Gesündere Kühe durch richtige Stierwahl

Seit mittlerweile 10 Jahren werden Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale in Österreich veröffentlicht. Welches Potential die Gesundheits-Zuchtwerte in der praktischen Zucht haben können, wird in diesem Beitrag gezeigt.

Datengrundlage für die Gesundheits-Zuchtwertschätzung (ZWS) sind tierärztliche Diagnosen, die im Rahmen des Gesundheitsmonitorings erhoben werden und geburtsnahe Beobachtungen des Landwirts zu Nachgeburtsverhaltungen und Festliegen.

Für folgende Gesundheitsmerkmale werden Zuchtwerte veröffentlicht:
    Mastitis (akute und chronische Mastitis, bis zum 150. Laktationstag)
    frühe Fruchtbarkeitsstörungen (Gebärmutterentzündung, Nachgeburtsverhaltung, puerperale Erkrankungen, bis zum 90. Laktationstag)
    Zysten (30 bis 150 Tage nach Abkalbung)
    Milchfieber (Gebärparese, Festliegen, ±10 Tage um Abkalbung)

Die Stierauswahl macht‘s
Wenn man gezielt die einzelnen Gesundheitsmerkmale züchterisch verbessern möchte, muss man sich derzeit auf die konventionellen Zuchtwerte für nachkommengeprüfte Stiere verlassen bzw. bei Jungstieren auf die Zuchtwerte der Vorfahren, also insbesondere auf jene von Vater und Muttersvater. Was mit einer entsprechenden Stierauswahl im Gesundheitsbereich erreicht werden kann, lässt sich in Abbildung 1 erkennen. Liegt die durchschnittliche Mastitishäufigkeit (bis 150. Tag) über alle Tiere in der ZWS bei 8,7 Prozent, so sinkt sie bei den Töchtern eines Stieres mit einem Mastitis-ZW von über 115 um 3,3 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent. Das heißt, die Mastitishäufigkeit reduziert sich um mehr als ein Drittel (38 Prozent). Bei den weiteren Merkmalen liegt die Reduktion mit den besten Zuchtwerten sogar bei ca. zwei Drittel (73, 61 bzw. 68 Prozent). In der negativen Richtung, also bei Stieren mit sehr schlechten Gesundheits-Zuchtwerten, kann sich die Krankheitshäufigkeit im Vergleich zum Durchschnitt sogar mehr als verdoppeln. Auf die gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen muss hier nicht näher eingegangen werden.

Abbildung 1: Diagnosehäufigkeit der Töchter bei sehr guten (über 115) bzw. sehr schlechten (unter 85) Vater-Zuchtwerten für die Gesundheitsmerkmale im Vergleich zum Durchschnitt (anpaarungs- und umweltkorrigiert)
Diagnosehäufigkeit der Töchter bei sehr guten (über 115) bzw. sehr schlechten (unter 85) Vater-Zuchtwerten für die Gesundheitsmerkmale im Vergleich zum Durchschnitt (anpaarungs- und umweltkorrigiert)
GZW verbessert auch Gesundheit
Durch das Fehlen der Gesundheits-Zuchtwerte bei den genomischen Jungstieren ist die Selektion auf Gesundheitsmerkmale derzeit leider nicht in vollem Umfang möglich. An der genomischen ZWS für diese Merkmale wird gearbeitet, bisher war dazu die Datengrundlage aber noch nicht ausreichend. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre das neueste genomische ZWS-Verfahren, die sogenannte Single-step-ZWS, auch für die Gesundheitsmerkmale angewendet werden kann.
(Auszug aus dem Artikel „Gesündere Kühe durch richtige Stierauswahl", Fleckvieh Austria Magazin 4/19, von Dr. Christian Fürst, ZuchtData)