Hohe Zellzahlen bei Milchkühen müssen nicht sein

Euterentzündungen mit kaum sichtbaren Symptomen, aber mit erhöhtem Zellgehalt (chronische subklinische Mastitiden), stellen nach wie vor weltweit das Hauptproblem für die Eutergesundheit dar. Mit mehr als 10 Prozent sind die Eutererkrankungen immer noch im Spitzenfeld der Abgangsursachen in Österreich. Zudem kann Mastitis zu einem Bestandsproblem führen und hohe finanzielle Kosten verursachen.

Die Zellzahl ist der Maßstab für die Eutergesundheit. Eine gesunde Kuh weist einen Zellgehalt von unter 100.000 Zellen pro Milliliter Milch (Z/ml) auf, Erstlingskühe beispielsweise von 30.000 bis 50.000 Z/ml. Daher sollten diese bereits ab einem Zellgehalt von 100.000 Z/ml und Kühe ab der zweiten Laktation mit mehr als 200.000 Z/ml genau beobachtet werden. Je höher der Zellgehalt, desto mehr geht die Milchleistung zurück.

Mit dem Schalmtest können kranke Tiere leicht gefunden werden. Foto: BRP LK OÖErhöhte Zellzahlen weisen auf eine Störung der Eutergesundheit hin, denn die Zellen bekämpfen als Abwehrmechanismus des Körpers die auftretenden bakteriellen Erreger. Eine erhöhte Zellzahl bedeutet, dass vermehrt Abwehrzellen zur Bekämpfung von Erregern produziert werden und ist somit ein Anzeichen für eine Euterentzündung. Grundsätzlich sollten die Ursachen so rasch wie möglich aufgespürt werden, um vor allem Infektionen anderer Tiere zu verhindern. Als weiterer Schritt sind die Ursachen abzustellen und Sanierungs- und Behandlungsmaßnahmen einzuleiten.

Euterentzündung als Faktorenkrankheit
Die Mastitis wird auch häufig als Faktorenkrankheit bezeichnet, das heißt, mehrere negative Einflussfaktoren ermöglichen es den Erregern, durch das Eindringen in das Euter ihre krankmachende Wirkung auszuüben. Wichtige Einflussfaktoren sind zum einen die Umwelt, wie zum Beispiel die Haltung, Klima, Stallhygiene, Fütterung, der Melker und die Melktechnik, sowie das Tier selbst, das durch diese Einflüsse oder Verletzungen geschwächt sein kann.
(Auszug aus dem Artikel „Hohe Zellzahlen bei Milchkühen müssen nicht sein“, Fleckvieh Austria Magazin 5/16, von Franz Wolkerstorfer, Rinderberatung LK-OÖ)