Halbzeit im letzten Milchquotenjahr

Sechsunddreißig Jahre lang haben die österreichischen Milchbauern mit den Regeln der „Kontingentierung", mit der „Milchquote" gelebt. Diese wird in absehbarer Zeit auslaufen. Einen kurzen Rück- und Ausblick gibt Michael Wöckinger von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Neue große MilchtanksAm 1. Juli 1978 wurde in Österreich die Richtmengenregelung für Kuhmilch als Regelungs- und Regulierungsinstrument eingeführt. Die immer stärker werdende Überproduktion von Milch mit all den resultierenden Problemen, insbesondere der Überschussverwertung, sollte eingedämmt und auf ein agrarpolitisch vertretbares Ausmaß reduziert werden. In der EU wurde die Quotenregelung mit 1. April 1984 eingeführt. Österreich hat mit dem EU Beitritt 1995 die entsprechenden Regelungen übernommen.
Mit dem Milchwirtschaftsjahr 1999/2000 lief die Milchquotenregelung der EU aus, wurde aber zunächst von der EU-Kommission bis 2008 verlängert. Der ursprüngliche Beschluss der EU, die Quotenregelung bis zum Jahr 2008 zu befristen, wurde mit den Health-Check-Beschlüssen des Jahres 2004 revidiert. Das Ende der Quotierung wurde auf das Jahr 2015 hinausgeschoben. Im gleichen Zug wurden Milchmarkt regulierende Beschlüsse gefasst (Einschränkung der Intervention, Abbau des Außenschutzes, Quotenerhöhung, Milchprämie), welche den Milcherzeugern den Ausstieg aus der Quotenregelung erleichtern sollten („Sanfte Landung“). Im Jahr 2008 wurde ein neuerlicher Health-Check von der EU-Kommission dazu genutzt, um die nationalen Milchquoten in den Jahren 2009 bis 2013 nochmals zusätzliche jeweils um ein Prozent zu erhöhen und so den Quotenausstieg zu ermöglichen.
Die Milchquotenregelung endet mit 31.03.2015 bzw. wird nicht mehr nochmals verlängert. Für die rund 32.000 österreichischen Milchbauern geht damit nach 36 Jahren und neun Monaten die Beschränkung der einzelbetrieblichen Milchanlieferung zu Ende. (Auszug aus dem Artikel „Halbzeit im letzten Milchquotenjahr“ von DI Michael Wöckinger, LK OÖ)