Fleckvieh Tschechien steigt bei der Milch ein

Mit Tschechien existieren seit vielen Jahren enge Kontakte in der Fleckviehzucht. Durch den verbreiteten Einsatz von deutschen und österreichischen Stieren in Tschechien bestehen enge genetische Verknüpfungen. Deshalb haben sich die beteiligten Zuchtorganisationen zu einer Ausweitung der deutsch-österreichischen Zuchtwertschätzung (ZWS) entschlossen.

Gesamtsiegerin der tschechischen Fleckviehnationalschau 2014Seit einigen Jahren fließen bereits die tschechischen Fleisch- und Exterieur-Daten in unsere ZWS ein. Seit der Dezember-ZWS ist das auch bei Milch, Persistenz, Zellzahl und Melkbarkeit der Fall. Die noch fehlenden Merkmale Nutzungsdauer, Fruchtbarkeit, Kalbeverlauf und Totgeburtenrate sollen spätestens 2016 folgen.

Gemeinsame Datengrundlage
Aus Tschechien liegen seit dem Jahr 1995 insgesamt über 29 Millionen Probemelkergebnisse von 1,2 Millionen Kühen vor. Damit macht die tschechische Population gut zehn Prozent der gesamten ZWS-Population aus, im Vergleich zu ca. 17 Prozent aus Österreich (2 Mill. Kühe). Die genetische Verknüpfung der Populationen ist gut, so gibt es mehr als 400 Stiere, die sowohl in Deutschland+Österreich als auch in Tschechien Töchter in mindestens 30 Betrieben aufweisen.
    
Genetisches Niveau
Durch die Einbeziehung der tschechischen Daten kommt es nur in Einzelfällen zu Zuchtwertänderungen von in Deutschland und Österreich Nachkommen-geprüften Stieren. Bei diesen Einzelfällen handelt es sich um Stiere, bei denen sich ein großer Teil der Töchter in Tschechien befindet. Die alt-neu-Korrelationen liegen bei den Milchmerkmalen über 0,99.

Das ZW-Niveau der aus Tschechien stammenden Besamungsstiere ist durchaus mit Österreich und Deutschland vergleichbar. In der Abbildung sind die durchschnittlichen Milchwerte und Zuchtwerte für Zellzahl und Melkbarkeit der Stiere aus den Jahrgängen 1995 bis 2009 dargestellt. Es wird hier ersichtlich, dass die mittleren Zuchtwerte in den jüngeren Jahrgängen beim Milchwert auf gleichem Niveau und bei Zellzahl und Melkbarkeit auf fast gleichem Niveau liegen. Aus entsprechenden Auswertungen der Kuhpopulationen können ähnliche Schlussfolgerungen gezogen werden, nur in der Melkbarkeit fällt ein etwas niedrigeres Niveau der tschechischen Kuhpopulation auf.

Aus der Historie der tschechischen Fleckviehpopulation resultiert ein höherer Fremdgenanteil. Bis Ende der 1990er Jahre liegt der Anteil an Kühen mit mehr als 12 Prozent Fremdgenanteil bei etwa 80 Prozent. Dieser Anteil sinkt bis zu den aktuellen Kuhjahrgängen auf etwa 30 Prozent ab. Vergleichende Analysen zeigen, dass der Anteil entsprechender Kühe in den Teilpopulationen in Österreich, Baden-Württemberg und Bayern in den jüngsten Kuhjahrgängen bei 20, 11 und 9 Prozent liegt. Interessant ist allerdings, dass in Tschechien die Kühe mit höherem Fremdblutanteil den ‚reinen‘ Fleckviehkühen im MW nicht überlegen sind.

Autor: Dr. Reiner Emmerling, LfL Grub und Dr. Christian Fürst, ZuchtData