Zuchtprogramm FLECKVIEH AUSTRIA – aktuelle Entwicklungen

Nun sind es bald 10 Jahre, dass die genomische Selektion maßgeblicher Bestandteil bei Fleckvieh AUSTRIA ist. Anstelle von nachkommengeprüften Stieren wurde heuer in Österreich bei Fleckvieh erstmals zu mehr als 50 Prozent mit Jungstieren besamt. Die genomische Testung von Kälbern und deren Selektion aufgrund der genomischen Zuchtwerte für den Einsatz im Zuchtprogramm sind mittlerweile Standard.

Der vorliegende Artikel soll einen kurzen Überblick über aktuelle Entwicklungen bei verschiedenen Leistungsparametern als auch zu Kernpunkten des Zuchtprogrammes Fleckvieh AUSTRIA geben.

Leistungsprüfung - wo steht FLECKVIEH AUSTRIA?
In Tabelle 1 sind die aktuellen Entwicklungen ausgesuchter Kennzahlen aus der Leistungsprüfung von 2008 bis 2018 dargestellt. In diesem Zeitraum konnte die durchschnittliche Milchleistung bei Fleckvieh um knapp 1.000 kg gesteigert werden bei leichter Verbesserung der Nutzungsdauer, leichter Verbesserung der Zellzahl und der Zwischenkalbezeit. Beim Besamungsindex ist eine leichte Verschlechterung zu beobachten. Dieses Ergebnis könnte auch durch eine vollständigere Erfassung der Besamungen etwas verzerrt sein. Kennzahlen basierend auf den tierärztlichen Diagnosen sind rückläufig läufig, das heißt, die Krankheitshäufigkeiten sind gestiegen. Der Anstieg ist vor allem 2018 zu beobachten, wo ein Leistungsanstieg um durchschnittlich 320 kg Milch pro Laktation und Kuh erzielt wurde. In Abbildung 1 ist die Entwicklung der Lebensleistung von 1975 bis 2018 dargestellt. Die Lebensleistung ist, als Kombination von Stabilisierung der Fitness und enormen Leistungssteigerungen, im Kontrolljahr 2018 sehr stark gestiegen und liegt knapp unter der 30.000-kg -Marke. Es ist ersichtlich, dass die Lebensleistung im Vergleich zu den anderen Rassen deutlich stärker angestiegen ist. Insgesamt konnte die Lebensleistung seit 1975 in etwa verdoppelt werden.

Tabelle 1: Übersicht über die Entwicklung bei phänotypischen Leistungen bei Fleckvieh über die letzten 10 Jahre (ZuchtData 2008, 2015, 2016, 2017, 2018)Tabelle 1: Übersicht über die Entwicklung bei phänotypischen Leistungen bei Fleckvieh über die letzten 10 Jahre (ZuchtData 2008, 2015, 2016, 2017, 2018)

Abbildung 1: Entwicklung der Lebensleistung in Milch-kg von Fleckvieh, Braunvieh, Holstein, Pinzgauer und Grauvieh mit Österreichdurchschnitt von 1975 bis 2018 Abbildung 1: Entwicklung der Lebensleistung in Milch-kg von Fleckvieh, Braunvieh, Holstein, Pinzgauer und Grauvieh mit Österreichdurchschnitt von 1975 bis 2018

Zuchtprogramm FLECKVIEH AUSTRIA: Welche Verbesserungen sind zu erwarten?
Die genetischen Trends erlauben einen Ausblick auf zukünftige zu erwartende Entwicklungen bei den ausgewählten Merkmalsbereichen. Die Gewichtung der Merkmale im Gesamtzuchtwert wurde so gewählt, dass alle Fitness- und Gesundheitsmerkmale stabilisiert bzw. verbessert werden können. Die zu erzielenden Entwicklungen hängen letztendlich von den eingesetzten Stieren und deren Vererbungsstärken und -schwächen ab. Abbildung 2 zeigt, dass auch in Zukunft eine weitere deutliche Steigerung bei der Milchleistung zu erwarten sein wird und auch im Durchschnitt leichte Verbesserungen bei der Fitness als auch der Fleischleistung zu erzielen sein werden. Das belegt auch Abbildung 3, wo die durchschnittlichen Zuchtwerte aller Besamungen einen Überblick über die Gesamtheit der eingesetzten Stiere liefern. Der durchschnittliche GZW über alle Besamungen liegt 2018 bei Fleckvieh mit 126,2 Punkten wieder auf sehr hohem Niveau. Der durchschnittliche Fitnesswert aller Besamungen liegt bei 110,9. Die durchschnittlichen Zuchtwerte aller Besamungen hinsichtlich Fitness- und Gesundheitszuchtwerte sind insgesamt positiv. Im Einzelfall werden zwar auch Stiere eingesetzt, die bezüglich Fitness- und Gesundheit auch Verschlechterungen erwarten lassen. Insgesamt sind jedoch überwiegend positive Entwicklungen zu erwarten. Um echte Verbesserungen der Fitness und Gesundheit zu erzielen, ist es notwendig, konkret Stiere mit hohen Fitness- und Gesundheitswerten einzusetzen. Die Töchter werden dann im Durchschnitt weniger krankheitsanfällig sein.

Abbildung 2: Entwicklung der genetischen Trends der Geburtsjahrgänge 2002 bis 2017 bei den Stieren der Rasse Fleckvieh
Abbildung 2: Entwicklung der genetischen Trends der Geburtsjahrgänge 2002 bis 2017 bei den Stieren der Rasse FleckviehAbbildung 3: Durchschnittliche Zuchtwerte der durchgeführten Besamungen bei Fleckviehkühen in Österreich in den Kontrolljahren 2016 bis 2018
Abbildung 3: Durchschnittliche Zuchtwerte der durchgeführten Besamungen bei Fleckviehkühen in Österreich in den Kontrolljahren 2016 bis 2018

Mehr als 50 % Jungstierbesamungen
Im Zuchtprogramm FLECKVIEH AUSTRIA, das 2012 ausgearbeitet wurde, ist als Ziel definiert, dass 50 Prozent der Besamungen an Herdebuchkühen mit Jungstieren durchgeführt werden sollen. Abbildung 4 zeigt den Anteil an Jungstierbesamungen von 2010 bis 2018. Vor dem genomischen Zuchtprogramm im Jahr 2010 wurden jährlich rund 200 Teststiere getestet und ca. 20 Prozent der Besamungen mit Jungstieren durchgeführt. Im Kontrolljahr 2018 wurden erstmals mehr als 50 Prozent der Besamungen mit genomisch getesteten Jungstieren (51,6 Prozent) durchgeführt. Die Anteile variieren sehr stark nach Zuchtverbänden (25,2 bis 73,3 Prozent). Die Anzahl der verschiedenen eingesetzten Jungstiere steigt wieder an: Waren es im Jahr 2000 noch 200 Jungstiere, so reduzierte sich die Anzahl bis 2014 auf 100 Stiere. Im Kontrolljahr 2018 wurden 135 verschiedene Jungstiere erstmals eingesetzt, wobei 50 Prozent aus ausländischer Genetik stammen. Die Überlegenheit der genomischen Jungvererber gegenüber den nachkommengeprüften Vererbern beträgt beim Milchwert 5,4 Punkte, bei GZW und den anderen Merkmalen rund einen Zuchtwertpunkt. Auf der Seite der nachkommengeprüften Stiere ist eine deutlich strengere Selektion zu beobachten. Die Anzahl der Kandidaten (genotypisierte männliche Kälber) hat sich von 2016 auf 2018 beinahe verdoppelt (2016 2.074; 2018 3.549 Kälber). Der durchschnittliche GZW der Kandidaten lag 2018 bei 120,3 Zuchtwertpunkten. Die Väter mit der größten Anzahl an Kandidaten 2018 waren WOBBLER mit 167 Söhnen, PERFEKT mit 138 und IMPERATIV mit 134 Söhnen. Weitere Informationen sind aus dem ZuchtData-Jahresbericht (www.zuchtdata.at) zu entnehmen.

Abbildung 4: Entwicklung des Anteiles der Jungstierbesamungen von 2010 bis 2018 bei FLECKVIEH AUSTRIA
Abbildung 4: Entwicklung des Anteiles der Jungstierbesamungen von 2010 bis 2018 bei FLECKVIEH AUSTRIA

Von 281.751 Herdebuch-Kühen gibt es basierend auf der Zuchtwertschätzung vom Dezember 2018 34.153 Kühe mit einem GZW von mindestens 112, 6.194 Kühe mit einem GZW von mindestens 118, 632 Kühe mit einem GZW von mindestens 124 und 43 Kühe mit einem GZW von mindestens 130 Zuchtwertpunkten. Die Mütter der Kandidaten 2018 weisen einen durchschnittlichen GZW von 114 auf. Der Anteil der inländischen Jungstiere aus Embryotransfer beträgt 2018 26,5 Prozentpunkte.
Mit welchen Stieren wurde 2018 besamt?

Tabelle 2 zeigt die im Kontrolljahr 2018 am häufigsten eingesetzten Stiere an Fleckvieh-Herdebuchkühen in Österreich. Am häufigsten eingesetzte Vererber waren mit WABAN, REMMEL und WOBBLER nachkommengeprüfte Stiere mit jeweils rund 20.000 Besamungen. GS HUT AB und GS DER BESTE sind die Jungstiere mit den meisten Besamungen im Kontrolljahr 2018.

Tabelle 2: Die 20 am häufigsten eingesetzten Stiere im Zuchtprogramm FLECKVIEH AUSTRIA im Kontrolljahr 2018
Tabelle 2: Die 20 am häufigsten eingesetzten Stiere im Zuchtprogramm FLECKVIEH AUSTRIA im Kontrolljahr 2018Zusammenfassung
Die Auswertungen zeigen, dass das Zuchtprogramm konsequent umgesetzt wird und hoher Zuchtfortschritt bei der Milchleistung bei weitgehender Stabilisierung und teilweise leichten Verbesserungen der Fitnessmerkmale erzielt wird. Die aktuellen Entwicklungen bei den Gesundheitsmerkmalen sind genauer zu beobachten. Projekte wie FoKUHs, Klauen-Q-Wohl oder D4Dairy haben das wesentliche Ziel, bessere Datengrundlagen als auch bessere Methoden für effektivere züchterische Verbesserungen der Gesundheit zu entwickeln. Die Fitness und Gesundheit kann langfristig und nachhaltig züchterisch verbessert werden. Um Töchter mit geringerem Krankheitsrisiko zu züchten, hilft der Einsatz von Vererbern, die in diesen Merkmalen sehr positiv vererben. Die Limitierung in diesem Bereich sind derzeit noch fehlende genomische Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale wie Stoffwechselstabilität oder Klauengesundheit. Mit den aktuellen Projekten der Rinderzucht AUSTRIA soll sich das in absehbarer Zeit ändern.

Autorin: Dr. Christa Egger-Danner, ZuchtData