Klauenpflege: Vorbeugen ist besser als behandeln

Zuchtfortschritt, Fütterungsoptimierungen und Haltungsverbesserungen führten zu einer ständigen Leistungssteigerung. Dementsprechend sind auch die Herausforderungen an die Milchviehhalter punkto Herdenmanagement gestiegen. Dabei spielt die Klauengesundheit eine gewaltige Rolle. Hier einige Hinweise für Rinderhalter, die selbst zur Aufrechterhaltung der Klauengesundheit ihrer Tiere einen Beitrag leisten wollen.

Unter natürlichen Lebensbedingungen führt der je nach Witterung und Untergrund wechselnde Feuchtigkeitsgehalt zu einem Abrieb des Ballens und Sohlenhorns. Dieser Abrieb höhlt damit die Sohlenfläche aus. Die Hauptlast des Körpergewichtes ruht auf dem harten und belastungsfähigen Tragrand (daher der Name: „Tragrand“). Dieser leicht überstehende, harte Rand des Wandhorns sinkt auf weichem Boden in den Untergrund ein und gewährt ähnlich einer Profilsohle zusätzlichen Halt. Gleichzeitig schützt dieser Tragrand auf hartem Boden die Sohlenfläche vor Quetschungen.

natürliche KlauenformNatürliche Klauenform

Die Klauenform verändert sich
In einem Laufstall ist es aber unmöglich, die Klaue so zu beschneiden, dass das Körpergewicht dauerhaft auf dem Tragrand ruht. Ein überstehender Tragrand wird durch die Bodenfeuchtigkeit aufgeweicht und durch die Rauheit des Stallbodens rasch bis auf das Sohlenniveau abgerieben. Nicht nur in Laufställen, sondern auch im Anbindestall stehen die Kühe auf mehr oder weniger hartem Boden. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen werden Laufställe mit einstreulosen Laufgängen und perforierter oder planbefestigter Oberfläche gebaut. Dieser Untergrund schleift einerseits die Sohlenfläche völlig plan, andererseits provoziert der harte Boden vermehrtes Wachstum des Sohlenhorns, besonders an den Außenklauen der Hintergliedmaßen (Belastungshypertrophie). Die Außenklauen werden im Laufe der Zeit deutlich höher als die Innenklauen und tragen dann besonders in der Nähe des Zwischenklauenspaltes übermäßig viel Gewicht. Die Überbelastung dieses Bereiches führt zu Lederhautquetschungen bis hin zum Sohlengeschwür. Die ungleiche Klauenhöhe zwingt die Kuh zudem in eine kuhhessige Gliedmaßenstellung. Die äußere Form solch einer Laufstallklaue sieht - von der Seite her betrachtet - korrekt aus und sie scheint demnach keiner Pflege im traditionellen Sinne zu bedürfen. Gummiauflagen auf den Laufflächen bieten zwar der Klaue den eigentlich von Natur aus gewohnten nachgiebigen Boden, bringen aber keinen oder nur geringen Abrieb. Dadurch scheinen die Klauen mit Ausnahme von Spezialmatten mit eingebautem Granulat noch mehr zu wachsen.

Typische Laufstallklaue mit übergroßer AußenklaueTypische Laufstallklaue mit übergroßer Außenklaue

Funktionelle Klauenpflege (FKP) schafft Abhilfe
Die Funktion der Klaue, also das optimale Tragen des Körpergewichts steht im Mittelpunkt der Arbeit. Die vor etwa 40 Jahren vom Holländer E. Toussaint Raven nach umfangreichen Klauenuntersuchungen entwickelte FKP ist mittlerweile weltweit Standard. Ein wesentlicher Vorteil der FKP ist ihre Einfachheit und Logik; Klauenpflege wird dadurch nachvollziehbar und verständlich. Trotzdem braucht diese Methode sehr viel Übung für Auge und Hand und es ist mehr die Kunst, das richtige Horn (hintere Innenklaue) stehen zu lassen als Horn zu entfernen! In der Anbindehaltung haben Kühe relativ viele Fehler in der Klauenpflege mehr oder weniger toleriert. Falsche Klauenpflege in der Laufstallhaltung bedeutet automatisch gestörtes Wohlbefinden, verringerte Leistung, vermehrte Lahmheiten und nicht selten den Abgang des Tieres.
(Auszug aus dem Artikel „Klauenpflege: Vorbeugen ist besser als behandeln" von Franz Wolkerstorfer, Rinderberatung LK-OÖ; Fleckvieh Austria Magazin 3/18)