FRW und EGW - Gesundheitsmerkmale im GZW

Bereits seit 2010 werden Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale im Rahmen der gemeinsamen Zuchtwertschätzung beim Fleckvieh veröffentlicht. Die Gesundheitszuchtwerte wurden bis jetzt allerdings nur separat veröffentlicht – ab sofort werden sie auch im Gesamtzuchtwert berücksichtigt!

Kalbinnen der Rasse Fleckvieh auf der Widdersbergalm am Fuß des Hochkönigmassivs, SalzburgDie Gesundheitszuchtwertschätzung wurde bisher ausschließlich für das Fleckvieh durchgeführt und beruhte ausnahmslos auf tierärztlichen Diagnosen aus Österreich. Bei der August-Zuchtwertschätzung 2013 (ZWS) konnten von der ZuchtData erstmals die Diagnosen aus Baden-Württemberg berücksichtigt werden. Beim Fleckvieh gingen 25.090 Datensätze (das sind 4 Prozent vom Gesamtdatensatz) aus Baden-Württemberg in die ZWS ein, bei den im August 2013 erstmals veröffentlichten Gesundheitszuchtwerten für Braunvieh waren es ca. 12 Prozent. Diagnosedaten aus Bayern sind in naher Zukunft ebenfalls für die gemeinsame ZWS zu erwarten.

Die große wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitsmerkmale in der Milchviehzucht ist unbestritten, trotzdem fanden diese Merkmale im Gesamtzuchtwert (GZW) bisher keinen Niederschlag. Durch die mittlerweile vorliegende Datenmenge konnte der nächste logische Schritt gesetzt werden, der in der direkten Berücksichtigung der Merkmale „Mastitis“, „frühe Fruchtbarkeitsstörungen“ und „Zysten“ im Gesamtzuchtwert mündet. Die Einbeziehung der Gesundheitsmerkmale in den GZW erfolgt über die beiden neuen Indices Fruchtbarkeitswert FRW und Eutergesundheitswert EGW.

Fruchtbarkeitswert FRW

Der neue Fruchtbarkeitswert FRW umfasst den bisherigen maternalen Fruchtbarkeitszuchtwert (FRUmat), in dem die Merkmale „Non-Return-Rate“ und „Verzögerungszeit“ enthalten sind, und die beiden Gesundheitszuchtwerte „frühe Fruchtbarkeitsstörungen“ (fFRU) und „Zysten“ (Zyst). Die Gewichtung erfolgt dabei mit 53 Prozent FRUmat, 33 Prozent fFRU und 14 Prozent Zyst. Der Fruchtbarkeitswert FRW ersetzt in der Veröffentlichung und im Gesamtzuchtwert den Zuchtwert FRUmat.

Eutergesundheitswert EGW

Im Bereich der Eutergesundheit war bisher die Zellzahl (ZZ) das einzige Merkmal im GZW. Im GZW wird die ZZ jetzt durch den neuen Eutergesundheitswert EGW ersetzt. Dieser errechnet sich aus den Merkmalen ZZ und Mastitis mit wirtschaftlichen Gewichten im Verhältnis von 70 % : 30 %. Zusätzlich werden einzelne Euterexterieurmerkmale als reine Hilfsmerkmale ohne ökonomisches Gewicht berücksichtigt. Beim Fleckvieh sind dies Voreuteraufhängung, Euterboden und Strichplatzierung, die einen deutlichen genetischen Zusammenhang zur Eutergesundheit aufweisen. Der EGW wird als zusätzlicher Zuchtwert veröffentlicht und ersetzt die Zellzahl im GZW.

Gleiche Gewichte im GZW

Für die Berechnung der neuen Indices FRW und EGW werden bei Tieren mit gültigem Genotyp die genomisch optimierten Zuchtwerte für die Merkmale FRUmat bzw. Zellzahl und die Exterieurhilfsmerkmale verwendet. Bei den Gesundheitszuchtwerten handelt es sich wie bisher ausschließlich um konventionelle Zuchtwerte.
An den wirtschaftlichen Gewichten im GZW (bzw. FIT) gibt es keinerlei Änderungen, das heißt, FRW ersetzt FRUmat mit dem gleichen Gewicht wie bisher (6,8 %), ebenso ersetzt EGW die ZZ ohne Änderung der Gewichtung (9,7 %).
Bei Tieren ohne eigene Gesundheitszuchtwerte werden die Ahnenindices verwendet. Dies betrifft vor allem die genomischen Jungstiere bzw. Kandidaten und auch alle Kühe. Das heißt, die Gesundheitszuchtwerte der Kühe gehen nicht in ihren GZW ein, sondern nur die Ahnenindices aufgrund der männlichen Vorfahren. Somit sind die Bedenken von manchen Züchtern, die einen negativen Einfluss einer gemeldeten Diagnose auf den GZW der Kuh befürchten, weiterhin unbegründet.
Durch die genannten Umstellungen ergeben sich entsprechende Änderungen im GZW und FIT, die allerdings in den meisten Fällen relativ gering sind. Die Korrelationen liegen bei allen Tiergruppen deutlich über 0,99. Im Einzelfall sind aber Auswirkungen von +-4 GZW-Punkten festzustellen.

Wichtiges Signal

Die Weiterentwicklungen im Gesundheitsbereich mit einer Ausweitung der Datenbasis und insbesondere die Einbeziehung in den GZW haben nur moderate Auswirkungen auf die Rangierung der Stiere, sie stellen aber ein sehr wichtiges Signal dar. Dies soll einerseits ein Ansporn sein, die Diagnosedatenerfassung in allen Regionen noch zu intensivieren und andererseits die Bedeutung der Gesundheitsmerkmale durch die direkte Berücksichtigung im Zuchtziel unterstreichen. Für eine züchterische Verbesserung der Gesundheit wird es allerdings wichtig sein, die Sicherheiten der Gesundheitszuchtwerte durch eine umfassendere Datenerhebung zu erhöhen. Hier besteht nach wie vor großer Handlungsbedarf! Eine große Anzahl an Stieren mit hohen Sicherheiten wird letztlich auch die Einführung einer genomischen ZWS ermöglichen. Darüber hinaus ist mittelfristig auch eine mögliche Erhöhung der wirtschaftlichen Gewichte für die Fitnessmerkmale im GZW zu überprüfen. Dies ist Teil des Projektes OptiGene – mit Ergebnissen ist spätestens 2015 zu rechnen.

Autoren: Dr. Christian Fürst und Dr. Christa Egger-Danner, ZuchtData