Nicht alles was weiß ist, ist auch Milch

Milch – „die Kraft der Natur“ – ist ein sehr wertvolles Lebensmittel. Sie enthält viele Nährstoffe, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind. Milch hat eine hohe Qualität und ein sehr gutes Image. Aus Milch wird eine Vielzahl an Milcherzeugnissen hergestellt. Verständlich, dass gerne alle Flüssigkeiten, die annähernd weiß sind, auch als „Milch“ bezeichnet werden wollen.

Landwirtin beim Melken; agrarfoto.comDoch darf das überhaupt sein? Sind Milch und Milchprodukte nicht geschützt? In der aktuellen EU-Verordnung 1308/2013 des Europäischen Parlamentes und des Rates sind im Anhang VII die Begriffsbestimmungen, Bezeichnungen und Verkehrsbezeichnungen von Erzeugnissen klar geregelt. Demnach ist der Ausdruck „Milch“ ausschließlich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion, ohne jeglichen Zusatz oder Entzug vorbehalten.

Natürlich kennen wir je nach Tierart, Qualität, Typ, Verwendung, Zusammensetzung oder Verarbeitung von einer ermolkenen Milch auch die Bezeichnungen wie: Kuhmilch, Schafmilch, Ziegenmilch, Rohmilch, Vollmilch, Magermilch, Kesselmilch, Konsummilch, Qualitätsmilch etc. Alle diese Bezeichnungen beziehen sich jedoch immer auf Milch, die durch Melken gewonnen wurde. Für Flüssigkeiten, die vielleicht auch weiß sind, jedoch im Labor, in der Küche, aus Pflanzen oder Samen und dergleichen zubereitet werden, darf die Bezeichnung „Milch“ keinesfalls Verwendung finden. Es gibt lediglich drei Ausnahmen im deutschen Sprachgebrauch, deren Gebrauch gestattet ist, jedoch nichts mit Milch zu tun haben. Dies sind Liebfrauenmilch (Weinbezeichnung in Deutschland), Fischmilch (Samen männlicher Fische) und Kokosmilch (Flüssigkeit und zerkleinertes Fruchtfleisch einer Kokosnuss). Aber nicht nur die Bezeichnung „Milch“, sondern auch folgende Bezeichnungen auf allen Vermarktungsstufen sind ausschließlich Milcherzeugnissen vorbehalten: Molke, Rahm, Butter, Buttermilch, Butteröl, Kaseine, wasserfreies Milchfett, Käse, Joghurt, Kefir, Kumys, Viili/fil, smetana, fil, ryazenka und ruguspiens.

Die rasch wachsende Weltbevölkerung und der wachsende Bedarf an Nahrungsmitteln verbunden mit dem sehr guten Image und der hohen Qualität von Milch und Milchprodukten „beflügelt“ zahlreiche Unternehmen und Firmen auch auf dem „Milchmarkt“ aufzutreten. In Zeitschriften, Werbeeinschaltungen, Kurzfilmen und sogar Büchern sowie in Kochsendungen und bei Vorträgen wird sehr gerne das Wort „Milch“ und andere klar geregelte Bezeichnungen der Milchbranche verwendet. Dies ist jedoch nicht korrekt, irreführend und täuscht die Kunden. Umso wichtiger ist es, dass Milcherzeuger und die gesamte Milchbranche bis hin zum Handel diese Vorschriften kennen, beachten und auch leben.

Autor: Dipl. Päd. Ing. Josef Weber, LK NÖ