Univ.-Prof. Dr. Alois Eßl

Abschied von einem großen Tierzüchter

Univ.-Prof. Dr. Alois Eßl aus Mauterndorf im Lungau ist am 29. Mai 2026 unerwartet im 88. Lebensjahr verstorben.

Sein Lebenswerk hat die österreichische Rinderzucht und die Nutztierwissenschaften nachhaltig geprägt. Nach dem Studium der Landwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien begann er seine berufliche Laufbahn beim Rinderzuchtverband Salzburg in Maishofen, wo er bis 1973 tätig war und parallel sein Doktoratsstudium absolvierte. Dieses schloss er 1973 mit der Dissertation „Zur Problematik der Zuchtwertschätzung für Milchleistung beim Rind“ ab und legte damit den Grundstein für ein wissenschaftliches Wirken, das weit über Österreich hinaus Beachtung fand.

Prof Alois Eßl

Univ. Prof. Dr. Alois Eßl

In der Lehre prägte Alois Eßl die Fachgebiete Statistische Methoden in der Tierproduktion und Populationsgenetik. Mit seiner außergewöhnlichen pädagogischen Begabung verstand er es, Studierende für sein Fachgebiet zu begeistern. Stellvertretend seien die Dissertation von Univ.-Prof. Dr. Hans Sölkner zur Analyse der Nutzungsdauer in Österreich sowie die später gemeinsam betreuten Arbeiten von Dr. Christa Egger-Danner zur Einführung der ersten Zuchtwertschätzung für funktionale Nutzungsdauer und von Dr. Josef Miesenberger zur Erarbeitung eines Zuchtziels und zur Entwicklung des Gesamtzuchtwertes genannt.

Alois Eßl hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der österreichischen Rinderzucht. Die Einführung von Indikatoren der Nutzungsdauer in das Zuchtziel für Milchrinder ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und bei den Rinderzuchtverbänden untrennbar mit seinem Namen verbunden. Mit dem Konzept der funktionalen Nutzungsdauer setzte er internationale Maßstäbe.

Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen für die gesamte Rinderzucht war Prof. Eßl stets bemüht, auch die spezifischen Fragestellungen der Fleckviehzucht aufzugreifen und Lösungen für die Weiterentwicklung der Zuchtziele vorzuschlagen. Dank seiner verbindenden Art funktionierte in den bewegten Zeiten der 1970er bis 1990er Jahre – geprägt von Einkreuzungsdiskussionen mit Red Holstein und Montbéliarde auf der Milchseite sowie fleischbetonten Rassen für die zunehmende Mutterkuhhaltung – die Zusammenarbeit zwischen Praxis, AGÖF, BOKU sowie den Partnern in Deutschland und der Schweiz hervorragend.

Die Fleckviehzüchter brachten Alois Eßl großes Vertrauen entgegen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Praktikern aus Österreich und den Nachbarländern trug er wesentlich dazu bei, die Merkmale der Zuchtwertschätzung für das Fleckvieh als moderne Zweinutzungsrasse zu definieren, weiterzuentwickeln und praxistauglich umzusetzen.

Für seine Verdienste verlieh ihm die AGÖF im Jahr 1999 ihren Ehrenring.

Die Gemeinschaft der österreichischen Fleckviehzüchter wird dem großen Tierzüchter und Wissenschaftler Alois Eßl ein ehrendes Gedenken bewahren.

Parte Univ.-Prof. Dr. Alois Eßl

Autoren: Priv.-Doz. Dr. Birgit Fürst-Waltl, Dr. Christian Fürst, Dr. Christa Egger-Danner, Dr. Josef Miesenberger, Ing. Reinhard Pfleger, Ing. Richard Pichler  

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