Im Zuge einer Nachbetreuungstour der geneticAUSTRIA GmbH wurden spanische Betriebe besucht, die seit Jahren erfolgreich auf Fleckvieh setzen. Vom Mutterkuhbetrieb über intensive bis hin zu extensiven Bio-Milchviehbetrieben zeigte sich: Fleckvieh überzeugt unter unterschiedlichsten geografischen und betrieblichen Bedingungen. Das Feedback zur Rasse Fleckvieh war äußerst positiv!
Der Beratungsbesuch in Spanien war sehr erfolgreich. Zum einen konnten fachliche Impulse gegeben werden, um Haltung und Fütterung der Tiere weiter zu optimieren. Zum anderen war es beeindruckend zu sehen, welche hervorragende Qualität nach Spanien geliefert wird und wie sehr die Landwirte vor Ort das österreichische Fleckvieh schätzen.
Folgende Betriebe wurden besucht:
Betrieb Dehesa de Milagros S.L., Milagro (Navarra)
Seit vier Wochen werden auf diesem Betrieb rund 80 Fleckviehkühe von zwei Lely-Melkrobotern gemolken. Das Besondere ist das Low-Input-System: Die beiden Melkroboter befinden sich zentral am Betriebsgelände, rundherum liegen knapp 100 ha Weidefläche. Aufgrund der geringen Niederschläge werden die Weiden intensiv bewässert.
Kraftfutter wird ausschließlich über die Melkroboter verabreicht. Jede Kuh erhält täglich 5 kg einer speziell zusammengestellten Sondermischung, die hauptsächlich aus Körnermais und Soja besteht. Zusätzlich ist das Kraftfutter vollständig mineralisiert, um die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere zu unterstützen.
Obwohl die Melkroboter erst seit vier Wochen im Einsatz sind, wird bereits eine durchschnittliche Milchleistung von 24 Litern erreicht. Angesichts der sehr niedrigen Fütterungskosten ist dieses Leistungsniveau durchaus beachtlich. Zudem zeigt die Milchleistung eine klar steigende Tendenz.
Für ausreichend Tränkemöglichkeiten und Schatten ist gesorgt. Im Winter stehen den Tieren auf einem befestigten Auslauf Stroh, Heu und Maissilage zur freien Aufnahme zur Verfügung. Die Kraftfuttermenge soll jedoch auch während der Wintermonate nicht erhöht werden.
Milagro: „Die Erlöse der männlichen Kälber sind gut und die Milchleistung ist für unser Low Input System und in Anbetracht der kurzen Zeitspanne hervorragend“
Betriebe Txapel Koop. – Familie Enzunza Azurmendi, Arrieta (Baskenland) und Aires de la Bureba – Aitor Matute und Eros Ceballos, Santa María del Invierno (Burgos)
Die Betriebe Txapel Koop und Mardomo wirtschaften beide extensiv. Marxel bewirtschaftet einen Bio-Milchviehbetrieb mit 25 Kühen, bei dem die Weidehaltung konsequent im Mittelpunkt steht. Der Kraftfuttereinsatz beschränkt sich auf maximal 4,5 kg je Kuh und besteht aus Triticale, Gerste sowie Lupinen als Eiweißergänzung. Die gesamte produzierte Milch wird am Betrieb zu verschiedenen Milchprodukten verarbeitet und direkt vermarktet.
Der Betrieb Aires de la Bureba wird seit knapp drei Jahren als Mutterkuhbetrieb geführt. In der Region wurden viele Flächen frei, nachdem ältere Landwirte ihre Pachtverträge aufgelöst hatten und aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte kaum Nachfrage bestand. Mittlerweile werden rund 60 Mutterkühe gehalten, langfristig soll die Herde auf 100 bis 150 Tiere wachsen.
Auch auf diesem Betrieb steht die Weidehaltung im Mittelpunkt. Eine Bewässerung ist hier jedoch nicht notwendig, da es sich um eine der niederschlagsreichsten Regionen Spaniens handelt. Mit durchschnittlich 1.100 bis 1.200 mm Jahresniederschlag sind gute Voraussetzungen für die Grünlandbewirtschaftung gegeben.
Marxel: „Ausschlaggebend für mich ist die deutlich höhere Langlebigkeit des Fleckviehs.“
Aitor: „Meine Tiere sind sehr gesund und vital. Mit den Tageszunahmen meiner Kälber bin ich äußerst zufrieden!“
Betrieb Mardomo S.C., Sarria (Galizien)
Der Betrieb Mardomo wirtschaftet intensiv. Grassilage und Maissilage werden selbst erzeugt, das Kraftfutter sowohl über den Mischwagen als auch über den Melkroboter verabreicht.
Der Betrieb wurde bereits 2025 von der geneticAUSTRIA besucht. Den damaligen Empfehlungen, die Liegeboxen zu verlängern und verstärkt auf eine gut gepflegte Stroh-Mist-Matratze zu setzen, folgte Betriebsleiter Marcos umgehend. Bereits nach kurzer Zeit konnten Verbesserungen bei der Klauengesundheit festgestellt werden.
Aktuell werden am Melkroboter mit 60 Kühen rund 30 Liter Milch je Kuh und Tag erzeugt. Das Ziel liegt bei einem Herdendurchschnitt von 33 bis 35 kg Milch.
Besonders hervorzuheben ist die Fütterung der Trockensteher. Dafür wird eine Stroh-TMR auf Vorrat gemischt. Die Mischung aus Stroh, Kraftfutter und Mineralfutter wird – ohne Wasserzusatz – für etwa 14 Tage vorbereitet und ist mit einer Kälber-TMR vergleichbar. Dieses System bietet insbesondere Betrieben mit weniger als 100 Kühen die Möglichkeit, auch bei nur zwei bis drei trockenstehenden Kühen eine optimal ausbalancierte Ration vorzulegen.
Das Ergebnis spricht für sich: Der Milchfieberanteil liegt bei unter 2 %. Diese Form der Trockensteherfütterung stellt auch für viele österreichische Betriebe eine interessante Lösung dar. Voraussetzung dafür ist allerdings eine sehr gute Strohqualität – das Stroh muss kurz gehäckselt und sauber sein.
Betrieb Ametsleku Fleckvieh – Familie Zulueta, Karrantza (Baskenland)
Ernesto und Sandra Zulueta bewirtschaften gemeinsam mit ihrer Familie und einem Mitarbeiter einen Milchviehbetrieb mit 100 Kühen. Die Tiere werden in zwei getrennten Stallungen mit jeweils einem Melkroboter gehalten. In einem Stall werden 50 Holsteinkühe, im anderen 50 Fleckviehkühe gemolken. Aktuell liegt die Milchleistung in beiden Herden bei rund 30 kg Milch je Kuh und Tag.
Der Betrieb kauft sowohl das gesamte Grund- als auch das Kraftfutter zu. Als Grundfutter werden Stroh, Maissilage und silierte Zuckerrübenpressschnitzel eingesetzt. Wie bereits auf anderen Betrieben werden auch hier die Trockensteher mit einer Stroh-TMR auf Vorrat gefüttert.
Ernesto: „Ursprünglich hatte ich eine reine Holstein Herde. Inzwischen habe ich einen ganzen Stall voll mit Fleckvieh Kühen. Mich überzeugen die robusten Tiere in Kombination mit den guten Erlösen aus Milch und Fleisch.“
Ein großes Dankeschön gilt allen österreichischen Bäuerinnen und Bauern für ihren täglichen Einsatz und die großartige Arbeit, die sie leisten, damit so hochwertige Genetik exportiert werden kann!
Autor: Ing. Jonas Schiffer, https://www.isuba.at, schiffer@isuba.at









