Familie Wimberger, Windhaag bei Freistadt, Oberösterreich

Wenn züchterische Träume in Erfüllung gehen

Nordöstlich von Freistadt, unweit der tschechischen Grenze, befindet sich der RZO-Zuchtbetrieb Wimberger, vulgo Schmid. Seit 2008 wird der Hof von Manfred und Margarete mit großem persönlichem Engagement im Vollerwerb geführt.

Mit der tatkräftigen Unterstützung der Kinder Hanna und Peter kann der noch junge Fleckviehzuchtbetrieb bereits zahlreiche züchterische Erfolge vorweisen.

Familie Wimberger (Manfred, Margarete, Hanna, Peter) mit GERHILD (V: Merten)

Familie Wimberger (Manfred, Margarete, Hanna, Peter) mit GERHILD (V: Merten), Foto: Penn

Der Hof der Familie Wimberger liegt auf 720 m Seehöhe

Der Hof der Familie Wimberger liegt auf 720 m Seehöhe

Betriebsentwicklung und Stallkonzept

Im Jahr 2009 markierte der Neubau des Stalls einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Betriebs. Dabei wurde auch das bestehende Altgebäude in den neuen Rinderstall integriert. Die Kälber werden bis zu einem Alter von acht Wochen in fahrbaren Boxen und Iglus gehalten, anschließend erfolgt die Entwöhnung im Tieflaufstall. Für die Kalbinnen stehen Hochboxen mit Schrapperentmistung zur Verfügung. Die Milchkühe sind in Tiefbuchten mit einer Stroh-Mist-Matratze untergebracht; die Entmistung erfolgt ebenfalls über Schrapper. Die Fressgänge sind mit Gummimatten ausgestattet.

Zur Separierung, etwa bei Brunst oder Krankheit, stehen eine Abkalbebox sowie zwei Krankenstände auf Stroh zur Verfügung. Eine kürzlich adaptierte Schlauchentlüftung sorgt zudem für ein optimales Stallklima.

Gemolken wird in einem 2×4-Fischgrätmelkstand (System Happel) mit Milchmengenmessung und Abnahmeautomatik. Die Klauenpflege übernimmt der Betriebsleiter selbst mithilfe eines fest installierten Klauenpflegestands.

Durchdachte Fütterung für gesunde Tiere

Zweimal täglich wird das Futter mithilfe eines Silokamms vorgelegt. Die Grundration besteht aus 70 Prozent Grassilage und 30 Prozent Maissilage und wird mehrmals täglich von einem Butler der Firma Wasserbauer nachgeschoben, der zugleich eine Lockfütterung durchführt. Das Kraftfutter wird direkt am Betrieb mit einer mobilen Anlage der Mahl- und Mischgemeinschaft hergestellt und über die Kraftfutterstation verfüttert.

Als Energiekomponenten dienen Körnermais, Wintergerste und Triticale; die Rohproteinergänzung erfolgt über Rapsschrot. Besonderer Wert wird auf eine ausgewogene Mineralstoffversorgung gelegt – unter anderem mit Salz, Futterkalk, Selen und einer Mineralstoffmischung.

Außenwirtschaft in rauem Klima

Trotz der rauen klimatischen Bedingungen im Mühlviertel wird das Grünland sehr intensiv bewirtschaftet und vier- bis fünfmal jährlich gemäht. Möglich ist dies durch regelmäßige Nachsaat und Striegelmaßnahmen.
Der Betrieb verfügt über eine gute Eigenmechanisierung; Mähdrusch sowie das Häckseln von Gras und Silomais werden jedoch von einem Lohnunternehmer durchgeführt.

Stark vernetzt in landwirtschaftlichen Organisationen

Die jährliche Milchmenge von rund 300.000 Kilogramm wird an die Gmundner Molkerei geliefert. Weibliches Zuchtvieh sowie der Großteil der männlichen Nutzkälber werden ausschließlich über den Rinderzuchtverband OÖ (RZO) vermarktet, dem die Familie seit 2005 angehört.
Darüber hinaus engagieren sich Manfred und Margarete in mehreren Projekten, darunter Efficient Cow, FoKUHs HERDE, Abgestufter Wiesenbau und im Arbeitskreis Milch. Auch in der bäuerlichen Interessensvertretung sind beide sehr aktiv.

Neun von 14 Kälbern aus einer Spülung, darunter WINDHAAGER Pp*

Neun von 14 Kälbern aus einer Spülung, darunter WINDHAAGER Pp*

Embryotransfer mit GEWINN

Die intensive züchterische Laufbahn am Betrieb begann im Jahr 2014 mit der Typisierung der Kuh GEWINN (GZW 139, MW 124), einer IWINN-Tochter, bei der der erste Embryotransfer am Betrieb durchgeführt wurde. Diese Kuh legte den Grundstein für die zuchtwert-, leistungs- und exterieurstarke G-Linie, die sich im Stall bis heute etabliert hat.
Die Spülung brachte unter anderem die SUPERIOR-Mutter GEDUNA hervor. Dieser Linie entstammt auch die SISYPHUS-Tochter GIESELA, von der zurzeit vier Söhne an der OÖ. Besamungsstation in Hohenzell im Einsatz sind: MAMBA, VALDINI P*S, VENTURI P*S und HOFSIEGER.
Drei weitere Vererber an dieser Station gehen ebenfalls auf den Betrieb Wimberger zurück: WINDHAAGER Pp* (Waalkes Pp* x Malaga Pp*), VINZ (Villeroy x Herzschlag) und SUPERIOR (Sisyphus x Manuap). Viel Hoffnung wird zurzeit auch in den SUZUKA P*S-Sohn SATORI (MV: Merten) gesetzt. Die MERTEN-Tochter GERHILD ist die Vollschwester zum Stier MAMBA. 2020 wurden bei der EUROgenetik-Stiermuttertour vier Kühe aus der G-Linie vorgestellt.

GABY (V: Valverde), Vollschwester zu VALDINI P*S und VENTURI P*S

GABY (V: Valverde), Vollschwester zu VALDINI P*S und VENTURI P*S, Foto: Penn

GIESELA (V: Sisyphus), Mutter von MAMBA, VALDINI P*S, VENTURI P*S, HOFSIEGER

GIESELA (V: Sisyphus), Mutter von MAMBA, VALDINI P*S, VENTURI P*S, HOFSIEGER, Foto: KeLeKi

Es darf weiter geträumt werden …

Der Betriebsleiter setzt als Eigenbestandsbesamer weiterhin auf Hornloszucht, funktionale und formschöne Euter mit guter Melkbarkeit sowie auf exterieurstarke Tiere. Für die Anpaarungen wird überwiegend das Programm OptiBULL verwendet. Gleichzeitig legt der Betrieb großen Wert auf die züchterische Beratung durch den RZO. Aktuell wartet man auf Nachzuchten der Vererber EDELJOKER PP*, VENTURI P*S, MAMBA, SCHOEN und HERZNEUN. Derzeit setzt die Familie auf die Stiere HELI, WATERLINE, STRADIVARI, HOCKEY P*S und MAMMELLA PP*. Der durchschnittliche Gesamtzuchtwert der Kälberväter liegt derzeit bei 136.

Den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft des Betriebs legen neben dem Betriebsleiterehepaar auch die beiden Kinder Peter (17 Jahre) und Hanna (15 Jahre). Beide engagieren sich aktiv im Jungzüchterclub Freistadt/ Urfahr und konnten bereits bei zahlreichen Vorführbewerben Erfolge erzielen. Ihr züchterisches Gespür zeigt sich unter anderem im bereits erwähnten SUZUKA-Sohn SATORI, der sich im Besitz der beiden Geschwister befindet.

Der Rinderzuchtverband OÖ sowie die OÖ. Besamungsstation Hohenzell bedanken sich bei der gesamten Familie für die stets gute Zusammenarbeit und wünschen weiterhin alles Gute für die private wie betriebliche Zukunft.

Peter Wimberger beim Jungzüchter-Jubiläum des RZO 2024 mit Kalbin GERHILD (V: Merten)

Peter Wimberger beim Jungzüchter-Jubiläum des RZO 2024 mit Kalbin GERHILD (V: Merten), Foto: Petit

Betriebsdaten

Manfred und Margarete Wimberger, Oberpassberg 24, 4263 Windhaag bei Freistadt

Klima: Seehöhe 720 m, 750 mm Jahresniederschlag; kalte, trockene
Winter; Nachtfröste bis ins mittlere Frühjahr

Familie: Manfred (52), Margarete (48), Peter (17), Hanna (15)

Betriebsschwerpunkte: Milchproduktion, Zuchtviehvermarktung, Forstwirtschaft

Betriebsgröße: 34,5 ha LN, davon 20 ha Grünland und 14,5 ha Acker
(Wintergerste, Triticale, Silomais, Feldfutter); 9 ha Wald

Tierbestand: 1 Milchkühe, 50 Stück Jungvieh

Herdenkennzahlen:
Besamungsindex: 1,6
Ø Zwischenkalbezeit: 367 Tage
Ø Erstkalbealter: 27,8 Monate

Milchleistungsentwicklung:

Milchleistungsentwicklung Familie Wimberger

Autor: Johannes Penz, Rinderzuchtverband Oö (RZO)