Die Väter von heute und morgen

Der Einsatz von Deckstieren ist aus der Mutterkuhhaltung nicht mehr wegzudenken. Im Vergleich zu anderen Ländern spielt die künstliche Besamung bei uns aufgrund der kleineren Mutterkuhherden zwar eine etwas größere Rolle, aber für viele Mutterkuhbetriebe überwiegen eindeutig die Vorteile des Natursprungs.

So werden jährlich rund 1.000 Stiere der 23 Fleischrinder- und Generhaltungsrassen bewertet. Die sind dann entweder in der Gebrauchskreuzung oder der Reinzucht im Deckeinsatz.

84 Fleckviehstiere aus der Fleischnutzung wurden letztes Jahr bewertet. Für sie kommt dasselbe Bewertungsschema wie für alle anderen Fleischrinderrassen zur Anwendung. Das heißt, es werden Noten für den Rahmen, die Bemuskelung und die äußere Erscheinung (Fundament und Typ) vergeben. Neun Prozent der bewerteten Stiere in der Fleischrinderzucht waren Fleckviehstiere. Den größten Anteil machen Charolais (21 %) und Limousin (16 %) aus. Bei Fleckvieh werden im Verhältnis zur Kuhzahl weniger Stiere bewertet als bei anderen Rassen. Aber es zeigt sich bei den Standardgewichten auch, dass stärker selektiert wird: Die Standardgewichte der bewerteten Stiere liegen deutlicher über dem Populationsdurchschnitt.

Die Stierväter der letzten Jahre

In den letzten zehn Jahren wurden 1.050 Fleckviehstiere aus der Fleischnutzung bewertet. Über 30 stammten von einem aus Dänemark zugekauften Deckstier (VIKTOR) ab. Dahinter folgen mit STEINADLER, HOENESS, HARLEY und ROSENHERZ bekannte deutsche Besamungsstiere.
Eine größere Anzahl an bewerteten Söhnen gibt es auch von den Besamungsstieren GS GORMO, MALIBU und GS LAZARUS aus Österreich sowie den bekannten dänischen Stieren CAMPARI, ATLANTIS und dem ebenfalls in Dänemark gezüchteten GS ATOS. Über 320 verschiedene Väter aus acht Ländern hatten die bewerteten Stiere in den letzten Jahren. Allein letztes Jahr waren es 51 unterschiedliche Väter. Das zeigt, wie breit die Palette in der Fleckviehzucht in der Fleischnutzung ist. Andererseits macht es auch deutlich, dass bei einem koordinierten, einheitlichen Besamungsstierangebot noch Luft nach oben ist.

Tabelle: Bewertete Stiere Fleckvieh-Fleisch 2022 nach Zuchtverbänden

Bewertete Stiere Fleckvieh-Fleisch 2022 nach Zuchtverbänden

n: Anzahl; KH: Kreuzbeinhöhe, R: Rahmen: B: Bemuskelung, AE: Äußere Erscheinung, Ind: Index; GG: Geburtsgewicht, 200_kg/365_kg: Standardgewicht der bewerteten Stiere

ZWS Fleischrinder – zusätzliche Merkmale in Planung

In der Fleischnutzung wird auch für Fleckvieh eine Zuchtwertschätzung (ZWS) auf Basis der Fleischleistungsprüfung durchgeführt. Neben den Ergebnissen der Wiegungen werden für alle Fleischrassen die Handelsklasse und die Nettozunahme berücksichtigt. Die Ausschlachtung war bisher nicht Teil der Zuchtwertschätzung Fleischrinder, da im Rahmen der Entwicklung die Anzahl der vorliegenden Ergebnisse gering war. Im Zuge einer Evaluierung hat sich gezeigt, dass sich dies bei einigen Rassen – unter anderem Fleckvieh – geändert hat. Daher soll im Rahmen der nächsten Zuchtwertschätzung bei Fleckvieh auch in der Fleischrinder-Zuchtwertschätzung die Ausschlachtung berücksichtigt werden. Ebenfalls in Planung ist die Einführung eines Merkmals für die Nutzungsdauer. Um das umzusetzen, wird gerade ein Projekt geplant, da die Einführung dieses Merkmals etwas komplexer ist. Derzeit werden die Zuchtwerte aller bewerteten Stiere und der Besamungsstiere veröffentlicht.

Drei Deckstiere an der Spitze

Wie schon letztes Jahr führen drei Deckstiere die Liste der aktiven Stiere an. BASIC HAARLA Pp*, ein Sohn von HARLEY PP* aus einer BANWY T-Rex-Tochter von der LFS Althofen ist mit einem FGZW von 127 und einem FFW von 134 auf dem ersten Rang. Dahinter liegen LOIS Pp* (V: GS Lazarus), gezüchtet von Familie Gaupmann, Niederösterreich und WINSOR PP*, ein Sohn von WECHSEL, der auf den dänischen Stier WEST zurück geht, aus der Zucht von Familie Lipp, Burgenland.

Besamungsstiere mit Nachkommensleistung

Bei den aktiven Besamungsstieren mit Nachkommensleistung liegt VOTARY PS mit einem FGZW von 124 an erster Stelle. Allerdings ist bei ihm zu beachten, dass er bei der Zuchtwertschätzung in der Doppelnutzung eine Ausschlachtung von nur 88 hat. Das heißt, er würde in der Fleischrinderzuchtwertschätzung weiter hinten rangieren, wenn dieses Merkmal bereits einfließen würde. Mit diesem Zuchtwert in der Ausschlachtung ist er auch nur bedingt für Fleckvieh in der Fleischnutzung geeignet! Dahinter liegen mit GS WIPP PP* und GS HERNANDO PP* zwei österreichische Besamungsstiere, die auch vom Ausschuss für Fleckvieh-Fleisch empfohlen werden.

Durch die Daten aus der Doppelnutzung (zum Beispiel bei den Schlachtdaten, den Kalbemerkmalen oder der Zwischenkalbezeit) haben wir den Vorteil, dass wir auch bei Fleckvieh in der Fleischnutzung eine umfangreiche Datenlage für die Zuchtwertschätzung haben. Gerade bei den breit eingesetzten Besamungsstieren ist das wertvoll, da sich so höhere Sicherheiten für die einzelnen Merkmale ergeben. Die Fleischrinder-Zuchtwerte werden ab einer Sicherheit von 30 Prozent veröffentlicht. Daher sollte man der Sicherheit auch entsprechendes Augenmerk schenken!

Zuchtwertdatenbank in neuem Design

Die Zuchtwertdatenbank hat seit Anfang des Jahres ein neues Design. Nicht nur die Optik ist neu, es gibt auch neue Funktionen! Unter anderem gibt es in der Übersichtsliste die Möglichkeit, die Sicherheit für den FGZW und den FFW einzublenden. Mehr zu den Funktionen lesen Sie unter www.fleischrinder.at.

Autorin: Mag. med. vet Anna Koiner, Fachreferentin Fleischrinderzucht, Geschäftsführerin Fleischrinder Austria

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