Fleckviehlinien BAMBI, PLASTIK und FERNPASS

Ob die zukünftige Fleckviehgenetik wie bisher aus sechzehn verschiedenen Linien schöpfen kann, ist fraglich. Besonders fraglich ist es, wenn es um die Linien BAMBI, FERNPASS und PLASTIK geht. Hier hängt die Weiterführung der direkten väterlichen Linie an einem seidenen Faden.

Stier PASSION Die Linie BAMBI, die früher nach BAYER benannt war, spielt in der österreichischen Fleckviehzucht eine sehr untergeordnete Rolle. Mittlerweile kommen weniger als 0,5 Prozent der weiblichen Tiere in Österreich aus dieser Linie. Im Jahr 2005 wurde mit BOSPOR zuletzt ein Teststiervater aus der Linie BAMBI in Österreich eingesetzt. Eine bedeutende Rolle spielte BALBO (Jahrgang 1974), nachdem RALBO, einer der bedeutendsten Stiere aus der REDAD-Linie mit enorm großem Einfluss auf die aktuelle Fleckviehzucht, aus einer BALBO-Tochter abstammt. Von den aktuelleren Stieren hat der WEBAL-Sohn WEBURG eine BOSS-Tochter als Mutter.

BAMBI (Jahrgang 1987) wurde in den 90er-Jahren in der Fleckviehzucht eingesetzt. Er hinterließ 8.000 Töchter in Milch mit Stärken in den Inhaltsstoffen, leider konnte die Euterqualität nicht überzeugen. Immerhin wurden 45 Söhne von BAMBI geprüft, wobei der aus einer STRASS-Tochter stammende BOSS die größte Bedeutung erlangte. Auch er überzeugte mit guten Milchinhaltsstoffen, brachte aber eine markant unterdurchschnittliche Fleischleistung und unbefriedigende Nutzungsdauer. Die eleganten BOSS-Töchter konnten öfters auf Schauen Erfolge erzielen. Die Stationen stellten 67 Söhne von BOSS ein. BOSBO, BONANZA und BOSPOR wurden Hoffnungsträger der Linie, die nicht mehr zu breit aufgestellt war.

BOSBO hatte mütterlicherseits RALBO im Pedigree und war der einzige Vertreter der Linie mit einer hohen Milchmengenvererbung. Leider konnte er im Exterieur nicht durchschlagend vererben. Einige seiner Söhne konnten die Vererbungskraft seines Vaters in der Milchleistung bestätigen, begrenzend war aber zumeist die Euterqualität. BOSBO-Sohn BUSSERL ist der einzige Hoffnungsträger zur Weiterführung der Linie, kann aber auch nur auf bestenfalls durchschnittliche Eutervererbung verweisen.
BONANZA (MV: Rexon) wurde vor allem wegen seiner Stärken im Exterieur züchterisch vereinzelt berücksichtigt, seine Söhne werden aber aufgrund der knappen Zuchtwerte nicht bestehen können. BOSPOR wurde in Österreich in geringem Umfang in gezielter Paarung eingesetzt. Seine Söhne können zumeist in der Milchmengenvererbung oder in der Euterqualität nicht mithalten. Einziger Hoffnungsschimmer ist BODEGA *TA (MV: HUMID).

Linie PLASTIK: Hoffnungsträger PASSION

Auch die Linie Plastik spielt in der heimischen Fleckviehzucht eine kaum wahrgenommene Rolle. Eigentlich hatte man diese Linie schon abgeschrieben, aber mit dem PLANNER-Sohn PASSION scheint ein Vererber entdeckt worden zu sein, der es schaffen könnte, die Linie weiterzuführen. (Auszug aus dem Artikel „Linien BAMBI, PLASTIK und FERNPASS – verlorene Fleckvieh-Linien?“ von  DI Peter Stückler, Rinderzucht Steiermark)