

Die Kühe betreten den Melkstand. Der Melker nimmt den Vormelkbecher in die Hand und beginnt mit dem Vormelken. Noch bevor er mit dem Reinigen beginnt, weiß er sofort, dass heute das Melken wieder eine viertel Stunde länger dauert, denn die Zitzen sind stark verschmutzt. Was für eine gute Zitzenhygiene zu beachten ist, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Der Aufbau der Zitze scheint nach außen hin einfach, aber es handelt sich um ein sehr sensibles Gewebe. Der Schließmuskel, der tiefste Punkt der Zitze, bildet einerseits die natürliche Barriere für Eindringlinge (z.B. Mastitiserreger) in den Strichkanal und gleichzeitig die natürliche Austrittspforte für die Milch. Der Strichkanal ist mit einer Keratinschicht ausgekleidet. Das Keratin ist physikalisch ein Abdichtungsmittel und aufgrund seines hohen Gehaltes an freien Fettsäuren auch bakterizid. Seine Aufgaben kann der Schließmuskel aber nur dann ordnungsgemäß erfüllen, wenn er gesund und intakt ist. Schädigungen des Schließmuskels können durch zu hohes Vakuum, falsche Pulsation, langes Blindmelken oder Verletzungen erfolgen.

Für einen funktionsfähigen Strichkanal müssen folgende Kriterien gegeben sein:

  • nicht schlaff (Milchtröpfeln in der Zwischenmelkzeit erhöht die Infektionsgefahr)
  • nicht zu eng (Schwermelkbarkeit)
  • kein zu hohes Minutengemelk
  • keine Zitzenkuppenverletzungen
  • keine Hyperkeratosen (Verlust der Elastizität)

Nach dem Melken vergehen etwa 30 Minuten, bis der Strichkanal wieder halbwegs geschlossen ist. In dieser Zeit sollten sich die Kühe nicht hinlegen.Die nach obenhin anschließende Zitzenzisterne ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Diese Schleimhaut hat die Aufgabe, Bakterien abzuwehren. In die Zitzenzisterne mündet ein weiterer Hohlraum: die sogenannte Drüsenzisterne. Diese zählt wie auch die Zitzenzisterne, der Strichkanal sowie die Milchgänge zum milchabführenden System. Der vorgelagerte Teil des Euters ist das milchbildende Gewebe. Dazu gehören die  Drüsenlappen, Drüsenläppchen, Alveolen und die Drüsenzellen.

M
aßnahmen für eine gute Zitzenhygiene

1. Immer vormelken
Durch die Vermehrung von Keimen, die in der Zwischenmelkzeit durch den Strichkanal eindringen, ist die Milch in der Zitzenzisterne häufig mit Keimen angereichert. Mit drei Strahlen aus jeder Zitze in den Vormelkbecher wird die in der Zitzenzisterne vorhandene keimreiche Milch entfernt, bevor sie mit der übrigen Milch in der Drüsenzisterne vermischt wird. Dies verringert den Keimgehalt der Milch. Durch das Vormelken wird gleichzeitig die Durchgängigkeit des Strichkanals geprüft.
Maßnahmen für eine gute Zitzenhygiene: Nach dem Vormelken folgt die ZitzenreinigungMaßnahmen für eine gute Zitzenhygiene: Nach dem Vormelken folgt die Zitzenreinigung; Foto: LK NÖ

(Auszug aus dem Artikel „Das ABC der Zitzenhygiene“, Fleckvieh Austria Magazin 5/16, von DI Romana Berger BEd., LK NÖ)