Gesunde Klauen steigern die Effizienz von Milchkühen

Die Weltbevölkerung wird von derzeit 7,38 auf 9,7 Milliarden Menschen im Jahr 2050 anwachsen. Durch diesen Anstieg, aber auch durch veränderte Konsumentenansprüche, vor allem am asiatischen Kontinent, wird sich ein steigender Bedarf an Fleisch und Milch ergeben.

Da die Energiegewinnung aus pflanzlichen Rohstoffen zunehmen wird, ist von einer weiter verschärften Konkurrenzsituation zum Ackerbau auszugehen.

Diese Prognosen geben Ansporn und sind Herausforderung für die Lebensmittelproduktion weltweit. Von allen Nutztieren sind es nur die Wiederkäuer, die aus energiearmen und strukturreichen Materialien durch ihre besonderen anatomisch-physiologischen Voraussetzungen Aminosäuren bzw. Proteine aufbauen können. Diese Umwandlung von für andere Tiere nicht nutzbaren Futtermitteln zu hochwertigen Lebensmittel, wie sie der Mensch als Fleisch und Milch nutzt, ist einzigartig.

Das Projekt Efficient Cow
Die Rinderzucht Austria initiierte mit ihren Partnern daher das Projekt Efficient Cow, um die ideale Kuh zu finden. Die ideale Kuh ist jene, die nachhaltig und effizient mit den betrieblichen Futtermitteln möglichst viel Milch produziert und alljährlich ein gesundes, wachstumsfreudiges Kalb zur Welt bringt. Um den Status quo der österreichischen Rinderzucht und Milchviehhaltung zu erheben, wurden im Jahr 2014 auf 167 Zuchtbetrieben von ca. 5.500 Kühen umfangreiche Daten gesammelt. Bei der Basiserhebung wurden betriebsspezifische Daten zur Bewirtschaftung, dem Haltungssystem für Milchkühe und Kalbinnen, der Fütterung und der Klauenpflege erhoben. Bei jeder Probemelkung wurden gemeinsam mit dem Kontrollassistenten die wichtigsten Körpermaße am Tier gemessen. Außerdem wurden die Körperkondition (BCS), das Körpergewicht und Lahmheiten erfasst.
Zusätzlich wurde die aktuell gefütterte Ration festgehalten und Kennzahlen zu Gesundheit und Stoffwechsel dokumentiert. Über die gesamte Projektdauer wurden Aufzeichnungen über die Entwicklung der Futtervorräte und die durchgeführte Klauenpflege gemacht. Somit stand eine Vielzahl an Daten zur Verfügung, die einerseits aus dem Rinderdatenverbund, vom LKV-Mitarbeiter bei jeder Probemelkung, direkt vom Landwirt, vom Klauenpfleger und vom Tierarzt kamen und im Projekt Efficient cow zusammengeführt wurden.
Dieses Datenmaterial wurde dazu verwendet, um in verschiedensten Teilbereichen der Tierhaltung, Fütterung, des Stoffwechsels und vielen anderen Analysen zu Effizienz zu machen. Dieser Artikel fokussiert sich in weiterer Folge auf die Klauengesundheit.

Fokus Klauengesundheit
Zur Erhebung der Klauengesundheit wurde ein Lahmheitscoring bei jeder Milchleistungsprüfung durchgeführt. Hier wurde das 5-stufige System nach Sprecher et al. (1997) verwendet, bei dem die nicht lahme Kuh mit Score 1, die gering lahme Kuh, welche in der Bewegung einen leicht gekrümmten Rücken zeigt, mit Score 2, die mittel lahme Kuh, welche in Bewegung und Stand der Ruhe eine gekrümmte Rückenlinie zeigt, mit Score 3, Kühe, die nur mit der Klauenspitze antippen, mit Score 4 und Kühe für das Nichtbelasten des Beines mit Score 5 bewertet wurden. Des Weiteren wurden alle Aufzeichnungen der Klauenpfleger zu spezifischen Läsionen sowie tierärztliche Diagnosen analysiert.

Optimierte Haltungsbedingungen für die effiziente Kuh
Zusammen mit den Daten der Basiserhebung, also im Wesentlichen der Betriebsausstattung und dem Management am Betrieb, wurde bewertet, welche Faktoren sich für die Klauengesundheit günstig erwiesen. Die Ergebnisse ergaben ein differenziertes Bild: Milchkühe, welche in Laufställen gehalten wurden, zeigten sich deutlich häufiger lahm, als jene in Anbindehaltung. Bei den Laufställen wirkten sich Tiefboxen mit Stroh-Mistmatratzen signifikant besser auf die Klauengesundheit aus als Hochboxen.
(Auszug aus dem Artikel „Gesunde Klauen steigern die Effizienz von Milchkühen", Fleckvieh Austria Magazin 6/16, von Dr. Johann Burgstaller und Prof. Johann Kofler, Universitätsklinik für Wiederkäuer, Veterinärmedizinische Universität Wien)