Trockenstehzeit – der Urlaub der Kuh

Die Trockenstehzeit ist für die Eutergesundheit, aber auch für die Stoffwechselgesundheit und die Fruchtbarkeit der Milchkuh ein entscheidender Zeitraum. Die Trockenstehzeit ermöglicht dem Euter eine Ruhe- und der Kuh eine Erholungsphase und dient der Vorbereitung auf die neue Laktation. Sie ist die Voraussetzung, um in der nachfolgenden Laktation eine entsprechende Leistung zu erbringen.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Bedeutung der Trockenstehzeit ist, dass in dieser Phase viele Infektionen der Milchdrüse ausheilen. Auch zur Bildung des Kolostrums für das Kalb und zur ausreichenden Anreicherung von Immunglobulinen im Kolostrum ist die Trockenstehzeit ein entscheidender Zeitraum. Für die Eutergesundheit spielt auch der natürliche Zitzenverschluss durch den Keratinpfropf eine wichtige Rolle. Denn nur so können keine Erreger während der Trockenstehzeit in die Zitzen eindringen.
Insbesondere zu Beginn und während der Kolostralbildungsphase am Ende der Trockenstehzeit besteht ein signifikant erhöhtes Risiko für Neuinfektionen. Auswertungen zufolge liegen die Neuinfektionsraten zwischen 25 und 30 Prozent. Das Ziel in der Trockenstehzeit muss sein, bestehende Infektionen möglichst zur Ausheilung zu bringen und Neuinfektionen zu verhindern.

Untersuchung des Trockenstell-Managements
Im Rahmen einer Masterarbeit von Romana Berger wurde das Trockenstell-Management von niederösterreichischen Milchviehbetrieben untersucht. Die Datenerhebung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Landeskontrollverband (LKV) Niederösterreich. Es wurde ein Fragebogen per E-Mail an jene 2.774 LKV-Mitglieder versandt, die eine E-Mailadresse besitzen. Das entspricht etwa 80 Prozent der insgesamt 3.479 LKV-Betriebe in Niederösterreich (LKV, 2016). Insgesamt sind 1.081 Beantwortungen online eingegangen. Die Rücklaufquote liegt somit bei beachtlichen 39 Prozent.

Die befragten Betriebe
An der Umfrage nahmen 19,7 Prozent Betriebe mit biologischer Wirtschaftsweise teil. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) gab als höchste landwirtschaftliche Ausbildung die landwirtschaftliche Fachschule an. 27 Prozent haben die landwirtschaftliche Meisterausbildung und 7 Prozent haben eine höhere landwirtschaftliche Bundeslehranstalt abgeschlossen. Der Anteil der Landwirtinnen und Landwirte mit einer universitären Ausbildung lag unter einem Prozent.  7 Prozent haben keine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. In Tabelle 1 sind die betrieblichen Kennzahlen der Befragten angegeben.

Trockenstell-Management in der Praxis
Die Trockenstehdauer liegt im Durchschnitt bei 7,6 Wochen. Vor dem Trockenstellen führen viele Landwirtinnen und Landwirte Kontrollen der Eutergesundheit durch. 47 Prozent gaben an, die Eutergesundheit vor dem Trockenstellen bei jeder Kuh zu kontrollieren. Nur bei Verdacht auf ein Eutergesundheitsproblem kontrollieren 48 Prozent der Befragten einzelne Kühe vor dem Trockenstellen. 5 Prozent führen nie Kontrollen der Eutergesundheit vor dem Trockenstellen durch.

Tipp: Kontrollieren Sie den Zellgehalt mindestens zwei Wochen vor dem Trockenstellen mithilfe der LKV-Ergebnisse und dem Schalmtest. So ist bei einer Zellzahl über 200.000 Zellen/ml und stark positivem oder ungleichmäßigem Schalmtest noch genügend Zeit, eine bakteriologische Milchprobe untersuchen zu lassen.

(Auszug aus dem Artikel „Trockenstehzeit – der Urlaub der Kuh", Fleckvieh Austria Magazin 6/17, von DI Romana Berger MSc. BEd., LK NÖ)