Samenqualität ist kein Zufallsprodukt

Die künstliche Besamung ist seit Jahrzehnten tief in der Rinderzucht verankert und somit ist es auch die Produktion von Tiefgefriersamen. Nahezu jeder Rinderzüchter verwendet den in kleinen Röhrchen portionierten Stiersamen auf seinem Betrieb. Vergleichsweise nur sehr wenige wissen, wie dieser Samen gewonnen und aufbereitet wird, um dann auch dementsprechend Befruchtungsergebnisse zu liefern.

Mit der Einführung der künstlichen Besamung war es auf einmal möglich, genetisch höchstinteressante Vatertiere einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die durch den Deckakt übertragbaren Krankheiten auf ein Mindestmaß zurückzudrängen. Durch das Tieffrieren des Samens kann der Samen zudem über weite Strecken transportiert werden und ist nahezu unbegrenzt lagerfähig - immer vorausgesetzt die Kühlkette wird nicht unterbrochen.
Zu beachten ist allerdings, dass dem Fruchtbarkeitsmanagement am einzelnen Betrieb eine größere Bedeutung zukommt. Die Brunsterkennung, zeitgerechte Besamung und die Besamungstechnik sind im Aufgabenbereich des Landwirts angesiedelt. Die Qualität des Samens stellt in diesem Zusammenhang einen, wenn auch nicht unwesentlichen Mosaikstein dar.

Die hohe Tiergesundheit ist die Basis
Jungstiere durchlaufen nach dem Ankauf eine mindestens 30 Tage dauernde Quarantänezeit, in der sie nicht nur einer klinischen Untersuchung unterzogen werden, sondern wo auch zahlreiche Proben entnommen und untersucht werden.
Für Besamungsstationen gilt ein strenges Regime, was den Tierverkehr betrifft. Nur Stiere, die eine Quarantäne durchlaufen haben, dürfen in die Station aufgenommen werden. Ziel bei all diesen Maßnahmen ist es immer, den höchstmöglichen Tiergesundheitsstatus und eine Seuchenfreiheit zu gewährleisten. Überlegt man sich, dass ein Stier zwischen 100 und 800 Portionen pro Sprung produzieren kann, diese vielleicht noch auf fast genauso vielen Betrieben eingesetzt werden, dann wird schnell klar, warum auf die Tiergesundheit solch ein großes Augenmerk gelegt wird.

Beste Haltung und Tierbetreuung
Nach der Quarantäne kommen die Jungstiere meist im Alter zwischen 12 und 14 Monaten in die Besamungsstation. Neben einer adäquaten Zuchttierfütterung bestehend aus Heu bester Qualität, Kraftfutter und einer extra Vitamingabe bei den Stieren ist es auch besonders wichtig, sie an den täglichen Umgang mit dem Menschen zu gewöhnen. Vertrauen zu den Stierwärtern ist zentral, um Samen in einer hervorragenden Qualität gewinnen zu können. Stress beeinflusst maßgeblich negativ nicht nur die Fruchtbarkeit bei weiblichen Rindern, sondern auch bei Stieren.

Genaues Arbeiten bis zum Tieffrieren
Ist der Samen gewonnen, wird er im Labor weiterverarbeitet. Zuerst wird kontrolliert, ob es Beimengungen gibt und die Menge des Ejakulates. Schließlich wird die Anzahl der Samenzellen bestimmt und deren Beweglichkeit unter dem Mikroskop kontrolliert. Daraus ergibt sich die Anzahl der Portionen.

(Auszug aus dem Artikel „Samenqualität ist kein Zufallsprodukt", Fleckvieh Austria Magazin 6/17, von FTA Dr. Bettina Fasching, LK Stmk)