Das optimale Erstabkalbealter

Gesunde und leistungsfähige Tiere für die Bestandsergänzung sind die Basis einer erfolgreichen Milchviehhaltung. Nach wie vor wird diese in den meisten Milchviehbetrieben mit eigener Aufzucht betrieben. Vieles spricht dafür, angefangen von einer breiten Basis für die Selektion und der Verwendung eigener Genetik bis zum Gesundheitsstatus der Herde.

Allerdings verursacht die Jungviehhaltung auch Arbeit und braucht nicht nur Futter und Fläche. Die Aufzucht ist ein wichtiger Kostenfaktor, welcher in der Milchviehhaltung oft außer Acht gelassen und unterschätzt wird.
Während in der Vergangenheit die Beratungsarbeit in den Milchviehbetrieben eher nur der optimalen Milchproduktion und den damit verbundenen Problembereichen wie Haltung, Fütterung und Futterqualität, Klauengesundheit sowie der Melktechnik galt, muss die Wichtigkeit der Jungviehaufzucht stärker in das Bewusstsein der Betriebe gerückt werden. Auch spezialisierte Kalbinnenaufzüchter sind ständig gefordert, die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebszweigs im Auge zu behalten.

Das kostet die eigene Bestandsergänzung
Die Ansprüche des Tieres an die Fütterung und die Haltung sind hoch und verlangen einen ebensolchen Einsatz des Betriebsleiters. Die Jungviehaufzucht nach der Kälberphase ist hingegen häufig nur ein „Nebenschauplatz". Bei fast allen Beratungen fällt auf, dass der Arbeitseinsatz, der Flächenbedarf und damit auch die gesamten Kosten der Aufzucht kaum bekannt sind und meist unterschätzt werden. Über die Aufzuchtdauer gesehen benötigt die Kalbin nicht nur einen Stallplatz, sondern ebenso viel Grundfutter wie eine Kuh in einem Jahr.

Wie hoch ist also der tatsächliche Kostenanteil der eigenen Nachzucht an den Gesamtkosten der Milcherzeugung? Antwort gibt es dazu aus den Betriebszweigauswertungen der Arbeitskreise Milch in Oberösterreich: Bei den Direktkosten stellen die Kosten für die Bestandsergänzung mit 29 Prozent neben den Kraftfutterkosten mit 34 Prozent den zweitgrößten Kostenfaktor in der Milchviehhaltung dar. In Bezug auf die Vollkosten geht rund jeder fünfte Euro in die Nachzucht. Selbst in gut organisierten Betrieben beansprucht die Kalbinnenaufzucht über ein Drittel der Futterflächen und rund 15 Prozent der Arbeitsstunden. Ein um einen Monat höheres Erstkalbealter schlägt sich mit 75 Euro pro Monat und Tier nieder. Macht sich nun ein Milchviehhalter auf die Suche nach den Stärken und Schwächen seiner Herde, darf der Blick am Jungvieh folglich nicht vorbeigehen. Sehr oft ist die Optimierung der Bestandsergänzung in der Praxis aber kein Thema, weil die notwendige Datenbasis fehlt.
(Auszug aus dem Artikel „Das optimale Erstkalbealter" von Franz Wolkerstorfer, Beratung Rinderproduktion, LK-O.Ö.; Fleckvieh Austria Magazin 3/19)