Familie Schieder, Steiermark

Tierwohl als Erfolgsstrategie

Wer den Milchviehbetrieb der Familie Schieder, vulgo Stauderbauer, in Staudach in der Steiermark besucht, merkt rasch: Hier steht nicht die maximale Einzelleistung im Mittelpunkt, sondern die langfristige Gesundheit und Wirtschaftlichkeit der Herde.

Jede betriebliche Entscheidung – vom Stallbau über die Jungviehaufzucht bis hin zu Fütterung und Zucht – verfolgt ein gemeinsames Ziel: leistungsfähige, langlebige und fitte Kühe mit guter Persistenz.

Tierwohl an erster Stelle

Besonders wichtig ist Betriebsführer Stefan Schieder – neben seiner Familie – das Wohl seiner Kühe. Deshalb wurde im Jahr 2015 ein neuer Laufstall errichtet, der bis heute zu den tierfreundlichsten Ställen der Region zählt. Damals stand die Familie vor der Entscheidung, entweder in einen Jungviehstall oder in einen neuen Kuhstall zu investieren. Die Wahl fiel schließlich auf den Kuhstall, während das Jungvieh weiterhin im bestehenden Laufstall aus dem Jahr 1998 untergebracht wurde.

Der heutige Kuhstall besteht aus einem Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen für die laktierenden Kühe sowie einem großzügigen Special-Needs-Bereich. Breite Laufgänge sorgen für viel Bewegungsfreiheit. Im Fressbereich kommen Spaltenböden zum Einsatz, während die Laufgänge im Liegebereich planbefestigt sind und mittels Schrapper entmistet werden. Zur weiteren Arbeitserleichterung plant Familie Schieder künftig die Anschaffung eines Melkroboters sowie eines saugenden Entmistungsroboters.

Familie Schieder: Stefan und Alexandra mit Leonora und Miriam, Urli Theresia

Familie Schieder: Stefan und Alexandra mit Leonora und Miriam, Urli Theresia

Vom Jungvieh zur gesunden Milchkuh

Wie auf vielen Betrieben lag auch beim Neubau des Kuhstalles zunächst der Fokus auf den Milchkühen, während die Jungviehaufzucht etwas in den Hintergrund rückte. Da jedoch gerade in den ersten Lebensmonaten der Grundstein für eine leistungsfähige und langlebige Milchkuh gelegt wird, entwickelte entwickelten die Betriebsführer diesen Betriebszweig in den vergangenen Jahren konsequent weiter.

Ein wichtiger Schritt war die Investition in einen Tränkeautomaten und die damit verbundene Umstellung der Kälberaufzucht. Die Kälber verbringen zunächst rund 14 Tage im Einzeliglu und wechseln anschließend in eine Gruppenbucht mit Tränkeautomat. Dort erhalten sie bis etwa zum 45. Lebenstag Milch ad libitum, ehe die Abtränkphase beginnt, die bis zu einem Alter von rund 110 Tagen dauert. Für Alexandra Schieder zählen die Gruppenhaltung und der Tränkeautomat zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren einer gesunden und leistungsfähigen Aufzucht.

Bis zum Alter von vier Monaten erhalten die Kälber eine Kälber-Trocken-TMR. Anschließend wird diese bis zum Alter von etwa sechs bis sieben Monaten mit der Kuh-TMR verschnitten, bevor die Tiere auf die Jungviehration umgestellt werden. Dadurch soll eine übermäßige Verfettung vermieden werden. Das Erstbesamungsalter liegt derzeit bei rund 14 Monaten.

Die intensive Jungviehaufzucht macht sich auch in der späteren Leistung der Kühe bemerkbar. Einsatzleistungen von 35 bis 40 kg Milch sind mittlerweile keine Seltenheit mehr – ein Erfolg, der sich letztlich auch im Milchtank widerspiegelt.

Die Fütterung beginnt beim Boden

Wie bei allen wichtigen Entscheidungen steht auch in der Fütterung die Gesundheit der Kühe im Mittelpunkt. Für Stefan Schieder beginnt eine hochwertige Fütterung nicht erst beim Futtermischwagen, sondern bereits beim Boden. Deshalb beschäftigt sich die Familie seit vielen Jahren intensiv mit Bodenfruchtbarkeit und einer bedarfsgerechten Düngung. Die Flächen werden nach der Albrecht/Kinsey-Methode untersucht und gezielt mit Mengen- und Spurenelementen versorgt. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Kalkdüngung ein.

Bei der Grundfutterernte ist besonderes Augenmerk auf geringe Futterverschmutzungen und kurze Feldliegezeiten zu legen. Gleichzeitig achtet der Betriebsführer darauf, Grundfutter mit einem möglichst geringen Zuckergehalt zu erzeugen. Sämtliche Arbeiten werden – mit Ausnahme des Häckselns – überwiegend in Eigenregie beziehungsweise gemeinsam mit Nachbarn und Freunden erledigt. Für besonders enge Erntefenster oder wenn kein Feldhäcksler verfügbar ist, steht zusätzlich ein eigener Ladewagen zur Verfügung.

Pansenfreundliche Rationsgestaltung

Die Kühe erhalten eine Totalmischration (TMR), bestehend aus Grassilage, Maissilage und Stroh als Grundfutter. Körnermais, Gerste, Weizen, Trockenschnitzel und Raps werden am Betrieb selbst gemischt.

Bei der Rationsgestaltung legt Familie Schieder besonderen Wert auf eine langsam wirksame und damit pansenfreundliche Fütterung. Die Rationsberechnung erfolgt nach dem DCAB-Konzept. Zur laufenden Kontrolle dienen unter anderem der Milchharnstoffgehalt sowie die Milchinhaltsstoffe.

Von besonderer Bedeutung ist die regelmäßige Überprüfung der Fütterung. So wird die Mischration wöchentlich auf ihren Trockensubstanzgehalt untersucht und die Futterstruktur mithilfe der Schüttelbox kontrolliert. Ebenso zählt die kontinuierliche Kotbeurteilung zu den festen Bestandteilen des Herdenmanagements. Ziel ist es, diese regelmäßigen Kontrollen als selbstverständlichen Bestandteil der täglichen Arbeit zu etablieren.

Der Erfolg dieser konsequenten Fütterungsstrategie zeigt sich auch in der Herde: Seit der Umstellung auf TMR konnte die Persistenz der Kühe deutlich verbessert werden.

HASI (V: GS Wundawuzi), Steiermarkschau 2025: Reservechampion jung, in der 1. Laktation

HASI (V: GS Wundawuzi), Steiermarkschau 2025: Reservechampion jung, in der 1. Laktation, Foto: Moy

GYPSI Pp* (V: GS Wundawuzi), die Mutter von GS VALIDO, in der 1. Laktation, Foto: Moy

GYPSI Pp* (V: GS Wundawuzi), die Mutter von GS VALIDO, in der 1. Laktation, Foto: Moy

Züchter mit Leidenschaft

Die Rinderzucht war für Stefan Schieder schon immer eine große Leidenschaft. Im Mittelpunkt seiner Zuchtstrategie stehen Persistenz, Fitness, Fundament und Euterqualität. Auf diese Merkmale wird seit vielen Jahren konsequent selektiert – mit sichtbarem Erfolg. Aktuell stehen am Betrieb mehrere züchterisch hochinteressante Kalbinnen und Kühe zur Verfügung.

Die kontinuierliche Zuchtarbeit spiegelt sich nicht nur in steigenden Milchleistungen sowie langlebigen und fitten Kühen, sondern auch in zahlreichen Erfolgen auf Schauen wider. Der Betriebsführer setzt auf gezielte Anpaarung und betont, dass sich der zusätzliche Aufwand hierfür in Grenzen hält, der züchterische Fortschritt dadurch jedoch deutlich größer ausfällt. Bereits vor dem Einsetzen der Brunst werden die passenden Stiere ausgewählt und rechtzeitig bestellt.

Neben der Nutzung des GS AIO-Anpaarungsplaners dient auch die aAa-Analyse der Kühe und Stiere als wichtige Entscheidungshilfe. Häufig stimmen beide Systeme in ihren Empfehlungen sogar überein.

Familie Schieder ist seit Beginn des Projektes FOKUHS ein Partnerbetrieb und zeigt sich stets offen für innovative Entwicklungen. Gleichzeitig wird das umfachreiche Wissen seit vielen Jahren gerne an Praktikanten landwirtschaftlicher Schulen weitergegeben.

Die Vermarktung der Stierkälber sowie der Zucht-Jungkühe erfolgt über die nahegelegene Greinbachhalle der Rind Steiermark.

Heimat von GS VALIDO

Da der Persistenz in der Zuchtstrategie des Betriebes eine zentrale Rolle zukommt, wurde der Stier GS WUNDAWUZI häufig eingesetzt. Aus einer seiner zahlreichen Töchter stammt der neue GENOSTAR-Vererber GS VALIDO, ein VIRGINIA-Sohn, der die Zuchtphilosophie des Betriebes nahezu perfekt widerspiegelt.

Neben sehr guten Fitnesswerten überzeugt GS VALIDO unter anderem mit einem positiven Persistenz-Zuchtwert sowie einer ausgezeichneten Strichplatzierung. GS VALIDO wird in Kürze verfügbar sein!

Die Rind Steiermark und die GENOSTAR Rinderbesamung GmbH bedanken sich herzlich für die langjährige, partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Familie Schieder und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Zucht sowie Gesundheit und alles Gute für Haus und Hof.

Betriebsdaten

Schieder Stefan und Alexandra, Staudach 56, 8230 Greinbach

Familie:  Betriebsführer Stefan und Alexandra, Kinder Leonora (7) und Miriam (5), Großmutter Hermi und Partner Andreas, Uroma Theresia

Seehöhe: 720 m

Niederschlag: 900 mm

Fläche: 44 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (20 ha Pacht), 10 ha Silomais, 4 ha Getreide (Gerste und Weizen), 14 ha Dauergrünland, 40 ha Wald

Tierbestand: insgesamt 44 Rinder

 Milchleistungsentwicklung:

Autor: Ferdinand Haas, Rind Steiermark