Der Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Kohlhofer liegt in Pogier, einem Ortsteil der Stadtgemeinde Kapfenberg im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. In den 1960er-Jahren wurden hier, wie in der ganzen Region, vor allem Gelbvieh und Murbodner gehalten. 1995 übernahmen Michael und Regina Kohlhofer den Hof und bewirtschafteten ihn bis 2015 mit rund 15 Kühen.
Durch das Wachstum der Industriebetriebe rund um Kapfenberg gingen viele Flächen verloren und der Strukturwandel ließ auch hier nur drei Milchlieferanten im Dorf zurück. So bot sich der Familie die Chance, zusätzliche Flächen zu kaufen oder zu pachten.
Der Zuchtbetrieb der Familie Kohlhofer liegt auf 650 m Seehöhe
Stallbau als Basis für den Erfolg
2016 wurde ein neuer Milchviehstall errichtet. Er umfasst 38 Tiefliegebuchten für Kühe und höherträchtige Kalbinnen, eine Abkalbebox sowie einen Tiefstreubereich für Kälber. Die Laufgänge werden durch eine Schrapperentmistung sauber gehalten. Gemolken wird in einem 5er-AutoTandem-Melkstand. Die Kälber verbringen ihre ersten Lebenswochen in Einzeliglus, bevor sie in die Gruppenhaltung wechseln. Die gesamte weibliche Nachzucht bleibt in dieser Phase am Hof und bildet die Basis für die spätere Selektion. Die Kälber werden rund zwölf Wochen mit Vollmilch getränkt. Heu, Kraftfutter und Wasser stehen zusätzlich ab den ersten Lebenstagen frei zur Verfügung.
Im Jungkalbinnenalter wechseln die Tiere meist in den alten Anbindestall, bevor sie danach wieder zurück in den Kuhstall kommen. Den Sommer genießt das Jungvieh auf der betriebseigenen Niederalm auf rund 900 Metern Seehöhe.
2016 wurde ein neuer Milchviehstall errichtet
Fütterung und Ernte
Die Fütterung der Kühe erfolgt ohne Mischwagen. Im Winter erhalten sie Gras- und Maissilage im Verhältnis 2:1. Eine Mineralstoffmischung, angereichert mit Salz und etwas Kraftfutter, wird als Lockfutter über den Futtertisch verabreicht. Zusätzlich wird Kraftfutter über den Transponder bedarfsgerecht zugeteilt.
Von Frühjahr bis Herbst sind die Kühe auf der Weide, um Bewegung zu haben und die Klauen abtrocknen zu lassen. Nur bei nasser Witterung bleiben sie im Stall, um Trittschäden zu vermeiden. Während der Weidesaison wird lediglich Grassilage zugefüttert. Familie Kohlhofer bewirtschaftet rund 4,5 Hektar Acker- und 18,5 Hektar Grünland. Davon entfallen etwa zwei bis drei Hektar auf Silomais. Die Konservierung der Silage erfolgt in Ballen. Leistungsstarke Grünland- und Kleegrasflächen werden bis zu fünfmal jährlich gemäht.
Die Außenwirtschaft erfolgt größtenteils in Eigenregie; nur das Pressen und Wickeln wird vergeben. Im Forst wird ebenso selbst gearbeitet – Fremdunterstützung erfolgt nur bei größeren Schadereignissen.
Zucht und Vermarktung
Michael legt bei der Anpaarung mehr Wert auf solide Allrounder als auf Stiere mit extremen Merkmalen. Ein zentrales Hilfsmittel bei der Auswahl ist das Anpaarungsprogramm GS AIO. Zuletzt kamen vor allem Stiere wie GS DELUXE, GS HOCHTIROL, GS HOT DOG, GS MACH MIT Pp*, WUNDAWERK und HIMOLA zum Einsatz. Kühe, von denen keine Nachzucht erwünscht ist oder die als Problemkühe gelten, werden mit Weißblauen Belgier-Stieren besamt.
Um die besten Tiere gezielt zu vermehren, soll in Zukunft vermehrt auf gesextes Sperma gesetzt werden. Die männlichen Kälber beziehungsweise die Kreuzungskälber werden mit rund 100 Kilogramm über den Nutzrindermarkt in Traboch vermarktet. Der Verkauf weiblicher Tiere richtet sich flexibel nach Platzund Futterverfügbarkeit. Vorrangig werden Erstkalbskühe angeboten; wenn notwendig, werden auch Jung- oder trächtige Kalbinnen in Traboch versteigert.
Ausgezeichnete Herde
Um möglichst viele Tiere erfolgreich vermarkten zu können, ist bestes Management unerlässlich. Michael ist seit rund 20 Jahren Mitglied im Arbeitskreis Milchvieh und entwickelt seinen Betrieb dadurch kontinuierlich weiter. Besonders in den letzten fünf Jahren zeigen sich die positiven Effekte aus der Kombination von Stallneubau und verbessertem Management deutlich. So konnten in den vergangenen zwei Jahren drei „Golden Girls“ mit über 100.000 Kilogramm Lebensleistung hervorgebracht werden. Auch nach dem Abgang der „Golden Girls“ finden sich wieder einige ältere Damen im Bestand – fast die Hälfte der Kühe hat bereits vier oder mehr Abkalbungen vorzuweisen.
Für diese Leistungen wurde der Betrieb bereits dreimal mit dem Managementaward „Top Herde Steiermark“ ausgezeichnet.
Auch bei der Steiermarkschau 2023 war man erstmals in der Betriebsgeschichte mit Kühen vertreten: Die GS HERZTAKT-Tochter SILKE erreichte in der Kategorie der altmelkenden Zweitkalbskühe den Gruppenreservesieg, und die DAX-Tochter NENCI präsentierte sich als Sechstkalbskuh bei den Kühen mit fünf Laktationen und mehr als würdige Vertreterin. Beide Tiere stehen, inzwischen mit jeweils zwei weiteren Kälbern, noch immer fit im Stall.
GS HERZTAKT-Tochter SILKE erreichte bei der Steiermarkschau 2023 den Gruppenreservesieg der altmelkenden Zweitkalbskühe
DAX-Tochter NENCI als Sechstkalbskuh auf der Steiermarkschau 2023
Derzeit kümmern sich vor allem Michael und Regina um das Wohl der Kühe, doch mit Sohn Thomas steht bereits die nächste Generation in den Startlöchern. Thomas, Absolvent der Fachschule ABZ Hafendorf in Kapfenberg, absolviert derzeit eine Lehre als LKW-Mechaniker. Auch seine beiden älteren Schwestern, Theresa und Christina, unterstützen immer wieder gerne aushilfsweise bei der Arbeit am Betrieb. Damit steht der Begeisterung für die Rinderzucht in der Familie auch für die Zukunft nichts im Wege.
Die Rind Steiermark eGen und GENOSTAR wünschen Familie Kohlhofer weiterhin viel Erfolg und vor allem Gesundheit.
Michael und Regina Kohlhofer mit Thomas, Theresa und Christina












