Leistungsabschluss 2018

Leistungssprung und Zuchtfortschritt in allen Kriterien! Das Kontrolljahr war für viele Betriebe kein einfaches: Lange Trockenperioden und woanders wiederum ständiger Regen gehörten genauso zu den Herausforderungen wie die vor allem währungsbedingten Verwerfungen am wichtigsten Exportmarkt. Da tut es ganz besonders gut zu sehen, dass es im züchterischen Bereich hervorragend läuft.

Das Plus von 320 kg Milch bei den 305-Tage-Leistungen bedeutet einen regelrechten Sprung nach vorne und ist deutlich höher als bei den anderen Rassen in Österreich. Die Entwicklung wird sich voraussichtlich fortsetzen, denn die im neu begonnenen Kontrolljahr (ab 1. Oktober) abgeschlossenen Standardlaktationen liegen bereits über der Schwelle von 8.000 kg Milch. Die Konsequenz der Züchterfamilien und der Zuchtverantwortlichen bei der Umsetzung des gemeinsamen Zuchtprogrammes sowie die internationale Zusammenarbeit in der Hochzucht zeigen Wirkung. Auch bei unseren Partnern der gemeinsamen Zuchtwertschätzung, Deutschland und Tschechien, liegt das Fleckvieh beim phänotypischen Leistungsfortschritt auf Platz 1.

FLECKVIEH AUSTRIA in Zahlen Milchleistungsergebnisse Fleckvieh

Positive Entwicklung auch bei der Fitness
Ganz besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Steigerung der Milchleistung mit einer ebenso positiven Entwicklung von Fitness und Robustheit einhergeht. So konnte die durchschnittliche Lebensleistung aller Kühe deutlich auf jetzt knapp 30.000 kg Milch gesteigert werden. Die für die Bewertung relevante Fett- und Eiweißmenge beträgt 2.277 kg. Damit ist die Doppelnutzungsrasse Fleckvieh in Österreich drauf und dran die nur auf Milch gezüchteten Holsteins zu überflügeln. Die Differenz beträgt jetzt lediglich 50 kg Fett + Eiweiß, nachdem allein im abgelaufenen Jahr 70 kg Fett + Eiweiß wettgemacht werden konnten!

Die besten Fleckvieh-Kühe und Fleckvieh-Herden Österreichs
Sowohl die leistungsstärkste Erstlingskuh als auch die leistungsstärkste Fleckviehkuh stammen vom Betrieb Barbara Zarfl, Reichenfels, Kärnten. RAUL-Tochter BACADI erzeugte in ihrer ersten Laktation 1.087 kg Fett und Eiweiß. Ihre Stallgefährtin JOHANNA (V.: Mandy) sicherte sich auch heuer wieder den Spitzenplatz und lieferte sensationelle 1.656 kg Fett und Eiweiß.
Die 20 Fleckvieh-Kühe von Franz Resinger aus Osttirol produzierten im Durchschnitt 1.113 kg Fett und Eiweiß und schafften es im abgelaufenen Kontrolljahr, wie auch in den Jahren zuvor, an die Spitze der Rankingliste der besten Fleckviehherden
Die Topliste der Kühe nach GZW wird mit 145 Punkten von der HERZSCHLAG-Tochter BEANIE von Erna-Maria und Norbert Luschnig aus Obdach, Steiermark angeführt. Die WORLDCUP-Tochter LARISSA von Christoph Petz aus Birkfeld in der Steiermark nimmt mit einem GZW von 142 und einem MW von 134 den ersten Platz bei den Kalbinnen ein.  Ebenfalls einen GZW von 142 bei einem MW von 132 weist die Zweitplatzierte auf, ZALLI – ET (V.: GS Der Beste) von Martin Stückler, Prebl, Kärnten. Alle Rankinglisten finden Sie auf den Unterseiten von Fleckvieh Austria Zuchtprogramm/Leistungsabschluss.

Die Genomselektion macht's möglich
Interessant sind aktuelle Auswertungen von Dr. Christian Fürst von der ZuchtData zu den genetischen Trends. Der genetische Trend läuft bei Milchwert und Gesamtzuchtwert wie gewünscht fast parallel nach oben. Vergleicht man die Geburtsjahrgänge der Kühe von 2010 bis 2015 mit der Periode 2005 bis 2010 so kann man versuchen, den Einfluss der genomischen Selektion abzuschätzen. Der jährliche Zuchtfortschritt beim GZW beträgt in den letzten fünf Jahren 2,5 Punkte, in den fünf Jahren davor 2,1 Punkte. Das bedeutet schon eine klare Verbesserung. Was noch dazu kommt, sind die mit Einführung der Genomselektion erfolgte massive Selektion gegen verschiedene unerwünschte Mutationen und das Etablieren der Hornlos-Genetik. Beides wäre ohne Genomselektion unmöglich bzw. würde um ein Vielfaches länger dauern. Noch ein dritter Punkt, und das ist vielleicht sogar der wichtigste: Dank der Genomselektion können wir (hoffentlich bald) nicht nur in der eigenen Herde, sondern auch bei der in Form von Sperma zugekauften Genetik auf wichtige „neue“ Merkmale wie Klauengesundheit und Stoffwechselstabilität selektieren - beides Merkmale, die für die so begehrte Effizienz und Robustheit und damit auch für die Wirtschaftlichkeit von großer Bedeutung sind.
Auch beim Exterieur leistet das genomische System ganze Arbeit und führt zu klaren Zuchtfortschritten bei Fundament und Euter. Dabei sind es oft „Stempelstiere“ mit überragenden Eigenschaften, die einzelne Merkmale in relativ kurzer Zeit auf ein neues Niveau hieven. Alles erst ermöglicht durch eine radikale Verkürzung des Generationsintervalls.

Die Ergebnisse sind Ausdruck der exzellenten Arbeit in vielen Züchterfamilien und zeigen das Potential einer wunderbaren Genetik. Die gemeinsame zielorientierte, konsequente Zuchtarbeit, für die wir jeden einzelnen Betrieb brauchen, wird nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Rinderproduktion und die positive Wirkung in Hinblick auf globale Ziele verbessern, sondern uns auch helfen, die Tücken des Alltags, von denen es im abgelaufenen Jahr nicht gerade wenige gab, besser zu meistern.

FLECKVIEH AUSTRIA gratuliert allen Züchterfamilien zu diesen herausragenden Leistungen und wünscht viel Glück und Erfolg in Familie, Hof und Stall.

Autor: Ing. Johann Tanzler, AGÖF