Peru liegt an der Pazifikküste Südamerikas und zählt rund 35 Millionen Einwohner. Allein in der Hauptstadt Lima leben etwa 11 Millionen Menschen. Das Land erstreckt sich von der trockenen Pazifikküste über die Anden bis ins Amazonasgebiet und weist dadurch unterschiedlichste landwirtschaftliche Produktionsbedingungen auf.
Die Wirtschaft Perus stützt sich vor allem auf den Bergbau und den Export von Rohstoffen und Agrarproduktion. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen neben Kupfer, Gold, Zink und Erdgas auch landwirtschaftliche Produkte wie Heidelbeeren, Avocados, Weintrauben, Kaffee und Spargel.
Landwirtschaft voller Gegensätze
Die Landwirtschaft in Peru ist voller Gegensätze. Große Betriebe mit vielen Fremdarbeitskräften stehen tausenden kleinen Familienbetrieben gegenüber, die vielfach unter einfachsten Bedingungen produzieren.
Anders als in Europa gibt es in Peru keine flächen- oder tierbezogenen Direktzahlungen des Staates für die Landwirtschaft. Die Betriebe müssen ihr Einkommen ausschließlich über den Erlös ihrer Produkte erzielen.
Viele rinderhaltende Betriebe sind sehr knapp mit Eigenfläche ausgestattet. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit von zugekauften Futtermitteln. Das wichtigste Grundfutter in der Milchviehhaltung ist Maissilage. Ergänzt werden die Rationen durch zahlreiche Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion. Dabei finden sich aus europäischer Sicht exotisch klingende Rationsbestandteile wie Spargel, Avocados und Zitrusfrüchte aller Art, die für die Bauern relativ kostengünstig zur Verfügung stehen.
Die bedeutendste Milchregion des Landes ist Cajamarca im Norden Perus. Das gemäßigte Klima im Andenhochland bietet gute Voraussetzungen für die Milchproduktion. In dieser Region hat sich auch die Fleckviehzucht in den vergangenen Jahren besonders positiv entwickelt.
Beschattete Liegeflächen für Jungtiere am Betrieb Santa Fe
Eindrucksvoller Großbetrieb Santa Fe
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Leistungsfähigkeit der peruanischen Rinderwirtschaft ist der Betrieb Santa Fe. Dort werden 2.700 Rinder gehalten, darunter aktuell 1.300 Milchkühe.
Seit rund zehn Jahren wird die ursprünglich reine Holsteinherde konsequent mit Fleckviehgenetik aus Deutschland und Österreich gekreuzt. Dadurch sollen Inhaltsstoffe, Stoffwechselstabilität und Fruchtbarkeit verbessert sowie gleichzeitig höhere Erlöse aus der Mast der Nachkommen erzielt werden. Die Herde produziert täglich rund 27.000 Liter Milch.
Der Besamungsindex liegt bei 2,5, die durchschnittliche Zellzahl bei rund 250.000. Der Auszahlungspreis beträgt zwei peruanische Soles je Liter Milch, was rund 52 Eurocent entspricht.
Neben der Milchproduktion spielt auch die Rindermast eine wichtige Rolle. Jährlich werden rund 1.000 Schlachtstiere vermarktet.
Der Betrieb zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der peruanischen Rinderwirtschaft durch professionelle Betriebsführung, konsequentes Management und moderne Produktionsmethoden steckt.
Starke Kreuzungskuh Fleckvieh x Holstein am Betrieb Santa Fe
Die Einkreuzung von Fleckvieh brachte stark verbesserte Mastleistungen am Betrieb Santa Fe
Beratungen zum Fütterungsmanagement am Betrieb Santa Fe
Videos vom Betrieb Santa Fe:
Landestypische Rinderhaltung
Besucht wurde auch der Betrieb der Familie Castillo in der Region Comas. Dort werden 40 Holstein-Milchkühe gehalten. Neben der Milchproduktion hat sich die Familie mit einem eigenen Hofladen eine erfolgreiche Direktvermarktung von Milch, Joghurt und Käse aufgebaut.
Seit einigen Jahren kreuzt die Familie ihre Holstein-Herde mit Fleckvieh. Am Betrieb wurden grundlegende Herausforderungen im Fütterungsmanagement sichtbar. Reinhard Pfleger und Alexander Manrique konnten dazu einfache, praxisnahe und unmittelbar umsetzbare Empfehlungen geben.
Beratungen zur Grundfuttervorlange und Jungrinderaufzucht am Betrieb Castillo
Beratungen zum effektiveren Kraftfuttereinsatz am Betrieb Alva
Ein weiterer Besuch führte zum Betrieb von Gabriel Alva. Im Rahmen der AgroTour von geneticAUSTRIA besuchte Gabriel Alva die Bundesfleckviehschau 2026 in Bergland, auf der seine peruanischen Züchterkollegen Jungrinder ersteigert haben.
Auf seinem Betrieb werden rund 30 Holstein-Milchkühe gezielt mit österreichischem Fleckvieh gekreuzt. Darüber hinaus hat Gabriel Alva bereits Fleckvieh-Embryonen aus Österreich importiert, um künftig auch eine Fleckvieh-Reinzucht aufzubauen.
Die Grundfutterration besteht aus Maissilage und täglich frisch angelieferten Spargelresten. Während des Betriebsbesuches wurden gemeinsam mit dem Betriebsleiter grundlegende Maßnahmen zur Optimierung des Fütterungsmanagements besprochen.
Großer Bedarf an praktischer Beratung
Die Betriebsbesuche machten deutlich, mit welchen Herausforderungen viele Milchviehhalter in Peru konfrontiert sind. Neben engagierten Betriebsleitern prägen teilweise schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, einfache Haltungsbedingungen und begrenzte technische Möglichkeiten den Betriebsalltag.
Ein wesentlicher Engpass liegt im Zugang zu landwirtschaftlicher Aus- und Weiterbildung. Ein mit Österreich vergleichbares System aus landwirtschaftlichen Fachschulen und höheren landwirtschaftlichen Lehranstalten existiert in Peru nicht. Als formale Ausbildungsmöglichkeiten stehen im Wesentlichen Agraruniversitäten zur Verfügung.
Dadurch fehlen auf vielen Betrieben – sowohl den Betriebsleitern als auch insbesondere den Mitarbeitern – grundlegende Kenntnisse in den Bereichen Fütterung, Herdenmanagement und Betriebsführung. Die Gespräche und Beratungen während der Reise zeigten, dass bereits einfach vermittelte, praxisorientierte Empfehlungen einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Managements und damit zur Weiterentwicklung der Betriebe leisten können.
Beratung zur Stierauswahl mittels Zuchtwertdatenbank der Rinderzucht Austria in Peru
Fleckvieh als robuste Alternative
Unter diesen Rahmenbedingungen kommt dem österreichischen Fleckvieh eine besondere Bedeutung zu. Viele peruanische Milchviehhalter verbinden mit der Einkreuzung von Fleckvieh in ihre Holstein-Herden die Erwartung robusterer, fruchtbarerer und langlebigerer Kühe sowie wirtschaftlich attraktiver mastfähiger Nachkommen.
Die auf den besuchten Betrieben vorgefundenen Produktionsbedingungen erfordern Tiere, die mit schwankenden Grundfutterqualitäten, einfachen Haltungsbedingungen und unterschiedlichen Managementvoraussetzungen gut zurechtkommen. Neben einer guten Milchleistung sind daher insbesondere Stabilität, Widerstandsfähigkeit, Fruchtbarkeit und Fleischleistung von zentraler Bedeutung.
Die Betriebsbesuche bestätigten einmal mehr, dass unter diesen Bedingungen nicht allein höchste Milchleistungen über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden. Gefragt sind funktionelle Kühe, die gesund bleiben, sich problemlos reproduzieren und über viele Laktationen hinweg wirtschaftlich produzieren.
Genau hier liegen die besonderen Stärken des Fleckviehs als leistungsfähige Doppelnutzungsrasse. Die Kombination aus Milch, Fleisch und Robustheit bietet für viele peruanische Betriebe eine interessante und nachhaltige Perspektive.
Informeller Austausch in der österreichischen Botschaft
Austausch in der österreichischen Botschaft
Im Rahmen eines informellen Treffens in der österreichischen Botschaft in Lima wurden bei der interimistischen Botschafterin Mag. Sandra Uttenhaler notwendige Adaptierungen des Veterinärzertifikats für den Import österreichischer Rindergenetik nach Peru deponiert.
An dem Gespräch nahm auch Elisabeth Otto de Belaunde von der Wirtschaftskammer Österreich teil, die die österreichischen Aktivitäten in Peru seit Jahren engagiert unterstützt.
Internationales Fleckvieh-Forum als fachlicher Höhepunkt
Ein Höhepunkt der Reise nach Peru war das erstmals veranstaltete Internationale Fleckvieh-Forum in Cajamarca.
Neben mehreren peruanischen Referenten waren Alexander Manrique von Genetic Austria und Reinhard Pfleger von Fleckvieh Austria als einzige internationale Referenten eingeladen.
Alexander Manrique gab einen Rückblick auf die mittlerweile mehr als zehnjährige erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Österreich und Peru. Er zeigte die wichtigsten Meilensteine dieser Partnerschaft auf und erläuterte, wie Genetic Austria die peruanischen Fleckviehzüchter mit österreichischer Genetik und praxisnahem Wissenstransfer nachhaltig unterstützt.
Alexander Manrique als Referent beim Internationalen Fleckviehforum in Peru
Reinhard Pfleger als Referent beim Internationalen Fleckviehforum in Peru
Unter dem Titel „Fleckvieh – eine Rasse verändert die Rinderwelt“ präsentierte Reinhard Pfleger die Entwicklungen der österreichischen Fleckviehzucht. Er zeigte den Zuchtfortschritt bei Leistungs- und Fitnessmerkmalen auf, gab Einblicke in das Zuchtprogramm von Fleckvieh Austria und stellte ökonomische Vergleiche zwischen Doppelnutzungs- und einseitigen Milchrassen vor.
Abschließend erläuterte er die Chancen, die sich daraus für die peruanische Rinderhaltung ergeben. Besonders die Einkreuzung von Fleckvieh in Holstein-Herden bietet unter den häufig herausfordernden Produktionsbedingungen Perus großes Potenzial.
Rund 100 Teilnehmer verfolgten die Vorträge mit großem Interesse. Unter den Zuhörern befanden sich Vertreter von Agraruniversitäten, Studierende, Verantwortungsträger sowie Fleckviehzüchter aus verschiedenen Regionen des Landes.
Die durchwegs positiven Rückmeldungen bestätigten den Erfolg der erstmals veranstalteten Fachtagung und unterstrichen das wachsende Interesse an der österreichischen Fleckviehgenetik sowie am fachlichen Austausch mit Österreich.
Referenten und Ehrengäste des Internationalen Fleckvieh Forums in Peru
Teilnehmer und Referenten des Preisrichter-Workshops in Peru
Ausbildung zukünftiger Fleckvieh-Preisrichter
Im Vorfeld der Nationalen Fleckviehschau in Cajamarca führten Reinhard Pfleger und Alexander Manrique einen Ausbildungsworkshop für zukünftige Fleckvieh-Preisrichter durch. Knapp 30 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit den Grundlagen des Preisrichtens vertraut zu machen.
Im theoretischen Teil erläuterte Reinhard Pfleger die Grundlagen der Exterieurbeurteilung beim Fleckvieh anhand des im Jahr 2023 überarbeiteten internationalen Preisrichterleitfadens. Besonderes Augenmerk galt dabei dem FleckScore-System, das als objektive Grundlage für die Bewertung und Reihung der Tiere nach ihrem Exterieur dient.
Im anschließenden Praxisteil mussten die Teilnehmer vier Jungrinder selbstständig rangieren und ihre Entscheidungen anschließend vor Publikum fachlich begründen. Nach der Bewertung von Rangierung und Kommentierung erhielten die besten Teilnehmer ein offizielles Zertifikat als zukünftige Fleckvieh-Preisrichter in Peru.
Das Schauwesen hat in Peru eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert. Jährlich finden landesweit rund 200 Fleckvieh-Ausstellungen statt. Dieser intensive Weiterbildungstag unterstreicht einmal mehr den Anspruch von Fleckvieh Austria, internationale Partnerschaften nicht nur durch den Export hochwertiger Genetik zu stärken, sondern den Aufbau einer nachhaltigen Fleckviehzucht aktiv mit Bildung zu unterstützen.
Nationale Fleckviehausstellung in Cajamarca
Den fachlichen Höhepunkt der Peru-Reise bildete die Nationale Fleckviehausstellung im Rahmen der Agrarmesse Fongal in Cajamarca, der bedeutendsten Agrarmesse des Landes. Entsprechend groß war das Interesse an der Ausstellung, auf der neben Fleckvieh auch die Rassen Holstein, Jersey und Brown Swiss vertreten waren. Reinhard Pfleger war als Preisrichter für Fleckvieh eingeladen, Alexander Manrique fungierte als Ringmann und übersetzte die Richterentscheidungen ins Spanische.
Das Ausstellungsspektrum reichte von einmonatigen Kälbern bis hin zu vierjährigen Zuchtstieren. Besonders in den zahlenmäßig stark besetzten Jungtierklassen wurde das hohe Exterieur-Niveau der Tiere deutlich. Den Sieg bei den Jungtieren sicherte sich schließlich eine großrahmige, elegante HOKUSPOKUS-Tochter, die sich in einer knappen Entscheidung gegen eine SUPERBOY-Tochter ähnlicher Machart durchsetzte.
In den Kuhklassen, die etwas kleiner besetzt waren, zeigten sich dagegen größere Qualitätsunterschiede. Die unterschiedlichen Futtergrundlagen der peruanischen Zuchtbetriebe spiegelten sich insbesondere in der körperlichen Entwicklung und Kapazität der ausgestellten Kühe wider.
Grand Champion Weiblich der Fongal in Cajamarca, V: WABAN
Reserve Champion Weiblich der Fongal in Cajamarca, V: MANOLO
Den Sieg bei den Kühen holte sich eine kapitale WABAN-Tochter in der dritten Laktation. Sie überzeugte mit beeindruckender Stärke und einem funktionellen Euter. Den zweiten Platz belegte eine korrekte MANOLO-Tochter, die insbesondere durch ihr ausgezeichnetes Fundament und ihre harmonische Gesamterscheinung beeindruckte.
Diese beiden Spitzenkühe dominierten in weiterer Folge auch die Wahl zur Grand Champion der weiblichen Tiere, bei der zusätzlich die Siegerinnen der Jungtierklassen miteinbezogen wurden. Letztlich setzte sich die WABAN-Tochter verdient durch. Mit der Qualität ihres Exterieurs hätte sie durchaus auch auf einer österreichischen Fleckviehausstellung um einen Spitzenplatz mitkonkurrieren können.
Wie in Lateinamerika üblich, wurden auch mehrere Kategorien männlicher Zuchttiere präsentiert. Die ausgestellten Stiere überzeugten durch ihre gute körperliche Entwicklung und ausgeprägte Bemuskelung. Den Gesamtsieg errang schließlich ein vierjähriger Stier peruanischer Abstammung, der mit enormer Vorhandtiefe, Körperbreite und eleganter Bewegung überzeugte. Den zweiten Rang belegte ein hervorragend entwickelter, zweijähriger HERZPOWER-Sohn.
Grand Champion Männlich der Fongal in Cajamarca, V: SOL DE ORO
Die Nationalschau in Cajamarca bestätigte eindrucksvoll, dass die konsequente Nutzung österreichischer und deutscher Genetik, kombiniert mit wachsendem züchterischem Know-how, in den Spitzenbetrieben des Landes bereits deutlich sichtbare Erfolge zeigt.
Schlussbetrachtung
Die Reise nach Peru zeigte einmal mehr, wie vielfältig und anspruchsvoll die Unterstützung unserer internationaler Fleckvieh-Kunden sein kann.
Die Qualität der auf der Nationalschau in Cajamarca präsentierten Fleckviehtiere bestätigt die erfreuliche Entwicklung der peruanischen Fleckviehzucht in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig machte das große Interesse an Workshops und Fachvorträgen deutlich, wie hoch der Bedarf an fundierter Aus- und Weiterbildung sowohl in der Zucht als auch im Herdenmanagement ist.
Die Gegensätze innerhalb der peruanischen Landwirtschaft sind groß. Einer Vielzahl kleinstrukturierter Familienbetriebe stehen wenige, sehr große Milchviehbetriebe gegenüber, die professionell und arbeitsteilig geführt werden. Entsprechend unterschiedlich sind die Produktionsbedingungen und das Managementniveau.
Neben der Reinzucht bietet Peru insbesondere im Bereich der Kreuzungszucht mit einseitigen Milchrassen hervorragende Perspektiven für die österreichische Fleckviehgenetik. Die Robustheit, Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit des Fleckviehs können wesentlich dazu beitragen, die Tiere besser an die oftmals anspruchsvollen Umwelt-, Klima- und Fütterungsbedingungen anzupassen. Gleichzeitig eröffnet der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch zusätzliche Chancen, den Bedarf an hochwertigem Rindfleisch verstärkt durch Fleckvieh und Fleckviehkreuzungen aus heimischer Produktion zu decken.
Entscheidend für die weitere Entwicklung der peruanischen Fleckviehzucht wird sein, den erfolgreichen Genetik- und Wissenstransfer konsequent fortzusetzen. Die regelmäßigen Agrarreisen peruanischer Züchter nach Österreich sowie der intensive fachliche Austausch mit Genetic Austria und Fleckvieh Austria bilden dafür eine wichtige Grundlage. Gelingt es, die gewonnenen Erkenntnisse aus Zucht, Fütterung und Management Schritt für Schritt in die Praxis umzusetzen, bestehen ausgezeichnete Voraussetzungen, die Fleckviehzucht in Peru nachhaltig weiterzuentwickeln.
Autor: Ing. Reinhard Pfleger, Fleckvieh Austria
Fotos: Fleckvieh Austria


















