Kolumbien: österreichischer Preisrichter bei FV-Schau

Die Rinderproduktion ist in dem 1,1 Millionen km² großen Land neben der Kaffee- und Schnittblumenerzeugung die wichtigste landwirtschaftliche Produktionsrichtung. Die Rinderhaltung ist auf hohe Produktivität und vor allem Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Dies ist eine Chance für Fleckvieh bzw. Simmental, wie es in Kolumbien genannt wird. Von der Genetic Austria wird diese Chance seit Jahren genützt. Exportiert werden vor allem Embryonen von besten Fleckviehkühen und Samen von Spitzenvererbern.
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Vielfältige Rinderhaltung
Die Rinderhaltung ist mit der Milch- und Fleischproduktion in Mitteleuropa nicht zu vergleichen – zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen durch das Klima, die Struktur, aber auch durch das Lohnniveau. Der Mindestlohn für Landarbeiter beträgt ca. € 150,- pro Monat, die meiste Arbeit wird per Hand erledigt,undnbsp; so oft auch das Melken oder das Schneiden der Maispflanzen, und durch die ganzjährige Vegetation ist keine Vorratshaltung notwendig. Intensive Milchproduktion gibt es nur im Hochland, dort werden neben den bodenständigen Rassen auch Holsteins, Jersey oder Simmental gezüchtet. Die meiste Milch allerdings wird in den heißen Regionen mit den Bos indicus-Rassen extensiv erzeugt, das heißt, die Kühe werden einmal täglich mit der Hand gemolken, nach der Melkung kommt das Kalb wieder zur Mutter. Brahmanen geben bei dieser Art der Milchproduktion zwei bis vier Liter täglich. Kreuzungstiere mit Fleckvieh z. B. Töchter von RUMBA, HULOCK und HUMID bringen bei gleichen Voraussetzungen bis zu sieben Liter Milch täglich. So ist vor allem in der Kreuzung für die Milchproduktion für Fleckvieh eine große Chance zu sehen. Die ersten Versuche sind auf alle Fälle vielversprechend.

Viele Rinder mit österreichischen Vätern
Der Anlass für die Reise nach Kolumbien war die nationale Fleckviehausstellung in Medellin. Das Richten der 270 ausgestellten Fleckviehtiere war eine sehr interessante Aufgabe. Präsentiert wurden vor allem weibliche und männliche Jungtiere sowie Zuchtstiere. Die Tiere sind in Altersklassen von vier Monaten bis über fünf Jahren eingeteilt. Die Gruppengrößen betragen dabei bis 25 Tiere. Das Preisrichten wurde an allen drei Tagen von sehr interessierten Simmental-Züchtern verfolgt. Die Freude über Gruppensiege oder Champions war enorm. Dies ist auch nicht verwunderlich, wird doch mit sehr viel Begeisterung gezüchtet. Die Simmental-Zucht erlebt einen Aufwind. Andererseits hängen vor allem auch Verkaufserfolge von Ergebnissen auf Ausstellungen ab. Nachdem Zuchtwertschätzungen oder andere technische Hilfsmittel als Entscheidungskriterien für die Zucht fehlen, orientiert man sich meist an dem, was auf Ausstellungen gezeigt wird. Es ist sehr erfreulich, dass bei den präsentierten Tieren auch sehr viele Tiere mit österreichischen Vätern, wie RUMBA, DIONIS, RAINER, RUMENIK, HUMGOLD oder RESS zu finden waren. Daneben gab auch bayerische Genetik den Ton an. Die meisten Siegertiere hatten HUMID als Vater. Die Fleckviehgenetik aus Mitteleuropa konkurriert in Kolumbien mit Genetik aus den USA. Die kolumbianischen Simmental Züchter kombinieren die amerikanische und europäische Genetik und erzielen dabei sehr gute Ergebnisse. Unter den ausgestellten Tieren waren auch etliche Rinder, welche als Embryonen von Österreich oder Deutschland nach Kolumbien exportiert wurden.

Unvorstellbare Auktionspreise
Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Eliteauktion am Samstagabend. Die Simmental-Tiere erzielten dabei Spitzenpreise, die bei uns nicht vorstellbar sind. Der kolumbianische Fleckviehzuchtverband war vor allem auch deshalb sehr glücklich, weil die Preise für Simmental derzeit wesentlich höher liegen als die Preise für Tiere anderer Rassen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist der verstärkte Einsatz von Zuchtstieren der Rassen Simmental in der Kreuzung auf die bodenständigen Rassen. Dies belebt auch die Reinzucht, sodass immer mehr Betriebe versuchen, durch den Zukauf von weiblichen Zuchtrindern oder Embryonen mit der Simmental Zucht zu beginnen.
Resümee
Der Markt für Fleckviehgenetik aus Österreich wird in Kolumbien vermutlich auch in Zukunft nicht in den Himmel wachsen, sondern eher klein bleiben. Die Anforderungen an die aus Österreich importierte Genetik sind sicherlich sehr hoch, aber durch die sehr erfreulichen Ergebnisse mit österreichischer Genetik in Kolumbien werden auch in den nächsten Jahren Embryonen von ausgesuchten Kühen und Sperma von geeigneten Vererbern gefragt sein. Die Genetic Austria wird versuchen, auch in Zukunft diese Marktchancen bestmöglich zu nützen und hat dafür die besten Voraussetzungen.

Autor: DI Dr. Josef Miesenberger, FIH

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