Generalversammlung der Europäischen Vereinigung der Fleckviehzüchter

Präsident Ing. Sebastian Auernig konnte in Bad Aibling in Bayern neben den anwesenden Vertretern von elf europäischen Fleckvieh-Ländern besonders ASR-Vorsitzenden Georg Hollfelder, Generalsekretär Dr. Johann Ertl und Dr. Georg Beck vom bayerischen Ministerium willkommen heißen.

Die EVF tagte in Bad Aibling in Bayern mit Vertretern von 11 Mitgliedsländern (Foto: Haubner)

Die EVF tagte in Bad Aibling in Bayern mit Vertretern von 11 Mitgliedsländern (Foto: Haubner)

Insgesamt sind aktuell 16 Länder in der Europäischen Vereinigung der Fleckviehzüchter zusammengeschlossen. Als neues Mitglied wurde der bulgarische Fleckviehzuchtverband in die europäische Fleckviehfamilie aufgenommen. In Bulgarien werden große Anstrengungen unternommen, die Rasse Fleckvieh mit Vertrauen in Genetik aus Deutschland und Österreich wieder auf ein breiteres Fundament zu stellen. An der gemeinsamen Zuchtwertschätzung nehmen aktuell Deutschland, Österreich und Tschechien vollumfänglich teil. Teilweise werden derzeit von Italien, der Slowakei und Ungarn Phänotypen geliefert. Die Genomik nutzen darüber hinaus noch Slowenien, Kroatien und Frankreich. Die meisten der genannten Länder wollen in Zukunft mit der Einbringung von Phänotypen an der DAC-Zuchtwertschätzung teilnehmen. In den letzten beiden Jahren fanden dazu umfangreiche Verhandlungen über ein zukünftiges System statt.

Stabwechsel in der Arbeitsgruppe Exterieur der EVF

Durch seinen bevorstehenden Ruhestand wurde Bernd Luntz von der LfL als Leiter der EVF-Arbeitsgruppe Exterieur verabschiedet. Luntz war maßgebend daran beteiligt, das Bewertungssystem FleckScore zu etablieren und europaweit zu harmonisieren. Zu seinem Nachfolger bestellte die Generalversammlung einstimmig Ing. Reinhard Pfleger, Geschäftsführer Fleckvieh Austria, der sich über viele Jahre aktiv in die Arbeitsgruppe eingebracht hat.

Die Verantwortungsträger der EVF mit dem Bernd Luntz, der das Staffelholz der Leitung der Arbeitsgruppe Exterieur in der europäischen Vereinigung an Reinhard Pfleger weitergab (Foto: Haubner)

Die Verantwortungsträger der EVF mit dem Bernd Luntz, der das Staffelholz der Leitung der Arbeitsgruppe Exterieur in der europäischen Vereinigung an Reinhard Pfleger weitergab (Foto: Haubner)

Fachvorträge stellen Fleckvieh ein gutes Zeugnis aus

Bernd Luntz und Dr. Dieter Krogmeier von der LfL berichteten über die aktuellen Anpassungen bei FleckScore und den Zusammenhängen zwischen den Exterieurmerkmalen und der Lebensdauer von Kühen. Gesamt wurden bisher rund 2,2 Millionen Fleckviehtiere mit FleckScore linear beschrieben. Die erfolgreiche Arbeit der AG Exterieur der EVF hat dazu geführt, dass eine objektive Vergleichbarkeit der Exterieurbeschreibungen und den daraus resultierenden Zuchtwerte über Ländergrenzen hinweg gegeben ist. Auch die gezeigten genetischen Trends für die Hauptmerkmale im Exterieur stellen der Entwicklung der Fleckviehrasse ein gutes Zeugnis aus.

Prof. Dr. Hubert Spiekers von der LfL traf auf Basis der Ergebnisse des staatlichen Versuchswesens in Bayern folgende Feststellung: „Fleckvieh ermöglicht eine effiziente und wirtschaftliche Produktion von Rindfleisch“. Auch erste Ergebnisse aus Vergleichsversuchen von Fleckvieh in Reinzucht versus Beef-on-Dairy-Kreuzungen zeigen wirtschaftliche Vorteile für die Doppelnutzung mit Fleckvieh.

Prof. Dr. Wilhelm Windisch von der TU München beleuchtete in bekannt faszinierender Weise Sachverhalte zu den Themen Nahrungskonkurrenz und Klimaschutz im Zusammenhang mit der Erzeugung tierischer Lebensmittel. Die Frage „Kommen wir ohne Nutztiere zurecht?“ beantwortete er mit einem klaren Nein: „Wir können auf Nutztiere nicht verzichten. Sie sind ein wichtiger Teil der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft. Die Ernährung der Menschheit mit möglichst wenigen Auswirkungen auf Umwelt und Klima erfordert ein lokales Gleichgewicht zwischen Pflanzenbau und Tierhaltung“. Nur mit der Verwertung der nicht essbaren Biomasse über die Tierhaltung kann 50 Prozent mehr Nahrung aus der vorhandenen Fläche produziert werden – und das ohne das Entstehen von Nahrungskonkurrenz. Zukünftig gilt es, die Effizienz der Verwertung der nicht essbaren Biomasse durch Nutztiere zu verbessern.

Abschließend luden Präsident Sebastian Auernig und Generalsekretär Johann Ertl alle anwesenden Ländervertreter zum Besuch der Deutschen Fleckviehschau in Miesbach ein, die den fachlichen Rahmen der diesjährigen Generalversammlung bildete.

Der nächste Kongress der europäischen Vereinigung der Fleckviehzüchter soll 2025 in Kroatien stattfinden.

Autorinnen: Hedwig Strobl, ASR, und Ariane Haubner, Rinderzucht Fleckvieh

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