Das Exterieur im Fokus

Weiterbildungsseminar für Fleckvieh-Exterieurbeurteiler 2026

Ende September fand das traditionelle deutsch-österreichische Weiterbildungsseminar für Fleckvieh-Exterieurbeurteiler in Bad Birnbach in Niederbayern statt. Der Einladung der LfL folgten 40 aktive Beurteiler aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und allen Zuchtgebieten Österreichs.

40 aktive Bewerter aus Deutschland und Österreich nahmen am Seminar teil

40 aktive Bewerter aus Deutschland und Österreich nahmen am Seminar teil

Praxis im Mittelpunkt

Am Zuchtbetrieb Eder in Triftern stand die praktische Bewertung am Tier im Mittelpunkt. Acht Jungkühe waren von jedem Bewerter nach FleckScore zu beurteilen. Die mit www.fleckscore.com erfassten Daten wurden über FleckSchool automatisiert mit der Referenzbewertung der Chefbewerter verglichen. In einem zweiten Durchgang waren dieselben Kühe in geänderter Reihenfolge zu bewerten, um die Wiederholbarkeit der Notenvergabe zu überprüfen. Anschließend wurden Abweichungen von der Referenz direkt am Tier gemeinsam mit den Chefbewertern analysiert und besprochen.

Neue Testmerkmale im Fokus

Eine weitere Praxiseinheit beschäftigte sich mit Testmerkmalen, die in Bayern seit zwei Jahren erhoben werden. Ab dem neuen Bewerterjahr werden auch in Österreich die Merkmale Hintereuterbreite, Hintereuterhöhe und Hinterbeinstellung sowie die Mängel Schenkelekzem und hoher Schwanzansatz zur Testung erfasst. Diese wurden auf deren einheitliche Erfassung geschult.

Genaue Arbeit am Tier war gefragt

Genaue Arbeit am Tier war gefragt

Die Chefbewerter aus Deutschland und Österreich

Die Chefbewerter aus Deutschland und Österreich

FleckScore – eine Erfolgsgeschichte

Im theoretischen Block referierte Dr. Sharbanu Hosseini, LfL, über die Anwendung von FleckScore in der gemeinsamen Zuchtwertschätzung. 2025 wurden über 94.000 Fleckviehkühe linear beschrieben: 40 % davon in Deutschland, 30 % in Österreich, 20 % in Tschechien, 8 % in Italien und 2 % in der Slowakei. Mit über 28.000 Kühen erreichte Österreich den bisher höchsten Wert je Bewerterjahr.

Augenmerk auf Streuung und Mängel

Hubert Anzenberger, LfL, analysierte Mittelwerte, Streuungen und die Vergabehäufigkeit von Mängeln. Während die Mittelwerte zwischen und innerhalb der Gebiete gut übereinstimmen, bestehen bei Streuung und Mängelvergabe doch deutliche Unterschiede zwischen den Bewertern. Ein konsequentes Bewertermonitoring mit regelmäßiger Analyse dieser Kennzahlen auf Organisationsebene ist daher wichtig.

FleckScore wird weiterentwickelt

Ing. Reinhard Pfleger berichtete als Leiter der EVF-Arbeitsgruppe Exterieur über die Weiterentwicklung von FleckScore. Nach Rückmeldungen der europäischen Mitgliedsländer wurde vereinbart, mögliche neue Merkmale in einer Testphase zu überprüfen. In Bayern wurden seither über 50.000 Kühe mit neuen Testmerkmalen und -mängeln erfasst. Ein Teil davon soll in der dritten Laktation erneut bewertet werden, um Zusammenhänge mit Nutzungsdauer und Funktionalität abzuleiten.

Nachbesprechung der Ergebnisse am Tier durch die Chefbewerter

Nachbesprechung der Ergebnisse am Tier durch die Chefbewerter

Testmerkmale am Prüfstand

Stefan Schweiger und Hubert Anzenberger, LfL, präsentierten erste Ergebnisse. In direktem Zusammenhang mit übergroßen Tieren stehen unerwünschte Ausprägungen wie zu schmale Tiere mit verstellten Vorderbeinen, sowie Tiere mit wenig Tiefe und Bemuskelung. Mit stärkerem Augenmerk auf die Entwicklung in Richtung der gut mittelrahmigen Kuh könnten damit auch andere unerwünschte Eigenschaften hintangehalten werden, ohne zusätzliche Merkmale zu erfassen. Die testweise Erfassung der Beckenbreite brachte hinsichtlich der Kalbeeigenschaften weniger Informationsgewinn im Vergleich zur Hüftbreite als erwartet.
Aktuelle Auswertungen zeigen eine rückläufige Entwicklung der Schenkeleuterlänge gegenüber der Voreuterlänge bei Fleckvieh. Die Testmerkmale Hintereuterbreite und Hintereuterhöhe sind daher von besonderem Interesse. Die Hintereuterbreite zeigt eine hohe Korrelation zur Schenkeleuterlänge, während die Hintereuterhöhe sich als eigenständiges Merkmal zeigt. Breitere und höhere Hintereuter stehen zudem in positiver Beziehung zur Milchleistung und könnten für die AMS-Eignung wichtige Informationen liefern. In Bayern wurden bisher Frequenzen von 2,7 % für Schenkelekzem und 8,9 % für hohen Schwanzansatz festgestellt. Dr. Hosseini präsentierte weiters erste Ergebnisse zu den Erblichkeiten der Testmerkmale
Einigkeit besteht darin, neue Merkmale nur dann in FleckScore aufzunehmen, wenn ein klarer Bezug zu Nutzungsdauer und Funktionalität nachgewiesen und die Beziehung zu bestehenden Merkmalen ausreichend analysiert wird. Mit aussagekräftigen Ergebnissen dazu ist im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen.

Genomik als Basis für die Zuchtarbeit

Dr. Christian Edel, LfL, stellte das bayerische Herdentypisierungsprojekt FleQS-G+R vor. Ziel ist, bis 2030 rund 30 Prozent der bayerischen Herdebuchpopulation einzubinden und Gesundheits- und Klauendaten für die Zuchtwertschätzung zu erfassen. Zudem informierte Edel über den Vorschlag, Kennzahlen zur genomischen Verwandtschaft von Kandidaten auszuweisen. Diese Inzuchtkennzahlen werden derzeit von den Zuchtverantwortlichen in Deutschland und Österreich geprüft.

Die Referenten der Bewerterschulung in Bad Birnbach

Die Referenten der Bewerterschulung in Bad Birnbach

Weiterbildung auf hohem Niveau

Abschließend lobten die Vertreter von ASR, LfL, LGL und Fleckvieh Austria die hohe Qualität des Seminars in Theorie und Praxis. Die Erkenntnisse sollen zur Verbesserung und Vereinheitlichung der Exterieurbewertung über Gebietsgrenzen hinweg beitragen. Besonderer Dank gilt Hubert Anzenberger, LfL, und seinem Team für die Durchführung sowie ASR und Fleckvieh Austria für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung.

Autor: Ing. Reinhard Pfleger, Fleckvieh Austria

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