Starke Kuhfamilien auch in Zeiten der Genomik gefragt

„Die beiden Jungvererber GS HESSE und GS HELVETIUS spiegeln perfekt unsere Philosophie wider: bewährte Kuhstämme kombiniert mit hohen genomischen Zuchtwerten!“, so Ernst Grabner, Zuchtleiter von NÖ-Genetik.

GS HESSE: Ausnahmeerscheinung LOTTE
Der aufstrebende Zuchtbetrieb Lahmer aus Arstetten-Pöbring ist die Heimat der bekannten L-Kuhfamilie, die GS HESSE hervorgebracht hat. Die besagte L-Kuhfamilie lässt sich in der Lahmer Herde bis ins Jahr 1960 zurückverfolgen. Die Kuhfamilie zeichnet sich durch spätreife, wirtschaftliche und exterieurstarke Nachkommen aus. An der Spitze dieses Kuhstammes steht die bekannte GS RAU-Tochter LOTTE.

Die Kuhfamilie von GS HESSE, v. r.: Mutter LOTTE (7. Lakt.), LEONE (V.: Wal; 5. Lakt.), LOTUS (V.: Everest; 3. Lakt.) und LOTTCHEN (V.: Rotglut; 2. Lakt.)Die Kuhfamilie von GS HESSE, v. r.: Mutter LOTTE (7. Lakt.), LEONE (V.: Wal; 5. Lakt.), LOTUS (V.: Everest; 3. Lakt.) und LOTTCHEN (V.: Rotglut; 2. Lakt.)

Ihr Herzschlag-Sohn GS HESSE vollzog in Rekordzeit den für uns so wichtigen, breiten Prüfeinsatz in Niederösterreich. Woher also kommt dieses große Interesse?
LOTTE kann sicherlich als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Auf unzähligen Ausstellungen begeisterte sie Fachleute wie auch Besucher mit ihrer Erscheinung. Als Jungkuh präsentierte sie sich gut mittelrahmig, mit guter Breite im Becken, einem fehlerfreien, extrem trockenen Fundament und einem Top-Euter. Diese Eigenschaften bescherten ihr bei der Bundesfleckviehschau in Rotholz 2013 auch einen Gruppenreservesieg.

LOTTE in der 2. Laktation als Gruppenreservesiegerin auf der BFVS 2013 in RotholzLOTTE in der 2. Laktation als Gruppenreservesiegerin auf der BFVS 2013 in Rotholz

Typisch für eine GS RAU-Tochter legte sie von Laktation zu Laktation an Körpermasse zu und imponiert noch heute in der siebten Laktation stehend mit ihrem feinen Fundament und dem kompakt aufgehängten Euter.

LOTTE, abgebildet in der 7. LaktationLOTTE, abgebildet in der 7. Laktation

LOTTE allerdings nur auf ihre Schönheit zu reduzieren wäre eine Fehleinschätzung. In der fünften Laktation erbrachte sie ihre Höchstleistung von 11.500 kg Milch bei guten Inhaltsstoffen und lag somit beachtliche 30 Prozent über dem damaligen Herdendurchschnitt. Ihre mittlerweile fünf melkenden Töchter in der Lahmer Herde unterstreichen ihr Komplettpaket als Ausnahmerscheinung.

In ihre Fußstapfen als erfolgreiche Stiermutter schlüpft ihre erste melkende Tochter LEONE. Die WAL-Tochter gehört zur absoluten Leistungsspitze mit über 12.000 kg in der Höchstleistung und ihr GS WALLIS-Sohn GS WIDAR schaffte den Sprung in die Besamung.

WAL-Tochter LEONE in der 5. LaktationWAL-Tochter LEONE in der 5. Laktation

Derzeit sehr auffällig in der Herde ist die im Exterieur ziemlich untypische EVEREST-Tochter LOTUS. LOTUS steht in der dritten Laktation und gleicht ihrer Mutter hinsichtlich Fundament- und Euterqualität. Ebenfalls können die LOTTE-Töchter LOTTCHEN (V.: Rotglut), LASKA (V.: GS Gizmo) und LISTA (V.: Valeur) überzeugen. Verständlicherweise ist die Freude der Familie Lahmer groß, da noch ein GS WATTKING-Jungrind von LOTTE und die Vollschwester zu GS HESSE in der Aufzucht stehen.

Sehr stolz ist die Familie Lahmer vor allem darauf, dass aus ihrer LOTTE ein Sohn in die Besamung ging. GS HESSE rundet die sensationelle Erfolgsbilanz von ihrer Ausnahmekuh LOTTE hervorragend ab. Die größte Freude allerdings hätte die Familie Lahmer, wenn GS HESSE auch seine genomischen Zuchtwerte nach der Nachkommenschaftsprüfung bestätigen könnte.

GS HELVETIUS: erfolgreich von Generation zu Generation      
Über die Grenzen von Niederösterreich hinaus bekannt ist die durchgezüchtete Herde der Familie Fried aus Oberndorf an der Melk. Im bemerkenswert einfachen Stallsystem produziert die Herde seit Jahren auf allerhöchstem Niveau. Die Kühe, speziell die Nachkommen der weit verbreiteten M-Kuhfamilie, bestechen von Generation zu Generation mit ihren Körper- und Typeigenschaften.

Erstmalig auf diese Kuhfamilie aufmerksam wurde man durch die bekannte REPTEIT-Tochter MINAL. MINAL war eine erfolgreiche Ausstellungskuh und Stiermutter. Ihre vielen Töchter, Enkel und Ur-Enkel bilden das Herz dieser stark züchtenden M-Kuhfamilie. Aus ihr schaffte auch der RUREX-Sohn GS RUFUSS den Sprung in den Wiedereinsatz. Auf der Bundesfleckviehschau 2011 in Ried wurden vier M-Kühe bei dem damals neu ausgetragenen Wettbewerb der Kuhfamilien ausgestellt. Auffällig stark präsentierte sich in Ried eine unheimlich rahmige, typstarke und leistungsbereite WAL-Tochter aus dieser Kollektion. Diese WAL-Tochter mit dem Namen MILKA startete eine erfolgreiche Karriere als Zuchtkuh. Am bekanntesten dürfte wohl ihr Sohn, der für sein überragendes Exterieur bekannte GS MOUNTEVEREST sein. MILKA ging in der siebten Laktation und mit einer Lebensleistung von knapp 75.000 kg Milch ab.

Drei Töchter von ihr stehen oder standen am Betrieb Fried und überzeugen ebenfalls durch ihre Produktivität und Exterieureigenschaften. Ihre würdige Nachfolgerin als erfolgreiche Stiermutter ist ihre REUMUT-Tochter MONI.

REUMUT-Tochter MONI, die Mutter von GS HELVETIUS in der 3. LaktationREUMUT-Tochter MONI, die Mutter von GS HELVETIUS in der 3. Laktation

Getreu der Familientradition besticht sie bei jedem Betriebsbesuch mit ihrer imponierenden Erscheinung. Nach einer starken ersten Laktation und einer schwächeren Zweitlaktation, aufgrund von Geburtsproblemen, startete MONI in der dritten Laktation wieder richtig durch. Die Freude über das erfolgreiche Typisierungsergebnis von ihrem HERZSCHLAG-Sohn GS HELVETIUS war natürlich groß.

HERZSCHLAG-Sohn GS HELVETIUSHERZSCHLAG-Sohn GS HELVETIUS

Wie auch bei der Familie Lahmer, wäre auch die Familie Fried umso stolzer auf ihr Zuchtprodukt, wenn er seine hohen Zahlen auch im geprüften Segment bestätigen könnte.

Autor: Ernst Grabner, NOEGEN