Der Zuchtbetrieb Kofler, vlg. Söli, befindet sich in Reisach im Gailtal.
Durch die enorme Begeisterung und Motivation der Familie Kofler konnte der Betrieb in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Top-Genetik auf den Markt bringen und die Herde stetig verbessern.
Betriebsführer Herwig bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Karin und seinen Eltern insgesamt 55 ha. Die Feldarbeit wird hauptsächlich in Eigenmechanisierung durchgeführt. Lediglich die Gras- und Maissilageernte wird von externen Personen übernommen. Am Betrieb werden 30 Milchkühe, zirka 45 Stück weibliche Nachzucht und fünf bis sieben Stiere gehalten. Die Stiere werden als Natursprungstiere über die Zuchtrinderversteigerung in St. Donat oder Ab-Hof für den Natursprung vermarktet. Im Jahr können ungefähr 300.000 kg Milch an die Molkerei „Kärntner Milch“ abgeliefert werden.
Familie Kofler (von links nach rechts): Karin, Johann, Herwig und Karin
Geschichte des Betriebes
In den 70er-Jahren ersetzte Johann Kofler, der Vater von Herwig, die damalige Pinzgauer-Herde kontinuierlich durch die Rasse Fleckvieh. Der Anbindestall mitten im Dorf Reisach war ans Haus angebaut und bot Platz für etwa 30 Tiere. Hier hielt die Familie zehn bis zwölf Milchkühe und die weibliche Nachzucht. Der Weidegang war ein fixer Bestandteil des Betriebes. Die Kühe mussten täglich über die Bundesstraße auf die Weide getrieben werden.
Johann, ein begeisterter Rinderzüchter, trat 1978 dem LKV und dem Zuchtverband bei. Auch die Aufzucht von Zuchtstieren faszinierte ihn, sodass er bald damit begann, Stiere über die Versteigerung zu vermarkten. Die erste Rinderschau ließ nicht lange auf sich warten. Im Jahr 1987 konnte der Zuchtbetrieb mit Kuh NELKE, einer HAXAN-Tochter, an der Bundesschau teilnehmen. Das erfüllte Johann mit Stolz und bestärkte ihn in seinem züchterischen Engagement.
2006 entschloss sich die Familie zum Bau eines neuen Laufstalls außerhalb des Ortes
Am Betrieb werden 30 Milchkühe, zirka 45 Stück weibliche Nachzucht und fünf bis sieben Stiere gehalten
Vergrößerung des Betriebs
Die beengte Lage mitten im Dorf wurde zunehmend zum limitierenden Faktor. Daher entschloss sich die Familie 2006 zum Bau eines neuen Laufstalls außerhalb des Ortes. Neben Tiefboxen und Spaltenboden für die Kühe sowie Hochboxen für das Jungvieh wurden auch großzügige Tiefbuchten für die Kälber eingeplant. Es folgte die Erweiterung der bereits vorhandenen Fahrsilos am neuen Standort. Ein 4er-Autotandem-Melkstand wurde eingebaut.
Innerhalb der nächsten beiden Jahre soll ein Melkroboter angeschafft werden, berichtet Betriebsführer Herwig.
NAOMI – ein Glücksgriff
Im Zuge des Neubaus wurden der Viehbestand vergrößert sowie die Flächen erweitert und intensiver genutzt. Die damalige Serie an weiblichen Kälbern ermöglichte es, den Großteil des eigenen Jungviehs für die Nachzucht zu verwenden. Eine Ausnahme-Erscheinung war NAOMI, eine HUMID-Tochter, die als Jungkuh in Milch auf einer Versteigerung angekauft wurde und sich als echter Glücksgriff erwies: Neben zahlreichen Schauerfolgen brachte sie mit RUMID (V: Rurex) und RUEBEZAHL (V: Ruakana) auch zwei Besamungstiere in den Einsatz.
Ihre Schaukarriere begann NAOMI 2007 bei der Bezirksrinderschau in Hermagor, wo sie den Gesamteuter- und Gesamtreservesieg holte, gefolgt von einem Jungzüchterevent am Litzlhof, wo NAOMI den Gesamtvorführsieg und Gesamtreservetypsieg erzielen. 2009 erreichte die Kuh bei der Internationalen Fleckviehschau einen Gruppenreservesieg bei den Stiermüttern mit drei bis vier Abkalbungen. 2010 folgte ein Gesamtreservesieg beim Kärntner Milchkuhkirchtag. Auf der Bundesfleckviehschau 2011 in Ried belegte sie als Stiermutter mit fünf Abkalbungen den dritten Gruppenplatz. Auch 2013 konnte sie als Dauerleistungskuh auf der Bundesfleckviehschau in Rotholz den dritten Platz erreichen. Insgesamt nahm NAOMI sechsmal in Folge an Schauen teil – mit einem dritten Gruppenplatz als „schlechtestem” Ergebnis.
Besonders stolz ist die Familie auch auf VARIA (V: Rumid), eine zu 100 % selbst gezüchtete Kuh, die 2014 als Jungkuh den Kärntner Landessieg holte und 2017 auf der Bundesfleckviehschau in Maishofen bei den Kühen mit vier Abkalbungen einen Gruppenreservesieg erreichte.
Diese Leidenschaft für die Teilnahme an Schauen teilt auch Herwigs Neffe Mathias, der sich als begeisterter Jungzüchter und verlässlicher Helfer am Betrieb engagiert. Bei Jungzüchterbewerben ist er regelmäßig erfolgreich mit einem Jungrind vertreten. 2020 kaufte er ein HERMELIN-Jungrind namens SURPRISE – und der Name wurde zum Programm: Mittlerweile umfasst diese Kuhlinie acht weibliche Tiere. Die Kühe überzeugen mit elegantem Exterieur, starken Zuchtwerten, hoher Leistungsbereitschaft und gelten als besonders hoffnungsvolle Linie.
SOELINATOR bringt Doppelnutzung mit guter Fitness- und Rahmenvererbung sowie einem positiven Kalbeverlauf
Die HASHTAG-Tochter ABBA, Mutter von SOELINATOR, zeichnet sich durch ihre Doppelnutzung und Leistungsbereitschaft aus
Junge Genetik mit top Zucht- und Exterieurwerten
Betriebsführer Herwig achtet stark auf das Exterieur seiner Kühe. Ziel ist es, jugendliche Kühe mit bestem Fundament, Euter und Zuchtwert zu züchten. Doch auch die Doppelnutzung ist ihm wichtig. Für ihn ist das perfekte Euter drüsig, gut eingebunden in die Bauchdecke, hat ein starkes Zentralband und eine passende Strichplatzierung.
Die Genetik spielt am Zuchtbetrieb Kofler eine große Rolle. Mit der Teilnahme am Herden-Typisierungsprojekt FoKUHs Herde entschied sich Herwig schon vor einigen Jahren, seine gesamte Zuchtherde genotypisieren zu lassen. Auch die männlichen Tiere am Betrieb werden zu 95 % typisiert.
Bei der Stierauswahl setzt der Betriebsführer auf junge Genetik mit starken Zucht- und Exterieurwerten. Dank eines hervorragenden Betriebsmanagements, guter Fruchtbarkeit und kurzer Zwischenkalbezeiten steht ausreichend weibliche Nachzucht zur Verfügung, welche konsequent selektiert wird.
Das Ziel sind langlebige, leistungsbereite und unkomplizierte Kühe, die viele Jahre am Betrieb bleiben. Gleichzeitig spielt die Vermarktung eine wichtige Rolle: Jährlich werden zehn bis 15 Jungkühe über die Versteigerung in St. Donat oder Ab-Hof sowie sechs bis acht Zuchtstiere vermarktet. Die enge Zusammenarbeit mit dem Zuchtverband, insbesondere bei Anpaarung und Vermarktung, ist für die Familie dabei ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Fleckviehzucht.
Wertvolle Kuhlinien
In den vergangenen Jahrzenten entwickelten sich am Betrieb einige wertvolle Kuhlinien:
– N-Linie: körperstarke Tiere mit perfekten Zunahmen, besonders die männliche Seite profitiert sehr stark davon. Diese Linie bringt sehr gute Deckstiere hervor (aktuell acht weibliche Tiere).
– A-Linie: starke Zuchtwerte, kombiniert mit extremer Leistungsbereitschaft, Doppelnutzung und einem passenden Exterieur. Die A-Linie bringt körperlich hervorragende Stiere hervor (aktuell 20 weibliche Tiere).
– L-Linie: problemlose Kühe, mit guten Zuchtwerten, starker Leistung und Doppelnutzung (aktuell zehn weibliche Tiere)
– S-Linie: langlebige, sehr elegante Kühe mit sehr feinem Fundament, top Euter, guten Zuchtwerten und hoher Leistungsbereitschaft (aktuell acht weibliche Tiere).
SPITZBUA überzeugt mit einem guten Fleisch- und Fitnesswert sowie sehr starker Eutervererbung
Die WINTERTRAUM-Tochter SIA, Mutter von SPITZBUA, überzeugt mit korrektem Fundament und Euter sowie ihrer Leistung
Mit Ehrgeiz und Glück zum Erfolg
Ein besonderer Meilenstein sind die fünf Zuchtstiere, die seit 2010 aus dem Betrieb in den Besamungseinsatz gelangten: RUMID, RUEBEZAHL, HOOLIGAN, SOELINATOR und SPITZBUA.
SOELINATOR, der SCOTTY-Sohn aus einer körperstarken HASHTAG-Tochter (A-Linie), zeichnet sich mit sehr guter Milchmenge und hervorragenden Doppelnutzungseigenschaften aus. Seine Rahmenvererbung und Eutergesundheit sprechen für ihn.
SPITZBUA, der zweite SCOTTY-Sohn aus einer leistungsbetonten WINTERTRAUM-Tochter (S-Linie) weist eine gute Milchmenge mit positiver Fettvererbung auf. Auch im Fleisch- und Fitnesswert, insbesondere in der Nutzungsdauer, kann SPITZBUA punkten. Mit seinem hervorragenden Exterieur lässt er kaum Wünsche offen.
Auch in Zukunft möchte Familie Kofler exterieurstarke, leistungsbereite und langlebige Tiere züchten und dabei die eine oder andere Schauteilnahme feiern. Und vielleicht schafft es auch künftig wieder einmal ein Stier aus dem Betrieb in den Besamungseinsatz – darüber würde sich Betriebsführer Herwig besonders freuen.
Wir gratulieren dem langjährigen Zuchtbetrieb für seine bisherigen Erfolge und wünschen ihm weiterhin alles erdenklich Gute in der Zuchtarbeit. caRINDthia bedankt sich bei der Züchterfamilie für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren.












