Mit dem neuen Jahr liegen auch die aktuellen Ergebnisse der Fleischleistungsprüfung vor. In Österreich werden für 24 Rassen eigene Zuchtprogramme geführt, die in der Mutterkuhhaltung eine umfassende Fleischleistungsprüfung der Zuchttiere vorsehen.
Die jährlichen Auswertungen zeigen, wie sich die einzelnen Rassen entwickeln. Neben den reinen Leistungsdaten wie den Gewichten gewinnen vor allem Managementkennzahlen an Bedeutung – denn nur ein jährlich abgesetztes Kalb sichert den Erfolg in der Mutterkuhhaltung. Insbesondere bei intensiven Rassen sind Tageszunahmen und Gewichte aber auch zentrale Leistungsindikatoren.
Herdebuchkühe stabil zum Vorjahr
Auch 2025 ist die Zahl der Herdebuchkühe in der Fleischleistungsprüfung leicht gestiegen. Insgesamt werden aktuell 25.978 Kühe erfasst, was einem moderaten Zuwachs (+21 Kühe) gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Anstieg ist in erster Linie auf die Generhaltungsrassen zurückzuführen, deren Herdebuchkuhbestand innerhalb der vergangenen zehn Jahre um rund 23 Prozent zugenommen hat.
Die Entwicklung dieser Zahlen bildet die Situation der österreichischen Mutterkuhhaltung nicht ab! Von den insgesamt 152.200 Mutterkühen in Österreich (Stand Juni 2025) steht nur ein kleiner Anteil unter Leistungsprüfung und in der Herdebuchzucht. Man kann also aus der Fleischleistungskontrolle keine Rückschlüsse auf die Gesamtsituation der Mutterkuhhaltung in Österreich ziehen.
Die Zahlen der Fleckviehkühe in der Fleischnutzung sind der Entwicklung des Mutterkuhbestandes in Österreich ähnlich: Während 2015 noch 4.238 Fleckvieh-Herdebuchkühe in der Fleischleistungsprüfung geführt wurden, sind es 2025 nur mehr 3.193 Tiere – ein Rückgang von rund 25 Prozent. Gegenüber 2024 fiel der Rückgang mit minus neun Kühen jedoch moderat aus.
Mit 5.172 Kühen stellen die Murbodner weiterhin die zahlenmäßig stärkste Rasse in der österreichischen Fleischrinderzucht. Ihr Bestand zeigt sich in den vergangenen Jahren stabil. Auf Rang zwei folgt das Fleckvieh, dahinter reihen sich Original Pinzgauer und Pustertaler Sprinzen ein.
Managementkennzahlen stabil
Die Fleckviehpopulation zeigt eine leichte Verjüngung. Die Kühe haben durchschnittlich 4,9 Abkalbungen bei einem Durchschnittsalter von 7,1 Jahren (nach zuvor 5,0 Laktationen bei 7,3 Jahren). 12 Prozent der Fleckviehkühe waren im letzten Jahr Erstkalbskühe.
Die durchschnittliche Zwischenkalbezeit (ZKZ) der Fleckviehkühe liegt mit 399 Tagen auf dem Niveau des Vorjahres (400 Tage). Zum Vergleich: der Durchschnitt in Österreich beträgt 409 Tage. 23 Prozent der Kühe weisen eine ZKZ von über 420 Tagen auf (Österreich: 25 Prozent).
Das Erstkalbealter der Fleckviehkühe liegt bei 30,8 Monaten, etwas niedriger als der österreichische Durchschnitt von 32,3 Monaten.
Auch bei den Kalbemerkmalen zeigen sich stabile Werte: Der Anteil der Normalgeburten beträgt wie in den Vorjahren 98 Prozent. 4,5 Prozent der Kälber wurden tot geboren wurden (2024: 4 Prozent).
Standardgewichte niedriger als im Vorjahr
Die Auswertungen der Wiegungen liefern wertvolle Hinweise auf die langfristige Entwicklung einer Rasse. Standardisierte Gewichte und Tageszunahmen ermöglichen dabei nicht nur Aussagen zur Mastleistung, sondern lassen auch Rückschlüsse auf weitere wirtschaftlich relevante Merkmale zu, etwa auf die Milchleistung der Kühe sowie der Töchter eines Stieres.
Das Geburtsgewicht der Fleckviehkälber lag 2025 leicht über dem Vorjahresniveau. Bei den Kuhkälbern betrug es 40,7 Kilogramm, bei den Stierkälbern 43,1 Kilogramm. Entsprechend den Vorgaben des Zuchtprogramms kann das Geburtsgewicht ausschließlich über eine tatsächliche Wiegung ermittelt werden.
Beim 200-Tage-Gewicht konnten die männlichen Fleckviehtiere zulegen. Mit 297 Kilogramm und einer täglichen Zunahme von 1.270 Gramm lagen die Werte über jenen des Vorjahres (2024: 295 Kilogramm und 1.259 Gramm Tageszunahme). Die weiblichen Tiere erreichten mit 276 Kilogramm und einer täglichen Zunahme von 1.177 Gramm erneut das Vorjahresniveau.
Im Rassevergleich liegt Fleckvieh beim 200-Tage-Gewicht weiterhin vor Charolais, Limousin und Blonde d’Aquitaine. Hier macht sich die vergleichsweise höhere Milchleistung der Fleckviehkühe bemerkbar, die sich positiv auf die frühen Wachstumsleistungen auswirkt.
Bereits in den vergangenen Jahren wurde über einen negativen Trend beim 365-Tage-Gewicht, insbesondere bei den männlichen Fleckviehtieren, berichtet. Dieser Trend setzt sich fort: Mit einem durchschnittlichen Jahresgewicht von 444 Kilogramm beträgt der Abstand zu Charolais mittlerweile mehr als 30 Kilogramm. Auch die männlichen Blonde-d’Aquitaine-Tiere sind mit einem Plus von 27 Kilogramm deutlich schwerer, während Limousin mit 450 Kilogramm ebenfalls vor Fleckvieh liegt.
Bei den weiblichen Tieren sind die Abstände zwischen den Rassen deutlich geringer als bei den männlichen. Wie bereits im Vorjahr liegen mit Blonde d’Aquitaine (410 Kilogramm) und Charolais (405 Kilogramm) zwei großrahmige Intensivrassen knapp vor dem Fleckvieh, das 403 Kilogramm erreicht. Für Fleckvieh bedeutet dies ein Plus von sechs Kilogramm gegenüber dem Vorjahr, nachdem das Jahresgewicht der weiblichen Tiere erstmals seit mehreren Jahren wieder unter die 400-Kilogramm-Marke gefallen war.
Zu berücksichtigen ist, dass derzeit nicht zwischen kastrierten und unkastrierten Tieren unterschieden wird. Unabhängig davon zeigt der Verlauf der Jahresgewichte bei männlichen Fleckviehjungtieren seit 2018 eine anhaltend negative Entwicklung.
Effizienz und Entwicklungspotenzial
Die Ergebnisse zeigen ein durchweg stabiles Niveau der Rasse Fleckvieh bei den Managementkennzahlen. Die Zwischenkalbezeit ist als eine der wichtigsten Kennzahlen der Mutterkuhhaltung besonders im Auge zu behalten. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass auch in anderen europäischen Ländern mit größeren Strukturen für Mutterkuhherden durchschnittliche Zwischenkalbezeiten von rund 400 Tagen veröffentlicht werden. In Studien anderer Länder zur Klimabilanz gilt die Zwischenkalbezeit – neben dem Erstkalbealter – als einer der Schlüsselfaktoren für eine effiziente, klimafitte Mutterkuhhaltung.
Bei den Standardgewichten zeigt sich, mit Ausnahme des Jahresgewichts der männlichen Jungtiere, eine Verbesserung beziehungsweise ein konstantes Niveau. Um das volle Potenzial auszuschöpfen und konkurrenzfähig zu bleiben, muss die Entwicklung des Jahresgewichts bei den männlichen Jungtieren jedoch näher beleuchtet werden. Alle Zahlen aus der Fleischleistungskontrolle finden Sie in Kürze unter www.fleischrinder.at im jährlich erscheinenden Zuchtbericht. In der nächsten Ausgabe lesen Sie mehr über die eingesetzten Kalbväter, die Stierbewertungen und weitere Fakten zur Fleischnutzung beim Fleckvieh.
Autor: Mag. vet. med. Anna Koiner, Geschäftsführerin Fleischrinder Austria




