Erdbeerkrankheit – Mortellaro – Dermatitis Digitalis

Was 1974 in Italien von Cheli und Mortellaro zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde, hat auch unsere Rinderherden nicht verschont. Dermatitis Digitalis (abgekürzt DD), auch als Mortellaro oder Erdbeerkrankheit bezeichnet, ist weltweit im Vormarsch und führt zu enormen wirtschaftlichen Verlusten.

Nach Österreich kam die Erkrankung durch Rinderimporte aus dem Westen und breitet sich hier seit den 1990er Jahren kontinuierlich aus.

Erscheinungsbild
Mortellaro hat ein sehr typisches Erscheinungsbild. Sie tritt meistens im Bereich der Ballen und Fesselbeuge, hin zum Zwischenklauenspalt, auf. Auch die Klauenvorderseite ist gelegentlich betroffen. Dabei handelt es sich um runde bis ovale, entzündliche Veränderungen der Haut, die an den Hintergliedmaßen bevorzugt anzutreffen sind. Die befallene Hautpartie in der Größe von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern ist mit einem schmierigen Belag oder einer Kruste bedeckt. Typisch ist die Abgrenzung der Wundstellen durch überlange, aufgestellte Haare. Erst nach gründlicher Reinigung der verdächtigen Stellen können die Veränderungen richtig erkannt werden. Dabei erscheinen stark gerötete, erhöhte und leicht unebene, erdbeerähnliche Oberflächen (Erdbeerkrankheit). Neben diesen klassischen Fällen beobachtet man neuerdings auch wuchernde, warzenartige Formen. An DD erkrankte Kühe gehen schmerzbedingt fast immer lahm und gehören daher untersucht, klauengepflegt und behandelt.

Entstehung
An der Krankheit sind viele verschiedene Keime beteiligt, die auf der Hautoberfläche bzw. im Gewebe gefunden werden. Sie entfalten ihre schädliche Wirkung erst, wenn die Haut aufgeweicht oder durch anwesende Keime bereits vorgeschädigt ist. Im Gewebe sitzen Spirochäten. Das sind schraubenförmige, sich aktiv bewegende Bakterien, zu denen auch Treponema gehören. Die Treponemen stellen den größten Anteil der nachweisbaren Erreger (90 %) bei Mortellaro dar. Von ihnen konnten bereits über 30 verschiedene Typen nachgewiesen werden, die vermutlich unterschiedlich stark krankmachend (pathogen) sind. Diese Bakterien bohren sich bei vorgeschädigter Oberfläche in die Haut und können dann tief im Gewebe nachgewiesen werden. Sie sind so gegen oberflächliche Behandlungsmaßnahmen relativ geschützt.

Einzelfall bis zu Bestandsproblemen
Befindet sich die Infektion erst einmal im Stall, hängt die Ausprägung des Befalls oftmals von den Haltungsbedingungen, insbesondere der Stallhygiene, ab. Die Vorkommenshäufigkeit liegt vom Einzeltier bis zu mehr als 50 Prozent einer befallenen Herde. Bestandssanierungen sind für die Tierbesitzer oft eine nur schwer zu bewältigende Aufgabe. Zu sehr spielen hier betriebsindividuelle, multifaktorielle Ursachen, die das Ausbreiten der Mortellarschen Krankheit in einer Milchviehherde begünstigen und die körpereigene Abwehr der Kühe schwächen, eine gemeinsame Rolle. Periodische, sachkundige Funktionelle Klauenpflege sowie Optimierungen in der Haltung (Raum, Licht, Luft, Stallboden- und Liegeflächenhygiene) und in der Fütterung sind die Knackpunkte für das Kurzhalten von Mortellaro.

(Auszug aus dem Artikel „Erdbeerkrankheit – Mortellaro – Dermatitis Digitalis: Drei Namen für ein Problem in vielen Laufstallbetrieben", Fleckvieh Austria Magazin 6/18, von Franz Wolkerstorfer, Rinderberatung LK-OÖ)