Milcheiweiß lässt sich erfüttern

Ein einfaches Hilfsmittel für die Beurteilung der Eiweißversorgung der Pansenmikroben ist der Harnstoffgehalt in der Milch. Stickstoff- oder auch Energiemangel im Pansen begrenzen die Milcheiweißbildung, vor allem bei hoher Milchleistung. Ein Mangel an Rohprotein schränkt zusätzlich die Aktivität der Pansenmikroben ein.

Fleckviehkühe lassen sich das Futter schmeckenDadurch geht auch die Verdaulichkeit und die Futteraufnahme zurück. Ein Stickstoffüberschuss belastet hingegen die Leber.

Grundsätzlich gilt, dass Milcheiweiß nur aus Futtereiweiß gebildet werden kann. Dabei sind die meisten Lebewesen auf die direkte Zufuhr von Eiweißbausteinen angewiesen. Anders ist dies beim Wiederkäuer, welcher Eiweiß auch aus Eiweißvorstufen bis hin zu Ammoniak aufbauen kann.
Um das genetische Milcheiweißbildungspotential der Kühe ausschöpfen zu können, müssen sowohl der Eiweiß- als auch der Energiebedarf gedeckt sein. Wird der Eiweißbedarf zu einem Viertel nicht gedeckt, sinkt der Eiweißgehalt der Milch um ein bis zwei Zehntel. Zu niedrige Rohproteinwerte im Grundfutter unter 15 Prozent sind ein typisches Anzeichen. Fehlt es an Energie im Futter, fällt ebenfalls der Eiweißgehalt, da der größte Anteil des Futterproteins den Umweg über die Pansenbakterien nehmen muss.

Milcheiweißbildung
In den Vormägen werden bis zu 70 Prozent an Futtereiweiß und stickstoffhältigen Verbindungen bis zu Ammoniak abgebaut. Bei Energiemangel kann dieses Ammoniak nicht zu bakteriellem Eiweiß aufgebaut und damit nicht anschließend im Dünndarm genutzt werden. Es wird unter Belastung der Leber über den Harn ausgeschieden. Schlechte Milcheiweißwerte können dann trotz Proteinüberschuss in der Ration die Folge sein. Es steigen dann die Harnstoffwerte im Blut bzw. in der Milch. Ein ständiger Ammoniaküberschuss kann nicht nur zu Leberbelastungen mit erhöhten Bilirubinwerten im Blut führen, sondern es können auch eitrige Genitalkatarrhe sowie unregelmäßige Zyklen und Brunstlosigkeit die Folgen sein. (Auszug aus dem Artikel „Milchharnstoff richtig interpretieren  - Milcheiweiß lässt sich erfüttern“ von Dipl.-HLFL-Ing. Josef Galler, LK Salzburg)