Züchter des Jahres: Familie Derler, Waisenegg, Stmk.

Ein Steirer ist „Fleckviehzüchter des Jahres" und die Genetik dieses Betriebes ist inzwischen international nachgefragt! Das wahrscheinlich turbulenteste und auch schwierigste Jahr als Betriebsführer war für Rosa und Johann Derler in züchterischer Hinsicht das erfolgreichste.

Der Betrieb Rosa und Johann Derler ist in der Züchterschaft schon lange ein Begriff. Im oststeirischen Piregg bei Birkfeld gelegen verfügt der Betrieb nur über wenig Eigenfläche. Durch verstärkte Zupachtung von Flächen und etlichen größeren Baumaßnahmen wurde stets versucht den Vollerwerb abzusichern. Bereits 1992 wurden Laufstall mit Melkstand gebaut, 2000 erfolgte eine großzügige Stallerweiterung einhergehend mit noch- maliger Verbesserung des Kuhkomforts. Nebenbei wurden von Johann Derler gemeinsam mit seinem Bruder zahlreichte Maschinen angeschafft und verstärkt überbetrieblich eingesetzt. Vor allem die Bodenbearbeitung, Silierarbeiten sowie in letzter Zeit das Strohpressen werden in größerem Umfang durchgeführt.

WONE machte vieles möglich

Auch züchterisch war man stets bestrebt voranzukommen und die Herde ständig zu verbessern. Und so wurde in den frühen 90er Jahren der Grundstein für die inzwischen hochklassige Herde und nicht zuletzt auch für den „Fleckviehzüchter des Jahres“ gelegt.
Auf Anraten eines Züchterkollegen machte Hans Derler einen wahren Glücksgriff und kaufte zu einem damals stattlichen Preis zwei wertvolle Zuchtkälber aus einer Betriebsauflösung in Niederösterreich. Eine davon war DIRTECK- Tochter WABI die Mutter von MALF-Tochter WONE und damit nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf.
WONE war sicher eine der herausragendsten Kühe am Betrieb Derler. Sie wurde in der 2. Laktation zum ersten mal auf einer Steiermarkschau ausgestellt und beeindruckte damals mit ihrem trockenen Fundament und einem extrem drüsigen Euter. Sie demonstrierte schon damals den gewünschten Typ der haltbaren Fleckviehkuh, was sie mit zunehmendem Alter immer mehr bestätigen konnte. Sie schloss die erste Laktation mit 7.700 kg Milch ab, steigerte sich kontinuierlich und gab ab der zweiten Laktation immer über 10.000 kg Milch. Die Höchstleistung mit 12.344 – 4,71 – 3,47 wurde in der 6. Laktation ermolken.

Embryotransfer

Es folgten weitere erfolgreiche Schauteilnahmen auf Regional- und Landesebene und vor allem eine intensive und erfolgreiche Nutzung über Embryotransfer. Ein Auszug der eingesetzten Vererber liest sich wie das „Who is Who“ der damaligen Zuchtwertlisten: WEINOX, HARRO, HERON, REPASS, REGIO,….. . Etliche herausragende Tiere der heutigen Kuhgeneration in der eigenen Herde würde es sonst nicht geben. Zudem zeigen, durch Embryonen- und Tierverkauf, WONE-Töchter auch in anderen Zuchtherden in und außerhalb der Steiermark ihr Können.

Tolle WONE-Töchter

Wie WONE selbst schafften auch etliche Töchter den Sprung in die Gezielte Paarung:
HORWART-Tochter WIRA war auf der Bundesschau 2005 in Ried ausgestellt und Gruppensiegerkuh auf der Steiermarkschau 2005. Die sehr exterieurstarke Kuh wurde mehrmals erfolgreich über ET genutzt. HERICH-Sohn HERO durchläuft momentan den Testeinsatz. Söhne von REPTEIT und RAINER befinden sich in Aufzucht. Töchter nach HERICH, RAINER, HUTMANN und REPTEIT sind weitere hoffnungsvolle Jungtiere.
WANDA, WILMA, WONNE (Betrieb Lendl) und WALDE (Betrieb Sodat) sind Vollschwestern zu HOCHKOGL und HORITO (V: Heron) und sind aktuelle Stiermütter. WANDA war Gesamtsiegerin der Bezirksschau Weiz 2006. Sie wurde nach der 3. Abkalbung ebenfalls über ET genutzt. Ein ROIBOS-Sohn von WANDA sowie ein VANSTEIN-Sohn von WILMA befinden sich an der ELP in Aufzucht.
Die Jungkühe von Repass und Wespe zeigen viel Leistungsbereitschaft, sehr gute Fundament- und Eutermerkmale und haben das Potenzial, lang auf den Betrieben zu sein.

Die markantesten Kühe aus einem Seitenast, zurückgehend auf die Mutter von WONE, sind WILGA (V: Malefiz) und WENCKE (V: Ress). Beide zeigten bereits auf Tierschauen ihre Vorzüge. WENCKE wurde beim „Dairy Grand Prix“ in Dornbirn 2006 Gesamtreservesiegerin bei Fleckvieh. Von WILGA wurde im Auswertungsjahr WATERBERG-Sohn WALZER von der Besamungsstation Gleisdorf angekauft und durchlief den Testeinsatz.

WONE-Söhne brachten den Sieg

Zum endgültigen Durchbruch verhalfen die männlichen Nachkommen von WONE. Hier wurden auch die entscheidenden Punkte für den klaren Sieg beim „Fleckviehzüchter des Jahres“ geholt. Alleine die Punkte für die geprüften Vererber hätten für den Gesamtsieg gereicht. Insgesamt acht Söhne wurden in der Steiermark, Niederösterreich und auch in Bayern geprüft. Alle acht Söhne kamen mit einem positiven Zuchtwert, fünf schafften den Wiedereinsatz und mit RUM und HOCHKOGL schafften zwei Stiere den großen Sprung in die gezielte Paarung.
RUM, ein RUMBA-Sohn von WONE, wird mittlerweile international als Teststiervater eingesetzt. Die mittelrahmigen, sehr körperhaften Tiere mit passenden Fundamenten zeigen vor allem im Euterbereich ihre ganz großen Stärken. Die Euter sind drüsig, mit starkem Zentralband versehen und die Striche lassen hinsichtlich Platzierung und Ausbildung keine Wünsche offen. Ein hoch positiver Zellzahlzuchtwert unterstreicht die Euterqualität der RUM-Töchter.
HOCHKOGL (V: Heron) hat ebenfalls den Sprung in die gezielte Paarung in Bayern und Österreich geschafft. Die Töchter zeigen im Exterieur ein sehr ausgeglichenes Vererbungsbild. Vor allem die bei solider Milchleistungsvererbung sehr guten Inhaltsstoffe machen ihn zu einem gefragten Vererber.
HORITO (V: Heron) und HARLEKIN (V: Weinox) vererben Kühe mit sehr ansprechendem Exterieur. Die besonderen Stärken liegen wie bei WONE selbst im Fundament- und Euterbereich.
Angesichts dieser Vererbungsbilder dürfen die Züchter sicherlich auch auf die Söhne der WONE-Töchter gespannt sein.

Schicksalsschlag

WONE selbst brachte bei ihrer achten Kalbung noch problemlos ein HERICH-Kuhkalb zur Welt und hat sich im umgebauten Liegeboxenlaufstall von Johann Derler immer sichtlich wohl gefühlt. Sie hätte die 100.000er Traummarke wohl ohne große Mühen erreicht, wäre nicht der verhängnisvolle Großbrand im Juli letzten Jahres gewesen, bei dem neben dem gesamten Stall- und Wirtschaftsgebäude auch WONE selbst ein Raub der Flammen wurde. „Es wäre zu perfekt gewesen, wenn sie auch noch die 100.000 Liter erreicht hätte, aber wir haben dieser Kuh sehr vieles zu verdanken, ohne sie wären wir nicht Fleckviehzüchter des Jahres“, meint Hans Derler traurig.

Neustart im Großformat

Nach diesem herben Tiefschlag für die Besitzerfamilie, die neben all den anderen Sorgen auch noch den Verlust ihrer Ausnahmekuh zu verkraften hatte, geht man nun nach reiflicher Planung nochmals einen großen Schritt nach vorne. Im Bau befindet sich ein Boxenlaufstall für 70 Kühe. Nach vielen Besichtigungen und auch aufgrund der Tatsache, dass komplett neu gebaut werden muss, entschloss sich Familie Derler für den Einbau eines Melkroboters. Die Jungviehaufzucht wird komplett an einem Partnerbetrieb ausgelagert.
„Wir wollen weiter Milch produzieren und die Zeichen stehen günstig“, begründet Hans Derler die getroffene Entscheidung. Bei gutem Bauverlauf hofft man im Frühling den neuen Stall beziehen zu können und spätestens dann können auch die WONE-Nachkommen beim Melkroboter unter Beweis stellen, dass auch modernste Stallsysteme keine Hürde darstellen.

Funktionärstätigkeit

Johann Derler ist nicht nur Züchter, sondern auch ein vielseitiger Funktionär. Er ist als Landeskammerrat tätig und vertritt die Interessen seiner Region als Obmann Stv. in der Rinderzucht Steiermark sowie beim LKV. Als Obmann der Viehzuchtgenossenschaft Birkfeld bemüht er sich um die Erhaltung der Zuchtbetriebe in der Region. Auch Rosa Derler war längere Zeit sehr umsichtig als Bezirkskammerrat tätig.

Zukunft

Sohn Michael (23) arbeitet nach erfolgreichem Abschluss der Landwirtschaftsschule sowie einer Lehre als Landmaschinenmechaniker seit über einem Jahr am Betrieb und sieht die Zukunft ebenfalls in der Milchproduktion. Er ist moderner Technik gegenüber sehr aufgeschlossen und ist zuversichtlich, dass die mit den Eltern gemeinsam getroffene Entscheidung zum Einbau eines Melkroboters richtig war. Seine drei Geschwister sind außerlandwirtschaftlich tätig. Markus studiert BWL und führt den nachgelagerten Strohhandel im Hause Derler. Christian ist Bankangestellter und schließt demnächst sein Studium ab. Verena besucht die Maturaklasse der HAK in Weiz.

Einer erfolgreichen Weiterführung des Betriebes steht also nichts mehr im Wege. Bei den jetzigen Milchpreisen, die den tatsächlichen Wert des Produktes deutlich besser widerspiegeln als noch vor einiger Zeit, wird am Betrieb Derler auch weiterhin so erfolgreich gearbeitet werden können wie bisher. Das zeigt durch die Auszeichnung „Fleckviehzüchter des Jahres“ sehr eindrucksvoll.

Autor: Nikolaus Dunst, Rinderzucht Steiermark

zu den Fotos