Die Heimat von GS MILCHBUA Pp*

Familie Fellinger, St. Lorenzen am Wechsel, Steiermark

Der Betrieb Fellinger im malerischen Ort St. Lorenzen am Wechsel, Steiermark, entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem der fortschrittlichsten Betriebe in der Region. Bereits beim Betreten des Stalles merkt man sofort, dass die Begeisterung den Kühen gilt. Es wird sehr viel Wert auf gutes Exterieur und Leistungsbereitschaft gelegt.
Bevor im Jahr 2020 der neue Stall für Kühe und Kalbinnen gebaut wurde, waren die Kühe noch im Anbindestall untergebracht. Der kontinuierlich wachsende Tierbestand hatte die vorhandenen Kapazitäten jedoch bald ausgeschöpft. Um zusätzliche Tiere unterzubringen, mussten behelfsmäßige Liegeboxen geschaffen werden. Zum Melken wurden die Tiere hin- und hergetrieben. Die Devise war immer schon, langsam und stetig zu wachsen und zuerst mit dem, was man hat, Milch zu produzieren, bevor man erweitert.

Familie Fellinger: Franz und Gertraud, Sohn Hans-Peter und Tochter Nicole mit BAMBI (V: GS Rau) und ihren Drillingen

Familie Fellinger: Franz und Gertraud, Sohn Hans-Peter und Tochter Nicole mit BAMBI (V: GS Rau) und ihren Drillingen

Der neue Liegeboxenlaufstall wird bei den Kühen mit einem Saugroboter und bei den Kalbinnen mit einem Schrapper entmistet. Ursprünglich war der Stall für den Betrieb eines einzelnen Melkroboters ausgelegt. Seit Anfang 2026 ist ein zweiter Roboter im Einsatz. Dadurch können die Kühe häufiger zum Melken gehen, was zu einer deutlichen Steigerung der Milchleistung geführt hat.

Durchdachte Jungviehaufzucht

Die Kälber erhalten dreimal täglich Milch, wobei auf eine Ansäuerung der Vollmilch verzichtet wird. Kuhkälber werden bis zu einem Alter von rund 90 Tagen mit Milch gefüttert, die Stierkälber kommen mit rund acht Wochen auf den Kälber- und Nutzrindermarkt der Rind Steiermark in Greinbach. Nach dem Abtränken verbringen alle Kälber zunächst ein bis zwei Wochen in einer eigenen Entwöhnungsbucht. Diese dient vor allem der besseren Tierbeobachtung. Danach kommen sie in große Gruppenboxen.

Im Alter von 16 bis 18 Monaten erfolgt die Besamung der Kalbinnen. Zwei Monate vor dem Abkalben werden die trächtigen Kalbinnen gemeinsam mit den trockenstehenden Kühen gefüttert. Etwa 14 Tage vor dem errechneten Kalbedatum wechseln sie zu den Kühen. Dieser Wechsel dient vor allem dazu, die Tiere an den Melkroboter zu gewöhnen. Selektiert wird erst nach der Abkalbung. Die Jungkühe werden über die Zuchtrinderversteigerung in der Greinbachhalle oder über die Ab-Hof-Ankäufe der Rind Steiermark vermarktet.

2020 wurde ein neuer Stall gebaut

2020 wurde ein neuer Stall gebaut

Der neue Liegeboxenlaufstall wird bei den Kühen mit einem Saugroboter und bei den Kalbinnen mit einem Schrapper entmistet

Der neue Liegeboxenlaufstall wird bei den Kühen mit einem Saugroboter und bei den Kalbinnen mit einem Schrapper entmistet

Abgestimmte TMR-Fütterung

Bereits im Anbindestall wurden die Kühe mit einer TMR gefüttert. Im neuen Stall wurde das Rezept noch einmal verfeinert und optimal auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt – so bekommen sie am Futtertisch alles, was sie brauchen. In den beiden Melkrobotern erhalten die Kühe lediglich ein ausgeglichenes Kraftfutter als Lockmittel. Das Verhältnis von Grassilage zu Maissilage beträgt 50:50. Ergänzt wird die Ration durch Biertreber, einer hofeigene Getreide-Mais-Mischung und Eiweißfutter. Die Kühe bekommen eine TMR ohne Stroh und haben außerdem immer freien Zugang zu Futterkalk.

Die anfallenden Außenarbeiten werden, mit Ausnahme des Häckselns und Dreschens, selbst erledigt. Schon beim Silieren wird zwischen dem Futter für die Milchkühe und jenem der Kalbinnen unterschieden. Die Kalbinnen erhalten einen etwas extensiveren Schnitt sowie zusätzlich Stroh. In letzter Zeit sind aufgrund der intensiven Fütterung Einsatzleistungen bei den Jungkühen von über 45 kg Tagesgemelk keine Seltenheit mehr.

Tierbetreuung und Arbeitsaufteilung bringen Erfolg

Die Technik im Stall ist für Familie Fellinger eine wertvolle Unterstützung, ersetzt aber niemals die tägliche Arbeit mit den Tieren. Mehrmals am Tag werden die Liegeboxen gereinigt. Dabei wird die Zeit genutzt, um alle Tiere aufmerksam zu beobachten. Dass vom Betrieb Fellinger bereits sechs Kühe eine Lebensleistung von über 100.000 kg Milch erreicht haben, kommt daher nicht von ungefähr.

Jede Person am Betrieb hat ihr eigenes Aufgabengebiet: Franz ist für die Zucht und Tierbetreuung verantwortlich, Gertraud kümmert sich um die Kälber und Sohn Hans-Peter übernimmt die Fütterung. Natürlich kann jeder die Aufgaben des anderen übernehmen, damit man flexibel bleibt. Der Schlüssel zum Erfolg ist laut Familie Fellinger jedoch eine klare Aufgabenverteilung und eine gute Absprache untereinander.

Zuchtstrategie

Dass sich die Leistung am Betrieb in den letzten Jahren so stark gesteigert hat, führt die Familie sowohl auf die Fütterung als auch auf die Genetik zurück. Sie ist überzeugt, dass der Einsatz von 100 % Jungvererbern der richtige Weg ist, um sich züchterisch kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Seit dem Projektstart von FoKUHs werden alle weiblichen Tiere am Betrieb typisiert. Die Ergebnisse dienen dabei nicht primär der Selektion, sondern vor allem der gezielten Anpaarung. Die besten Jungtiere werden für den Einsatz im Embryotransfer genutzt. Bei der Stierauswahl wird besonderes Augenmerk auf Euter und Fundament gelegt. Dass einige Kühe des Betriebes Fellinger auf fast jeder Schau anzutreffen sind, ist das Ergebnis dieser konsequenten Zuchtarbeit. In früheren Jahren wurden, wenn sich eine Gelegenheit ergab und ein Tier gut zum Betrieb passte, auch Jungkalbinnen zugekauft.

VRONI (V: Heiss), die Mutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 1. Laktation

VRONI (V: Heiss), die Mutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 1. Laktation

GS MILCHBUA Pp*

Die Linie von GS MILCHBUA Pp* geht auf den Zukauf einer Jungkalbin im Jahr 1998 zurück. GS MILCHBUA Pp* spiegelt die Zuchtphilosophie der Familie Fellinger wider: sehr hohe Milchmenge kombiniert mit gutem Fundament und sehr gutem Euter. Das Aushängeschild des Stieres ist, wie auch bei den Kühen hinter ihm, sicherlich die gute Voreuteraufhängung und die optimal platzierten Striche. Seine interessante Linienführung vereint Vererber mit hoher Milchleistung und sehr gutem Exterieur. Damit eignet er sich für den breiten Einsatz.

ZANTER (V: Spartacus), die Großmutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 3. Laktation ZIRBE (V: GS Herztakt), die Urgroßmutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 6ZANTER (V: Spartacus), die Großmutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 3. Laktation

ZANTER (V: Spartacus), die Großmutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 3. Laktation

ZIRBE (V: GS Herztakt), die Urgroßmutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 6. Laktation

ZIRBE (V: GS Herztakt), die Urgroßmutter von GS MILCHBUA Pp*, in der 6. Laktation

Die Rind Steiermark und die GENOSTAR Rinderbesamung GmbH bedanken sich herzlich für die langjährige, partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Familie Fellinger und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Zucht sowie Gesundheit und alles Gute für Haus und Hof.

Betriebsdaten

Familie Fellinger, St. Lorenzen am Wechsel, Steiermark

Seehöhe: 700 m

Niederschlag: 1.000 mm

Fläche:  70 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, 45 ha Acker, 18 ha Mais, 12 ha Getreide, Rest Feldfutter, 25 ha Dauergrünland

Herdenkennzahlen:
Ø Lebensleistung: 31.237 kg
Ø Erstlingsleistung: 9.242 kg Milch
Ø ZKZ: 368 Tage
Besamungsindex: 1,5

 Milchleistungsentwicklung:

Autor: Ferdinand Haas, Rind Steiermark