Tirol: Anbindehaltungsverbot stellt Almbewirtschaftung infrage

Am Beispiel der Junsalm im Tuxertal sieht man, dass die Bewirtschaftung des Berggebietes mit der Alpung hauptsächlich in Kombination mit Anbindehaltung am Heimbetrieb erfolgt. Dies gilt nicht nur für die Junsalm, sondern für die Bewirtschaftung eines Großteiles der Almen in Tirol.

Die aktuellen Diskussionen mit den überbordenden Tierwohlanforderungen am Beispiel Anbindehaltung stellen jedoch diese Bewirtschaftungsweise klar infrage.

Die Junsalm im Tuxertal in TirolDie Junsalm im Tuxertal ist für Mensch und Tier aufgrund ihrer Höhe und Größe eine besondere Herausforderung. Insgesamt umfasst die Junsalm ein Gebiet von rund 800 ha. Davon werden 12 ha jährlich auch gemäht. Aktuell bewirtschaften vier Almbauern die Alm. 120 Milchkühe und 80 Stück Jungvieh werden gealpt. Die gesamte Milch wird in der eigenen Almsennerei „Stoankasern“ zum Junsberger Almbergkäse verkäst. Das Besondere an der Junsalm ist, dass die Tiere den größten Teil des Sommers auf über 2.000 Meter Seehöhe verbringen. Rund zwei Monate sind die Tiere ständig im Freien. Drei bis vier Wochen verbringen die Kühe auf den beiden Melkplätzen „Kapfer“ und „Gruabn“ auf über 2.300 Meter Seehöhe.

Melkplatz auf über 2.300 m SeehöheDie Melkplätze der Junsalm sind wahrscheinlich eine der höchsten in Europa. Der Aufwand der Bauern, den sie für die Bewirtschaftung ihrer Alm einsetzen müssen, ist sehr groß. Um sich ein Bild vom harten Brotverdienst auf der Junsalm machen zu können, empfiehlt es sich, diese selbst besuchen.

Die 120 Milchkühe stammen aus 16 Betrieben. Fast alle Betriebe halten am Heimbetrieb ihre Tiere in Anbindehaltung mit Weideauslauf und Alpung. Allein das Beispiel der Junsalm zeigt, dass diese Art der Tierhaltung für die Bewirtschaftung des Berggebietes eine richtige und wichtige Basis darstellt. Für viele Betriebe wäre eine wie vielfach oft von Gesellschaft, NGOs und Lebensmittelhandel geforderte ganzjährige „freie“ Haltung mit Auslauf nicht erfüllbar bzw. die Errichtung eines Laufstalles nicht finanzierbar. So sollte man diese Forderungen gesellschaftlich überdenken, werden sie doch bei weiterer konsequenter Umsetzung genau diese Betriebe in der Weiterführung behindern bzw. sogar hindern.

Melker auf der Junsalm in TirolDas Beispiel Junsalm zeigt, dass die Bewirtschaftung des extremen Berggebietes nur in Kombination mit Anbindehaltung auf Dauer gesichert ist. Dies ist auch die seit Jahrhunderten erfolgreiche Haltungsform für den Erhalt der kleinstrukturierten Tiroler Landwirtschaft.

Autor und Fotos: Dipl.-HLFL-Ing. Dipl.-Päd. Christian Moser, Rinderzucht Tirol