Wie sich Fütterungsfehler auf die Klauengesundheit auswirken

Der Zustand der Klauengesundheit der Kühe eines Milchviehbetriebes liefert uns die eindeutige Information, ob die drei Hauptfaktoren Fütterung – Haltung – Klauenpflege im Lot sind oder nicht. Diese drei Faktoren können sich untereinander auch beeinflussen oder gar verstärken.

So wirken sich Fütterungsfehler unter ungünstigen Haltungsbedingungen noch fataler auf die Klauengesundheit aus und es finden sich deutlich mehr lahme Kühe als wenn der gleiche Fütterungsfehler auf Kühe unter günstigen Haltungsbedingungen einwirkt. Daneben sind aber auch tierindividuelle Umstände und Stressoren wie der Verlauf der Abkalbung, die Gestaltung der Transitperiode, Infektions- und Stoffwechselkrankheiten sowie die Genetik, welche einen Einfluss auf die Klauengesundheit haben.

Klauenrehe als Hauptverursacher von Lahmheiten
Klauenrehe stellt die bedeutendste Klauenerkrankung bei Rindern dar. Klauenrehe verursacht im akuten Stadium selbst schwere Lahmheiten und gilt als wichtigster auslösender Faktor von häufig vorkommenden Klauenveränderungen wie Sohlenblutungen, Sohlengeschwüren, septischen Entzündungen der Klauenlederhaut sowie von eitrigen Durchbrüchen in der weißen Line (White Line Disease). Anhand des Verlaufes und der Symptomatik werden eine akute, subakute, subklinische und chronische Form unterschieden. Die akute und subakute Form sind gekennzeichnet durch eine nicht eitrige Entzündung der Klauenlederhaut bei oftmals gleichzeitigem Vorliegen einer Allgemeinerkrankung (Pansenübersäuerung, Ketose, Nachgeburtsverhalten bzw. eitriger Gebärmutter- oder Euterentzündung). Hingegen sind bei der subklinischen Form zum Zeitpunkt der Entstehung der Klauenrehe keine sichtbaren Symptome erkennbar, bei der chronischen Klauenrehe sind lokale Veränderungen an den Klauen sichtbar.

Typische Veränderungen bei chronischer Klauenrehe
Ringbildung an der Wand infolge unregelmäßiger Wachstumsphasen des Horns; eine konkave, gerillte Vorderwand; rötliche Verfärbungen im Sohlenhorn v.a. an der typischen Geschwürlokalisation und entlang der weißen Linie; eine deutlich verbreiterte weiße Linie; ein abgeflachter und ausgeweiteter Klauenschuh, qualitativ minderwertiges Sohlen- und Wandhorn. Bei der Klauenpflege findet man neben den genannten Veränderungen auch häufig Doppelsohlen, das sind unterschiedlich große Hohlräume im Sohlenhorn, die durch längere Zeit zurückliegende Quetschungen und Entzündungen der Sohlenlederhaut entstanden sind. Am ausgeprägtesten sind diese Veränderungen an den äußeren Hinterklauen. Bei Kühen mit chronischer Klauenrehe können sich akute und subakute Schübe wiederholen (chronisch-wiederkehrende Klauenrehe).

Fütterungsfehler als Auslöser von Klauenrehe
Die Zunahme von Klauenrehe bei Milchkühen wird primär den geänderten Rationsgestaltungen und Fütterungsmethoden zugeschrieben. Als zentraler Punkt der Klauenrehe wird eine Störung der Vormagenverdauung (Pansenübersäuerung infolge übermäßigen Kohlenhydratangebotes bzw. zu geringen Raufutteranteiles) angesehen.
(Auszug aus dem Artikel „Auswirkungen von Fütterungsfehlern auf die Klauengesundheit ", Fleckvieh Austria Magazin 4/19, von Dr. Johann Gasteiner, HBLFA Raumberg-Gumpenstein)