Stell dir Folgendes vor: Du hast zwei Kühe im Stall, nennen wir sie Berta und Vroni. Beide befinden sich in der Mitte ihrer zweiten Laktation, sind ungefähr gleich schwer und anhand deiner Beobachtungen scheinen sie auch ungefähr gleich viel zu fressen. Trotzdem gibt Berta deutlich mehr Milch als Vroni.
Anders gesagt: Berta kann die gleiche Menge Futter besser in Milch umsetzen als Vroni – sie ist also effizienter. Warum mehr Bertas im Stall von Vorteil sind, ist schnell erklärt: Futter ist teuer.
Wer mit der gleichen Futtermenge mehr Milch erzeugt, erwirtschaftet einen höheren Erlös.
Warum gibt BERTA mehr Milch als VRONI?
Mehr Bertas – weniger Vronis
Doch wie ist es möglich, dass wir mehr Bertas und weniger Vronis in unseren Herden haben? Geht das überhaupt? Die Antwort ist einfach: ja, aber.
Berta und Vroni sind zwar nur erfundene Kühe, doch unterschiedliche Studien zeigen, dass Kühe in derselben Laktation, mit gleichem Gewicht und gleicher Futtermenge unterschiedlich viel Milch erzeugen. Diese Differenzen lassen sich unter anderem auf die Genetik zurückführen. Es gibt also Kühe, die genetisch bedingt effizienter sind als andere – und genau das schafft die Grundlage für die Zucht auf Futtereffizienz.
Die Futteraufnahme als Knackpunkt
Ein wichtiger Punkt ist das Erfassen der Futteraufnahme, damit man überhaupt ermitteln kann, welche Kühe effizienter sind. Und hier kommt nun das „aber“ ins Spiel.
Die Herausforderung für Rassen wie Fleckvieh oder Brown Swiss ist die bisher fehlende routinemäßige Erhebung der Futteraufnahme, auch wenn es bereits unterschiedliche etablierte Systeme gibt. Automatisierte Wiegetröge haben beispielsweise eine integrierte Waage und können mittels der Differenz vor und nach dem Besuch einer Kuh die gefressene Menge Futter ermitteln.
Doch um solche Wiegetröge großflächig auf mehreren Milchviehbetrieben zu installieren, wären große Summen an Investitionen notwendig, ganz abgesehen vom höheren Arbeitsaufwand für die Befüllung und Reinigung der Tröge. Kurz gesagt: Das Ganze ist eher ungünstig – und genau hier setzt das Projekt „breed4green“ an.
breed4green sucht nach neuen Wegen
Im Rahmen dieses Forschungsprojektes werden unterschiedliche Ansätze untersucht, wie Futteraufnahme oder Futtereffizienz mittels indirekter Merkmale ermittelt werden kann. Eine Möglichkeit ist, die Futteraufnahme mit einer bestehenden und bereits geprüften Schätzgleichung abzuleiten.
Des Weiteren wird das Potenzial von mittleren Infrarot (MIR)-Spektren untersucht. Diese sind bereits aus der routinemäßigen Milchanalyse vorhanden und werden unter anderem zur Bestimmung von Fett und Eiweiß genutzt. Verschiedene Studien zeigen, dass sich daraus auch weitere Merkmale, wie die Futteraufnahme, schätzen lassen.
Das wäre ein großer Vorteil, da hierfür keine zusätzlichen Daten erhoben werden müssten. Die ersten Ergebnisse von „breed4green“ sind vielversprechend: Die geschätzte Futteraufnahme zeigt eine ähnlich hohe Erblichkeit wie die tatsächlich gemessene und steht auch genetisch mit ihr in Zusammenhang.
Damit könnte sie künftig als indirektes Merkmal für die Zucht auf Futtereffizienz genutzt werden. Bis dahin sind zwar noch einige Schritte notwendig – doch vielleicht können wir so in Zukunft unsere Bertas von unseren Vronis unterscheiden.
(Auszug aus dem Artikel „Effiziente Kühe züchten – (wie) geht das?“ von DI Sarah-Joe Burn. Institut für Nutztierwissenschaften, BOKU Wien, Fleckvieh Austria Magazin 5/26)





