Erstmals Zuchtwerte für Strichplatzierung hinten

Schon seit einigen Jahren mehren sich Hinweise aus der Praxis, dass der Abstand zwischen den Hinterstrichen immer enger wird. Das kann bereits vereinzelt zu Problemen beim Melken führen, insbesondere in automatischen Melksystemen.

Aus diesem Grund wurde zuerst im Jahr 2011 ein neuer Exterieurmangel „Striche hinten eng“ eingeführt und in weiterer Folge (in Österreich seit Jänner 2017) mit der linearen Beschreibung für den Strichabstand, d.h. für das Merkmal „Strichplatzierung hinten (SPH)“ begonnen. Die Beschreibung reicht dabei von sehr weit außen (1) bis sehr weit innen (9). Die genaue Definition des Merkmals ist in Abbildung 1 zu sehen. Als Optimum wird die Ausprägung 5, also mittig platziert angesehen. Inzwischen liegen bereits Daten von mehr als 160.000 Erstlingskühen vor, der Mittelwert liegt bei 5,6. Das zeigt, dass die Hinterstriche im Durchschnitt nicht mehr mittig platziert sind, sondern nach innen tendieren.

Abbildung 1: Definition der linearen Beschreibung des Merkmals „Strichplatzierung hinten“:
Beschreibung der Position der Hinterstriche in Relation zum Euterviertel von 1=sehr weit außen über 5=mittig platziert bis 9=sehr weit innen.
Abbildung 1: Definition der linearen Beschreibung des Merkmals „Strichplatzierung hinten“: Beschreibung der Position der Hinterstriche in Relation zum Euterviertel von 1=sehr weit außen über 5=mittig platziert bis 9=sehr weit innen.

Neue Zuchtwerte
Basierend auf diesen Daten wurden sowohl eine konventionelle als auch eine genomische Zuchtwertschätzung (ZWS) entwickelt. Die ZWS erfolgt mit dem Routinemodell der Exterieur-ZWS für Eutermerkmale. Die geschätzten Zuchtwerte für SPH werden seit der Zuchtwertschätzung im April veröffentlicht. Bei der Schätzung der genetischen Parameter ergab sich eine erfolgsversprechende Erblichkeit (Heritabilität) von 23 Prozent, die eine züchterische Verbesserung des Merkmals ermöglichen sollte. Darüber hinaus bestehen positive genetische Korrelationen mit der Eutergesamtnote und den Einzelmerkmalen Zentralband, Strichstellung und Strichplatzierung vorne. Der durchschnittliche Zuchtwert aller KB-Stiere mit SPH-Daten von Töchtern und genomischem ZW beträgt 99,8 (60-130) bei einer durchschnittlichen Sicherheit von 81% (39-99%), die Sicherheiten bei genomischen Kandidaten liegen im Schnitt bei 42 Prozent.

Anpassung der FleckScore-Berechnung der Euternote
Das neue Merkmal SPH wird seit Oktober 2018 auch bei der Berechnung der Euternote in FleckScore berücksichtigt. Die Gewichtung beträgt 8 Prozent, die damit verbundenen reduzierten Gewichtungen in anderen Merkmalen betragen -4 Prozent in der Strichstellung, -3 Prozent in der Strichplatzierung vorne und -1 Prozent im Zentralband. Die Abzüge betreffen also die Merkmale mit den höchsten positiven genetischen Korrelationen mit SPH. Die neue Berechnungsformel führt zu tendenziell höheren Euternoten bei Kühen, die in der Strichplatzierung im Optimum (SPH 4-6) liegen und zu deutlich niedrigeren Euternoten bei Kühen mit sehr engem Strichabstand (SPH 7-9). Auch Kühe mit einer sehr weiten Strichplatzierung (SPH 1-3) erleiden einen, wenn auch geringeren, Punktabzug.
Die geringeren Euternoten wirken sich bei problematischen Stieren direkt auf die Euterzuchtwerte aus. Allerdings liegen die Veränderungen, die durch die neue Euterformel hervorgerufen werden, bei 98 Prozent aller Stiere im Bereich von ± 3 Punkten. Stiere mit sehr hohen Zuchtwerten SPH (Töchter mit sehr engem Strichabstand) können um bis zu 6 Punkte im Euterzuchtwert verlieren.

Neues Balkendiagramm
Das neue Merkmal SPH wird im Balkendiagramm Exterieur zwischen den Merkmalen Strichplatzierung vorne und Strichstellung dargestellt (siehe Abb. 2). Um das angestrebte Zuchtziel, mittig angesetzte Striche, zu erreichen, wird im Balkendiagramm ein Optimum von 100 ausgewiesen. Der entsprechende Optimalbereich reicht dabei von 97-103. Im Zuge der Umstellung wurden auch die Optimalbereiche für die Strichplatzierung vorne auf 116 (113-119) und Strichstellung auf 100 (97-103) angepasst.

Abbildung 2: Balkendiagramm von HERZSCHLAG mit dem neuen Merkmal Strichplatzierung hinten und den neuen Optimumbereichen.
Abbildung 2: Balkendiagramm von HERZSCHLAG mit dem neuen Merkmal Strichplatzierung hinten und den neuen Optimumbereichen.

Tabelle 1: Ausgewählte Beispiele von Stieren mit optimalen, sehr niedrigen bzw. sehr hohen Zuchtwerten für Strichplatzierung hinten (SPH).
Tabelle 1: Ausgewählte Beispiele von Stieren mit optimalen, sehr niedrigen bzw. sehr hohen Zuchtwerten für Strichplatzierung hinten (SPH).

Autoren: Dr. Dieter Krogmeier, LfL Grub und Dr. Christian Fürst, ZuchtData