Sehnenstelzfuß bei Kälbern – frühzeitig erkennen und handeln

Der angeborene Sehnenstelzfuß (SSF; auch „Beugesehnenverkürzung“ oder „Beugesehnenkontraktion“ genannt) tritt bei Kälbern mit einer Häufigkeitsrate von 4 bis 13 % auf. In zirka 90 % der Fälle sind nur die Vorderbeine betroffen, seltener Vorder- und Hinterbeine oder sehr selten nur die Hinterbeine.
Der angeborene SSF betrifft überwiegend männliche Kälber (ungefähr zu 75 %), sowohl bei Milch- als auch Fleischrassen.In einer jüngeren Studie bei 93 Kälbern mit SSF deuten die Ergebnisse der Abstammungsanalyse ursächlich auf eine autosomal-rezessive genetische Erkrankung mit unterschiedlich starkem Ausprägungsgrad mit komplexem Erbgang hin und nicht auf eine Einzelgenmutation.

Beim Kalb mit SSF-Schweregrad 3 (C) erfolgt die Fußung auf der Vorderseite der Zehe und des Fesselgelenkes

Beim Kalb mit SSF-Schweregrad 3 erfolgt die Fußung auf der Vorderseite der Zehe und des Fesselgelenkes

Als weitere mögliche Ursachen für angeborene Gliedmaßen-Fehlbildungen werden Virusinfektionen des ungeborenen Kalbes (Blauzungen-, Schmallenberg-, BVD- und Akabane-Virus) sowie Fütterungsfehler bei trächtigen Kühen (z. B. Mangan- und Selenmangel, Aufnahme von Pflanzentoxinen von Lupinen und Tabakpflanzen zwischen dem 40. und 70. Trächtigkeitstag) in Betracht gezogen.

Der angeborene SSF kann zudem auch gemeinsam mit anderen schwerwiegenden Missbildungen, wie kombinierten Fehlbildungen der Wirbelsäule, des Rumpfes und Gaumenspalten, auftreten.

(Auszug aus dem Artikel „Sehnenstelzfuß bei Kälbern – frühzeitig erkennen und handeln“ von Prof. Dr. Johann Kofler, Klinik für Wiederkäuer, Veterinärmedizinische Universität Wien; Fleckvieh Austria Magazin 5/26)