Milchhof Steiner, Niederösterreich

HORNLOS – ein steiniger Weg!

Der Familienbetrieb Milchhof Steiner aus Neusiedl bei Hernstein gilt als einer der Pioniere punkto Hornlos-Zucht in Niederösterreich. Die Brüder Martin und Hannes führen die Gesellschaft, welche circa 40 km vor den Toren Wiens im schönen Triestingtal liegt und durch kleinststrukturierte Flächen (ᴓ 1 ha je Feldstück) geprägt ist.

Schon sehr früh, im Jahr 1968 traten die Großeltern Helene und Adolf Steiner dem LKV und Zuchtverband bei. 1971 wurde mit dem Neubau eines Kuhstalles für 24 Kühe ein erster großer Schritt gesetzt, denn der alte Stall, in dem acht Kühe Platz fanden, hatte ausgedient. Ein Laufstall für Milchkühe auf Tiefbuchten und Spalten wurde im Jahr 2001 mit 138 Liegeplätzen fertig gestellt. Im Zuge dessen gründeten die Eltern Anna und Adolf mit ihren Söhnen Martin und Hannes eine GesnbR unter dem Namen „Milchhof Steiner“. Es folgten stetige Umbauten und Neubauten. So wurde unter anderem 2013 ein Kalbinnenstall auf Hochbuchten mit 44 Liegeplätzen errichtet und 2020 eine Halle für 50 Kälber auf Tiefstreu und Tränkeautomaten umgebaut.

Familie Steiner (v. l. n. r): Karin u. Betriebsführer Martin und Kinder Stefan, Magdalena, Mathias – Johanna, Tobias, Andreas und Betriebsführer Hannes u. Bernadette

Familie Steiner (v. l. n. r.): Karin u. Betriebsführer Martin und Kinder Stefan, Magdalena, Mathias – Johanna, Tobias, Andreas und Betriebsführer Hannes u. Bernadette

Rund 140 Kühe, 190 Stück weibliche Nachzucht und 20 Stiere für die Mast und Zucht werden am Milchhof Steiner in Hernstein gehalten

Rund 140 Kühe, 190 Stück weibliche Nachzucht und 20 Stiere für die Mast und Zucht werden am Milchhof Steiner in Hernstein gehalten.

Tierwohl steht im Vordergrund

In der Öffentlichkeit wird viel darüber gesprochen, aber am Betrieb Milchhof Steiner wird der Begriff „Tierwohl“ gelebt. So wurde erst letztes Jahr der 2×8 Side-by-Side-Melkstand durch drei Melkroboter der Firma GEA ersetzt. Bei aktuell gut 140 Kühen klingt das nach Luxus. Ja, es ist Luxus, sowohl für Tier als auch für Mensch! Die Milchkühe haben immer freien Zugang zum automatischen Melksystem und die Familie hat nicht den Stress, bei jeglicher Fehlermeldung gleich alles liegen und stehen lassen zu müssen, weil der Roboter „schreit“.
Besonders die Kälberentwicklung steht im Fokus. Der helle, luftige Kälberstall mit freiem Zugang zum Tränkeautomaten und der selbstgemischten Kälber-TMR fördert ein gutes Wachstum. Den Tieren kommt auch zugute, dass sie bis circa 250 kg Lebendgewicht auf Stroh gehalten werden. Dies ist nicht unbedingt die kostengünstigste Haltungsform, aber das Beste für das Vieh.
Ein wichtiger Faktor ist sicherlich das vorhandene Auge für das Tier bzw. das Tierwohl, das bei Jung und Alt gleichermaßen ausgeprägt ist und so eine sehr gute Betreuung ermöglicht.

Familienverbund als große Stärke!

Die Brüder Martin und Hannes leiten gemeinsam den Betrieb und werden tatkräftig von ihren Frauen, den Eltern und mittlerweile auch schon von den Kindern unterstützt. Kurz gesagt: „Zwei Familien, welche ein gemeinsames Ziel verfolgen!“ Diese Gemeinschaft bringt einige Vorteile mit sich, die sich im normalen Familienverbund oft nicht in dieser Form umsetzen lassen. So ist die Auslastung des Fuhrparks optimal möglich, da mehrere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Jedes Mitglied hat seine Stärken und setzt diese optimal ein.
Zeitlich lassen sich gewisse Ressourcen schaffen, um in Ruhe, ohne „Gedanken“ an den Stall, einen Urlaub antreten zu können oder bei Krankheit sich die nötige Zeit zu nehmen, die man braucht.
Die betriebliche Geschlossenheit macht es erst möglich, dass sich die Brüder öffentlich für den Berufsstand engagieren. So ist Martin seit 2021 Obmann der Milchgenossenschaft Niederösterreich – MGN. Hannes ist Obmann im Rinderzuchtverein Pottenstein und Obmannstellvertreter beim NÖ- Genetik-Rinderzuchtverband. Um all diese Tätigkeiten und auch die Arbeit am Betrieb tagtäglich unter einen Hut zu bringen, braucht es einen ständigen und guten Austausch untereinander.

Pionier punkto Hornlosgen in NÖ

Als einer der ersten Betriebe in Niederösterreich setzte die Familie Steiner breiter genetisch hornlose Besamungsstiere ein. Der Hauptgrund für den Einsatz war nicht der züchterische Aspekt, sondern das Enthornen der Kälber. „Es ist einfach ein unnötiger und unguter Eingriff für Mensch und Tier“, so Hannes Steiner. Dieser erfuhr in einem Zeitungsartikel von dem Angebot an hornlosen Stieren. Kurzerhand griff er zum Telefon und bestellte die ersten 20 Portionen.

HANNES Pp – erster hornloser Stier

Einer der ersten hornlosen Fleckviehstiere, die der Betrieb großzügig einsetzte, war HERNANDES Pp. Dank seiner guten Entwicklung wurde aus der INDER-Tochter REGATTA 2010 der Stier HANNES Pp von der Besamungsstation angekauft. Er war der erste hornlose Stier aus einem niederösterreichischen Zuchtbetrieb, dem das gelang. Schlussendlich konnte HANNES Pp jedoch mit seinen gehörnten Alterskollegen in puncto Leistung und Exterieur nicht mithalten. Mit dem Stier GS POLLED Pp* (GS Pandora x Hernandes Pp*) folgte zwei Jahre später noch ein hornloser Stier aus der Zucht der Steiners.

HANNES P AT768583516, Foto haka

HANNES Pp (V.: Hernandes Pp), erster hornloser Fleckviehstier, der in NÖ von einer Station angekauft wurde

Ein Weg mit einigen Rückschlägen

Zu Beginn wurde bei der Besamungsstierauswahl und beim Verkauf von Erstlingskühen, die über die Versteigerungen in Bergland vermarktet werden, das Hauptaugenmerk auf das Hornlosgen gelegt. Zu dieser Zeit steckte die Zucht im Bereich „hornlos“ jedoch noch mehr oder weniger in ihren Kinderschuhen. Neben der eher mäßigen Auswahl war die Qualität noch nicht mit dem Angebot an behornten Besamungsstieren zu vergleichen.
So kam es zu einem nicht übersehbaren Rückschritt in der Milchviehherde. Speziell im Euterbereich, der Milchleistung und punkto Melkbarkeit musste man starke Abstriche hinnehmen. Die anfängliche Euphorie und die Erfolge auf der männlichen Seite konnten über die Einbußen nicht hinwegtäuschen. Auch einige Embryotransfers brachten nicht das gewünschte Ergebnis.
Mit diesem Rückschritt in der Herde setzte ein Umdenken am Betrieb ein. Mittlerweile werden bei der Auswahl der hornlosen Besamungsstiere keine Kompromisse mehr eingegangen, vor allem nicht beim Exterieur. Bei den über 20 verkauften Erstlingskühen pro Jahr ist es ähnlich. Es gibt keinen Bonus mehr für „no Horn“.

Späte Erfolge mit LEISTE Pp und Co

Erst mit der Herdentypisierung, die all jene Betriebe verpflichtend durchführen müssen, welche am Projekt FoKUHs teilnehmen, kam wieder frischer Wind in den Stall. Hierbei stachen zwei Tiere besonders ins Auge: Zum einen die HERZPOCHEN-Tochter LEISTE Pp mit einem aktuellen Gesamtzuchtwert (GZW) im August 2022 von 131 und zum anderen SYLVI Pp (V.: Remmel) mit 133 Punkten im GZW und einem Euterzuchtwert von 130. Beide Damen wurden mehrmals erfolgreich über Embryotransfer genutzt und haben mittlerweile die erste Abkalbung bzw. zweite Abkalbung hinter sich gebracht. Erfreulich ist zudem, dass die beiden ihre genomisch ermittelten Werte punkto Leistung und Exterieur bestätigen konnten.

LEISTE Pp AT 58 4473 569, Mutter der EASY-Söhne GS EDMUND (genetisch hornlos) und GS EBERHARD

LEISTE Pp (V.: Herzpochen)

Als Glücksfall darf man die Typisierungsergebnisse von den Nachkommen der Kuh LEISTE Pp bezeichnen. Sieben Kälber, von denen sechs genetisch hornlos sind, weisen einen durchschnittlichen GZW von fast 137 Punkten auf. Herausragend ist hierbei eine hornlose EASY-Tochter mit einem GZW von 138. Ihre zwei Vollbrüder GS EDMUND, genetisch hornlos (GZW 136), und GS EBERHARD (GZW 140) wurden bereits von der Rinderbesamung Genostar angekauft (Stand: ZWS August 2022).

Ziele erreicht

Nach mehr als 15 Jahren, die sich die Steiners nunmehr mit dem Hornlosgen beschäftigen, kann rückblickend gesagt werden: „Der Weg war manchmal steinig und einige Rückschläge mussten überwunden werden, aber die Beharrlichkeit hat sich schlussendlich ausgezahlt.“ Ein Großteil der Ziele konnte erreicht werden bzw. läuft es momentan in die gewünschte Richtung. So stehen die genetisch hornlosen Kühe ihren Kolleginnen in puncto Leistung und Exterieur um nichts mehr nach und machen in der Herde schon fast ein Drittel der Tiere aus. Zudem kamen im vergangenen Jahr über 40 Prozent der Kälber ohne Hörner auf die Welt.
Als Draufgabe stehen jetzt noch einige Jungstiere vor dem Sprung auf die Besamungsstation bzw. wurden vor kurzem angekauft. Einige züchterisch interessante Jungtiere stehen vor der Nutzung mittels Embryotransfer.

Zukunft gesichert

Nicht nur die Betriebsführer Martin und Hannes interessieren sind für Hof und Zucht. Alle sechs Kinder helfen tatkräftig am Betrieb mit, drei von ihnen absolvieren derzeit auch ihre schulische Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich. Zuletzt nahmen fünf der sechs Steiner Kids sehr erfolgreich am Landesentscheid der Jungzüchter in Bergland teil. Andreas und Tobias wurden jeweils Gesamtreservevorführsieger in ihren Kategorien.

Der Betrieb Milchhof Steiner hat es nicht nur geschafft, zwei Familien in einem Betrieb zu vereinen, sondern sich so aufgestellt, dass man sich Freiräume schafft, um sich z. B. im Funktionärswesen für den Berufsstand einzusetzen, und gleichzeitig der eigenen Jugend die Freude an der Zucht und am Betrieb vermittelt.

Von der Genetik des Milchhof Steiner wird man in Zukunft noch einiges hören und besamen!

Betriebsdaten

Milchhof Steiner, Dorfstraße 33, 2561 Hernstein

Lage: Triestingtal, ca. 40 km vor den Toren Wiens

Seehöhe: 356 m

Jahresniederschlag: 700 – 800 mm

Arbeitskräfte: 5 AK – Betriebsführer Martin und Hannes + Ehefrau Karin, Eltern Anna + Adolf

Betriebsgröße: 55 ha Grünland, 86 ha Ackerfläche und 180 ha Wald

Flächennutzung: 30 ha Silomais, 30 ha Feldfutter, 26 ha Getreide (Gerste, Weizen)

Viehbestand: rund 140 Kühe, 190 Stück weibliche Nachzucht und 20 Stiere (Mast und Zucht)

Fütterung: AMR (50 % Mais- und 50 % Grassilage, Biertreber, Kraftfutter, Stroh) und max. zusätzlich 4 kg Kraftfutter über Roboter

Melksystem: 3 GEA-Melkroboter

Aktuelle Besamungstiere: GS SPUTNIK, GS SPOTIFY, GS WUNDAWUZI, WINTERTRAUM, GS ENJOY, WIRBELWIND PS, MILFORD PS, MERIOL PS, MYSTIC Pp, GS MR MAX Pp, HALBMOND Pp

Herdenkennzahlen:
Erstkalbealter 26,4 Monate
Erstlingsleistung 9.484 kg Milch
Besamungsindex 1,7
Zwischenkalbezeit 375 Tage
Ø GZW der Herde 113,7 davon sind 50 weibliche Tiere ≥ 125
Ø GZW der Kalbväter 130
Ø Abgangsleistung 39.618 kg Milch

Milchleistungsentwicklung:
Milchleistungsergebnisse Milchhof Steiner

Autor: Stefan Mitterböck, NÖ-Genetik
Fotos: Mitterböck