Eigenleistungsprüfstation Kalsdorf, Stmk.

Die Eigenleistungsprüfstation Kalsdorf liegt am Ortsrand von Ilz in der Oststeiermark und ist die Aufzuchtstätte der steirischen Spitzengenetik. Welche Personen stehen nun hinter dieser zentralen Einrichtung im Zuchtprogramm und wie wird die Station bewirtschaftet?

Eigenleistungsprüfstation Kalsdorf, SteiermarkDie Station gehört zur Landwirtschaftlichen Fachschule Hatzendorf; der Betrieb erfolgt in enger Abstimmung mit der Rinderzucht Steiermark und GENOSTAR. Bei einer Kapazität von 120 Prüfplätzen, davon 100 für Fleckvieh, verlassen jährlich bis zu 30 Jungstiere die Station in Richtung Besamungsstationen.

Schenkung an das Land Steiermark
Der Schulbetrieb bewirtschaftet mit der Forstwirtschaft insgesamt 103 ha, davon gehören 80 ha zur ELP Kalsdorf. Die Gebäude und die Land- und Forstwirtschaft in Kalsdorf gehören seit dem Jahr 1979 zur Schule Hatzendorf und stammen aus einer Schenkung von Frau Stefanie Czeicke an das Land Steiermark. Damit war testamentarisch ein Förderauftrag für die steirische Landwirtschaft verbunden. Man hat sich damals entschieden, diesem mit einer „Mastleistungsprüfanstalt“ nachzukommen. Anfang der 90er Jahre wurde von der Nachkommenschaftsprüfung auf die Eigenleistungsprüfung umgestellt.

Leitung des Schulbetriebes
Direktor DI Franz Patz (re.) und Rupert Böhm, der Verantwortliche für die StiereDirektor HR DI Franz Patz ist als Direktor der Landwirtschaftlichen Fachschule Hatzendorf auch verantwortlich für die ELP Kalsdorf. Ein Glücksfall für die Rinderzucht, denn wie bei seinen Vorgängern schlägt auch sein Herz für die Rinderzucht. Es lassen sich nicht nur alle Anliegen und Probleme von Zucht und Besamung zielgerichtet diskutieren, er ist sehr oft selbst an der Station anzutreffen und begrüßt Gäste aus dem In- und Ausland regelmäßig persönlich.
Auch in der Ausbildung der Schüler erfüllt die ELP eine wichtige Aufgabe, weil sich im Praxisunterricht gute Synergien ergeben. Die Schüler sind neben den Tätigkeiten im Ackerbau bei allen Wiegungen dabei, wo der Kontakt mit den Tieren intensiv gepflegt werden kann (Führig-Machen, Striegeln, etc.). Auch die Schlachtung ausgeschiedener Stiere erfolgt im Schulbetrieb und ist Teil der Ausbildung.

Höchste Kompetenz im Stall
Das Um und Auf für eine Aufzuchtstation mit dieser Konzentration von Genetik ist die Person, die für die Tiere verantwortlich ist. Rupert Böhm macht diese Arbeit seit Jahren und er genießt das Vertrauen der Züchter in höchstem Maße. Eine kleine Episode charakterisiert eine seiner Eigenschaften recht gut: erst wenn Praktikanten am ersten Tag zumindest seinem Schritttempo durch die Stallungen folgen können, haben sie die erste Hürde der Praxis geschafft. Rupert Böhm ist nicht nur der absolute „Rindermensch“ im Betrieb, sondern erledigt als gelernter Maurer auch die meisten der anfallenden Instandhaltungsarbeiten gleich selbst.
Rupert Böhm ist auch die einzige fixe Arbeitskraft an der ELP. Unterstützung hat er bei den Wiegungen und in der Versteigerungsvorbereitung.

Tiergesundheit über alles
Die Einstelluntersuchung und tierärztliche Betreuung erfolgt durch die Tierarztpraxis Dr. Wilhelm, Anger. Es erfolgt eine Einstellprophylaxe, alle Kälber erhalten eine Grippeschutzimpfung. Der Grippeschutz wird während des gesamten Aufenthaltes an der Station aufrechterhalten. Am zweiten Tag erhalten die Kälber eine Vitamin-, Eisen- und Seleninjektion. Drei Wochen lang wird die Temperatur aller Kälber einmal täglich überprüft. Direktor Patz betont, dass von Rupert Böhm so gut wie nichts übersehen wird, was die Gesundheit der Tiere betrifft.

Fütterung ohne Hokuspokus
Die Fütterung ist jedenfalls eine Herausforderung, weil einerseits das genetische Potenzial ausgeschöpft werden soll und andererseits die Kondition für den Besamungseinsatz passen muss.
Eingestellt werden die Kälber im Alter zwischen zwei und drei Monaten. Bis zum 100. Lebenstag erhalten die Kälber eine Milchtränke über einen Milchautomaten. Daneben wird bereits Maissilage mit gehäckseltem Stroh und Kälberstarter vorgelegt.
Nach der Quarantäne erfolgt die Kraftfuttergabe über einen Transponder, die bei 2 kg beginnt und bis maximal 3,5 kg gesteigert wird. Maissilage wird zur freien Aufnahme vorgelegt. Wichtig ist Herrn Böhm die frische Futterentnahme und Vorlage bei jeder Mahlzeit. 1-2 kg Heu werden zusätzlich aufgenommen, es handelt sich um warmbelüftetes Heu bester Qualität. 14 Tage vor der Vermarktung kommen die Stiere in eine Einzelbox, wo dann das Kraftfutter wieder auf drei kg reduziert wird. In diesem Zeitraum erfolgen das Scheren und die Klauenpflege. Der Nasenring wird mit zwölf Monaten eingezogen.

Moderne Genetik im Gewölbestall
GS MYSTERIUM Pp (Manolo Pp x Watt) - tägliche Zunahmen im Prüfabschnitt an der ELP: 1.584 Gramm. Züchter: Franz Kölbl, St. Margarethen/R., SteiermarkGS MYSTERIUM Pp (Manolo Pp x Watt) - tägliche Zunahmen im Prüfabschnitt an der ELP: 1.584 Gramm. Züchter: Franz Kölbl, St. Margarethen/R., Steiermark

Der alte Gewölbestall setzt der Technisierung klare Grenzen, weshalb auch kein Mischwagen im Einsatz ist. Die Fütterung ist weitestgehend händisch mit Unterstützung einer E-Karre zu erledigen. Böhm sieht aber in den vielen Wegen, die im Stall zu Fuß zurückzulegen sind, den Vorteil, die Tiere gut beobachten zu können.
Wesentlich für das Klima im alten Stall ist die Belüftung: Die Ventilatoren saugen Luft von außen an und verteilen diese im Stall. Wenn in Zukunft die Temperatur weiter steigt, wird die Leistung der Ventilatoren erhöht werden müssen. Der Auslauf für alle Stiere ist der zweite wesentliche Faktor für das Stallklima. Die Tiere werden in allen Altersabschnitten in einem Tretmistsystem auf Stroh gehalten. Die Kombination der Haltung auf Stroh und des Auslaufes auf Teilspaltenboden bzw. Betonboden ist für die Entwicklung des Fundamentes optimal. Man würde aus heutiger Sicht den Auslauf aber nur mehr mit Spaltenboden ausführen. Die Strohmanipulation ist durch eine Krananlage in vertretbarem Ausmaß machbar. Ein wesentliches Element der Tiergesundheit ist der Quarantänestall mit Porendecke, wo die Kälber die ersten sieben Wochen verbringen, was mit dem zweimonatigen Einstellintervall zusammenhängt.

Alle 6 Wochen vor dem Spiegel
Für das Zutraulich-Machen sind die regelmäßigen Wiegungen ein wichtiger Bestandteil. Bei diesem Anlass sind auch Vertreter der Rinderzucht Steiermark und von GENOSTAR dabei, um laufend über die Entwicklung der Tiere informiert zu sein. Einmal jährlich ist der gesamte Zuchtausschuss der Rinderzucht Steiermark dabei. Klauenkorrekturen werden während der Aufzucht nicht durchgeführt.

Aus Kalsdorf in alle Welt
Jährlich werden 25 bis 30 Stiere von GENOSTAR und anderen Besamungsstationen angekauft. Außerhalb der künstlichen Besamung verlassen viele die Station über den Export in verschiedenste Länder oder sie gehen über Versteigerungen in den Natursprung.
Erst wenn die Rückmeldung da ist, dass der „Absolvent“ der Station gut am Ziel angekommen ist, sind Direktor Patz und Rupert Böhm zufrieden und sehen ihre Arbeit als erledigt an.

Autor: DI Peter Stückler, GENOSTAR