Stiermastbetrieb Nöhrer, Steiermark

„Fleckvieh – was braucht der erfolgreiche Mäster?“ Dieser Artikel wirft einen Blick in einen oststeirischen Betrieb, der erfolgreiche Stiermast mit Fleckvieh betreibt. Es wird die Partnerschaft zwischen Rinderzucht und Rindermast aus der Sicht eines engagierten Mästers beleuchtet.

Bernhard und Waltraud Nöhrer mit den drei Kindern und den ElternBernhard und Waltraud Nöhrer mit den drei Kindern und den Eltern

Vom kombinierten Betrieb zum spezialisierten Mäster
Der Hof der Familie Nöhrer liegt in St. Johann in der Haide in direkter Nähe zur Bezirkshauptstadt Hartberg. Bis in die 90er-Jahre wurde der Betrieb als kombinierter Betrieb mit Milchviehhaltung, Stiermast und Ackerbau geführt. Es folgte über die Jahre eine kontinuierliche Verlagerung auf den Betriebszweig Stiermast, welcher 2011 mit der Errichtung des Hauptmaststalles mit Robotertechnisierung finalisiert wurde. Der Betrieb wird im Nebenerwerb geführt. Die Rasse Fleckvieh bildet seit eh und je die Grundlage für die Mast am Betrieb.

Guter Start ins Leben
Im monatlichen Rhythmus kauft Bernhard Nöhrer Kälber in einem Gewichtsbereich von etwa 70 kg auf dem Kälbermarkt in Greinbach oder von privater Hand zu. Er selektiert die Kälber am Markt nach dem Alter-Gewichtsverhältnis und der Rassenangabe vor. „Für junge, gut entwickelte Kälber mit sichtbar gutem Fleischansatz bin ich bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen – dabei bevorzuge ich klar die Kombination FV x FV auf Vater- und Mutterseite“ stellt der Betriebsführer fest.
In der Quarantäne wird auf Tiefstroh und Heu ad libitum gesetztDie neu angekommenen Kälber kommen in Quarantänestallungen und werden mittels Tränkeautomat mit angesäuerter Warmtränke gefüttert und in Tiefstrohboxen gehalten.
Neben der Tränke wird den Kälbern sofort hochwertiges Kälbermüsli zur freien Aufnahme angeboten. Mit der Einstellung verbunden ist eine Eisen-, Selen-, Vitamin-Gabe sowie eine antibiotische Grippe- und Durchfallvorbeugung.

Fairness gegenüber den Berufskollegen
„Ich erwarte als Mäster, dass ein Kalb ausreichend mit Milch oder Austauscher versorgt wurde, bereits kraftfuttergewöhnt ist und vor allem stabil und gesund in den Bereichen Lunge und Verdauung zur Vermarktung gebracht wird“, antwortet Bernhard Nöhrer auf die Frage, was er sich von den Berufskollegen der Milchviehhaltung erwartet. Bei gesundheitlich angeschlagenen Kälbern sollte der Züchter die Fairness zeigen, die Tiere erst nach vollständiger Ausheilung von Lungen- und Verdauungsproblemen zur Vermarktung zu bringen.

Mast nach kalkuliertem System
In einer mehrstufigen Vormast werden die Stiere langsam an die Maissilage als Grundfutter gewöhnt und bis zu einem Gewicht von etwa 300 kg auf Tiefstroh gehalten. Die Haltung auf Stroh in Kombination mit hochwertiger Energie-, Eiweiß- und Mineralstoffversorgung sichert Tiere mit Widerstandskraft und stabilen Fundamenten und Gelenken, was für die kommende Ausmast auf Vollspaltenboden enorm wichtig ist. In dieser Phase wird den Stieren auch Heu zur freien Aufnahme angeboten, um den Pansen optimal mit Struktur zu versorgen.
Ein Fütterungsroboter versorgt die Stiere vollautomatischAus Gründen der Arbeitserleichterung wurde im Hauptmaststall in einen Fütterungsroboter investiert.
Drei Mal täglich wird die in einer Vorratsbox befindliche Maissilage frisch mit Kraft- und Mineralfutter gemischt und vollautomatisch verfüttert. „Durch diese stoßweise Fütterung haben die Stiere genug Zeit zum Liegen und bleiben besser bei Fresslaune als bei Ad-Libitum-Angebot“, ist Bernhard Nöhrer vom Füttern mit dem Roboter überzeugt. Er ist sich sicher, dass auch die Ruhe im Stall mittels Rationsgestaltung und Mineralstoffversorgung steuerbar ist.

Vermarktung an einen Partner
Die ausgemästeten Stiere werden in einem Alter von 17-18 Monaten im Rahmen des AMA Gütesiegelprogrammes über die EZG Steirisches Rind vermarktet. Im Durchschnitt des letzten Jahres konnte dabei ein Schlachtkörpergewicht von 390-410 kg, bei einer Ausschlachtung von 56-58 % erreicht werden. 75 % der verkauften Stiere wurden in U klassifiziert, der Rest entfiel auf die Klasse R. Mit einer durchschnittlich erreichten täglichen Zunahme von 1.450 g ist der Mäster zufrieden. „Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass dieser Zunahmenbereich in der Kosten-Nutzenrechnung betriebswirtschaftlich am meisten Sinn macht.“ Eine noch intensivere Mast durch den Einsatz von höheren Nährstoffdichten in der Ration bringe zwar höhere Zunahmen und schnelleren Umtrieb, schlage sich aber durch höhere Kosten nicht positiver im Betriebsergebnis nieder.

Fleckvieh als Basis für erfolgreiche Mast
„Das reinrassige Fleckviehkalb ist das Ausgangsprodukt für unsere Produktion und soll es auch bleiben“, stellt Bernhard Nöhrer fest. Er schätzt besonders die Widerstandsfähigkeit des Fleckviehs, die guten Fundamente und den effizienten Stoffumsatz. Aus seiner Sicht sollten die Zuchtverantwortlichen den Faktor Fleisch genau im Auge behalten und versuchen, den momentan vorhandenen genetischen Fleischansatz in der Rasse konstant zu halten bzw. im Bereich der Handelsklasse einen besonderen Fokus auf Verbesserung zu legen. Aus seiner Sicht ist die Mast von Fleischrassekreuzungen betriebswirtschaftlich gesehen nicht überlegen. Daher ist er nicht bereit, den höheren Preis für Kreuzungskälber zu bezahlen. Seiner Meinung nach bietet das reinrassige Fleckviehkalb die optimalen Voraussetzungen, um effizient und profitabel Stiermast betreiben zu können. Ein noch intensiverer Dialog zwischen Züchter und Mäster wäre wünschenswert, um die Sichtweisen beider Seiten ohne Emotion diskutieren zu können.

Betriebsdaten

Bernhard und Waltraud Nöhrer, Altenberg 34, 8295 St. Johann in der Haide

Lage: 350 m Seehöhe
Betriebsgröße: 52 ha LN (davon 32 ha Silomais, 12 ha Getreide, 5 ha Hirse, 3 ha Grünland)
Viehbestand: 200 Maststiere

Autor: Ing. Reinhard Pfleger, Rinderzucht Steiermark