Helfen Zuchtwerte die Fitness zu verbessern?

Bei der Verbesserung der Fitness und Robustheit seiner Kühe denken wohl die meisten zuerst an eine Optimierung der Haltung und des Managements. Es ist tatsächlich so, dass man durch eine Verbesserung der Umweltbedingungen schneller einen spürbaren Erfolg erzielen kann als durch züchterische Maßnahmen.

Speziell bei den Fitnessmerkmalen wie Frucht- barkeit, Eutergesundheit oder Nutzungsdauer ist der Erblichkeitsgrad (Heritabilität) mit ca. 2 bis 15 % doch recht niedrig. Macht es dann überhaupt Sinn auf die Fitness-Zuchtwerte zu achten? Im Folgenden soll dieser Frage nachgegangen werden, indem der Zusammenhang zwischen den Fitness-Zuchtwerten und den zugrunde liegenden Leistungen dargestellt wird. Als wesentliche Merkmale im Fitnessbereich soll vor allem auf die Interpretation der Zuchtwerte für Nutzungsdauer, Kalbeverlauf und Zellzahl näher eingegangen werden.

Nutzungsdauer – wie alt werden die Kühe?

Um die grundsätzliche Interpretation der Nutzungsdauer-Zuchtwerte zu veranschaulichen, wurde der Zusammenhang zwischen dem Zuchtwert und der tatsächlichen Nutzungsdauer der Töchter bzw. dem Prozentsatz der Abgänge ausgewertet. Die durchschnittliche Nutzungsdauer (Zeit von Erstabkalbung bis Abgang) hat bei Stieren, bei denen noch ein Großteil der Töchter lebt, wenig Aussagekraft. Deshalb wurden zur Darstellung nur Fleckvieh-Stiere aus den Jahrgängen 1980-1995 herangezogen, von denen bereits mindestens 90 % der Töchter abgegangen sind. Die Nutzungsdauer der Töchter von Stieren mit einem Nutzungsdauer-Zuchtwert von 85 liegt nur bei ca. 2,5 Jahren, wogegen Töchter von Stieren mit einem Nutzungsdauer-Zuchtwert von 115 eine Nutzungsdauer von über 4 Jahren erwarten lassen. Eine ähnliche Aussage kann man aus dem Zusammenhang zwischen dem Zuchtwert und dem Anteil der Töchter, die z.B. nach 3 Jahren Nutzungsdauer abgegangen sind, ableiten, wobei Abgänge zur Zucht nicht mitgezählt werden. Sind nach 3 Jahren bereits 2/3 der Töchter von Stieren mit einem Zuchtwert von 85 abgegangen, sind es bei Stieren mit Zuchtwert 115 nur ca. 40 %.  

Autor: Dr. Christian Fürst, ZuchtData