Im Herzen des Pinzgaus, in Saalfelden, liegt das Hansengut der Familie Gruber. Hier dreht sich vieles um die Fleckviehkuh und die Frage, welche Eigenschaften ein Tier mitbringen muss, um langfristig im Betrieb zu überzeugen.
Langlebigkeit und Leistung stehen am Hansengut ebenso im Mittelpunkt wie eine gezielte Anpaarung, eine sorgfältige Aufzucht und die erfolgreiche Vermarktung der Nachzucht.
Familie Gruber: Betriebsführer Christoph und Helga, Kinder Samuel, Katharina und Elias, Eltern Traudi und Franz
Im Herzen des Pinzgaus, in Saalfelden, liegt das Hansengut der Familie Gruber
Christoph und Helga Gruber bewirtschaften den Betrieb gemeinsam mit ihrer Familie, wobei mittlerweile auch die nächste Generation immer stärker in die tägliche Arbeit und besonders in die Zucht eingebunden wird. Seit 1994 wird der Betrieb biologisch bewirtschaftet. Heute bilden die Milchproduktion und die Fleckviehzucht die wichtigsten Standbeine, ergänzt durch die Zuchtstieraufzucht, die Vermarktung von Zuchttieren, Urlaub am Bauernhof und die Haltung von rund 750 Bio-Legehennen.
Ein Betrieb mit mehreren Standbeinen
Auf insgesamt rund 19,5 ha Grünland (davon 10,5 ha Pachtfläche) und fünf ha Wald sowie zusätzlichen Gemeinschaftswaldflächen bewirtschaftet die Familie einen vielseitig aufgestellten Betrieb. Im Mittelpunkt stehen dabei rund 25 Milchkühe, etwa 65 Kalbinnen, zehn Zuchtstiere und rund 25 Kälber, die gemeinsam die Grundlage für Milchproduktion und Zucht bilden.
Die Entwicklung des Betriebes war dabei immer wieder von Investitionen und neuen Ideen geprägt. Mit dem Neubau des Stalles im Jahr 2015 wurde ein wichtiger Schritt für die Milchviehhaltung gesetzt. Die Kühe werden in einem großzügigen Laufstall mit Tiefboxen gehalten, während für Stiere und Kälber Tiefstreubereiche zur Verfügung stehen. Auch der Betriebszweig Urlaub am Bauernhof wurde weiterentwickelt und 2018 durch zusätzliche Wohnungen im Bauernhaus ergänzt.
Mit dem Neubau des Stalles im Jahr 2015 wurde ein wichtiger Schritt für die Milchviehhaltung gesetzt
Seit 1994 wird der Betrieb biologisch bewirtschaftet
Hochwertiges Grundfutter als Basis
Bei der Fütterung steht die optimale Nutzung des eigenen Grünlandes im Mittelpunkt. Grassilage aus mehreren Schnitten, Heu und Mais bilden die Grundlage der Futterration. Die Ration wird mit dem Futtermischwagen vorgelegt und durch Kraftfutter ergänzt, dessen Einsatz an die Leistung der jeweiligen Tiere angepasst wird.
Eine hohe Grundfutterqualität ist dabei besonders wichtig, denn die Futterbasis des Betriebes soll die Grundlage für eine stabile Milchleistung und gesunde Kühe bilden.
Beim Grünland kommt es für Betriebsführer Christoph vor allem auf das richtige Timing an. Der Schnittzeitpunkt wird deshalb genau gewählt, um eine möglichst hohe Futterqualität zu erreichen. Ein wichtiger Baustein ist der Hühnermist, der als wertvoller Wirtschaftsdünger auf die Flächen kommt und sich über die Jahre als echter Erfolgsfaktor für die Grünlandbewirtschaftung erwiesen hat.
Zuchtziele klar definiert
In der Zucht haben Grubers eine klare Vorstellung davon, wie eine gute Fleckviehkuh aussehen soll. Im Vordergrund steht nicht die kurzfristig höchstmögliche Milchleistung, sondern ein ausgewogenes Tier, das über viele Jahre gesund bleibt, zuverlässig Milch produziert und auch bei Euter, Fundament und Inhaltsstoffen überzeugt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Langlebigkeit. Entscheidend ist nicht die Leistung in der ersten Laktation, sondern dass eine Kuh auch nach mehreren Laktationen noch zuverlässig Leistung bringt und sich im Stall bewährt.
Bei der Auswahl der Besamungsstiere wird deshalb genau auf die Kombination verschiedener Eigenschaften geachtet. Milchvererbung, Inhaltsstoffe und ein ansprechendes Exterieur stehen weit oben auf der Liste, gleichzeitig gewinnt die Hornlosigkeit zunehmend an Bedeutung. Bereits rund 60 bis 70 % der eingesetzten Stiere sind genetisch hornlos, wodurch dieses Merkmal auch in der weiteren Entwicklung der Herde eine immer größere Rolle einnimmt.
Moderne Genetik trifft auf Erfahrung
Rund 80 % der Besamungen werden mit genomischen Jungvererbern durchgeführt. Als Eigenbestandsbesamer kann Betriebsführer Christoph die Auswahl der Stiere selbst in die Hand nehmen und gezielt auf die jeweiligen Stärken und Schwächen der einzelnen Kühe reagieren.
Sohn Samuel ist bereits intensiv in die Zuchtarbeit eingebunden und beschäftigt sich insbesondere mit der Stierauswahl.
Bei der Genetik setzen die Grubers sowohl auf bewährte als auch auf aktuelle Vererber. Bei der aktuellen Anpaarungsplanung kommen unter anderem die Stiere MERCEDES Pp*, MADRIGAL Pp*, GS MR GOOD Pp*, SPITZE PP*, STRATEGE Pp*, WUPPER, MELONI Pp*, WEISSFLOG PP* und HARDSKILL P*S gezielt zum Einsatz.
Aufzucht mit Blick auf die spätere Kuh
Die Kalbinnen werden auf Partnerbetrieben aufgezogen und kommen etwa fünf bis sechs Wochen vor dem Abkalben wieder auf den Betrieb zurück. Das gesamte Jungvieh verbringt den Sommer auf der Alm.
Besonders bei den Kälbern steht eine gesunde Entwicklung im Mittelpunkt. Für die Grubers ist eine gute Kälbergesundheit die Voraussetzung dafür, dass sich aus den jungen Tieren später leistungsfähige und langlebige Kühe entwickeln können. Eine sorgfältige Aufzucht ist damit nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern gleichzeitig eine wichtige Investition in die zukünftige Herde.
Von der Zucht zur Vermarktung
Rund 30 Jungkühe werden über die Versteigerung in Maishofen angeboten, dazu kommen jährlich zirka zehn Zuchtstiere. Die Zuchtstieraufzucht hat sich dabei zu einem wichtigen Bestandteil des Betriebes entwickelt.
Milchleistung und Funktionalität im Einklang
Gemolken wird im Tandem-Melkstand, wobei die Milchproduktion eng mit der Zuchtphilosophie des Betriebes verbunden ist. Eine gute Milchkuh soll nicht nur eine entsprechende Milchmenge liefern, sondern gleichzeitig bei Inhaltsstoffen, Euter, Fundament, Gesundheit und Fruchtbarkeit überzeugen. Gerade diese Kombination aus Leistung und Funktionalität ist für die Familie entscheidend, wenn es darum geht, Tiere langfristig im Bestand zu halten.
Bei der Fütterung steht die optimale Nutzung des eigenen Grünlandes im Mittelpunkt
Schauerfolge am Hansengut
Das Schaujahr 2025/2026 war für die Familie Gruber ein besonderes. Mit SANORA, RHIANNA und GISI konnten gleich mehrere Kühe aus der eigenen Herde bei bedeutenden Schauen auf sich aufmerksam machen.
Den Auftakt machte im November 2025 der Salzburger Jungzüchtercup in Maishofen, bei dem Samuel Gruber mit GISI (V: GS Defacto) gleich doppelt erfolgreich war. Neben dem Vorführchampion Senior konnte er mit der Kalbin auch den Typbewerb beim Fleckvieh für sich entscheiden.
Einen weiteren Höhepunkt brachte die Bundesfleckviehschau im März 2026 in Bergland, wo SANORA (V: GS Mydarling) in der Gruppe der Drittkalbskühe überzeugte und den Gruppensieg eindrucksvoll nach Saalfelden holte. Den krönenden Abschluss bildete RHIANNA Pp* (V: GS Der Beste), die bei der Verbandsschau in Maishofen als Gesamtsiegerin Fleckvieh Jung hervorging.
SANORA (V: GS Mydarling) gewann auf der Bundesfleckviehschau 2026 die Gruppe der Drittkalbskühe
RHIANNA Pp* (V: GS Der Beste) ging auf der Verbandsschau in Maishofen als Gesamtsiegerin Fleckvieh Jung hervor
Samuel Gruber wurde mit GISI (V: GS Defacto) beim Salzburger Jungzüchtercup zum Vorführsieger Senior und Typsieger gekürt
Mit klaren Zielen in die Zukunft
Auch für die kommenden Jahre bleibt die Zuchtrichtung am Hansengut klar definiert. Langlebige Kühe mit guten Eutern, stabiler Leistung und hochwertigen Inhaltsstoffen sollen weiterhin die Herde prägen. Gleichzeitig möchte die Familie die Kälbergesundheit und die Aufzucht weiter in den Mittelpunkt stellen, denn eine langlebige Kuh entsteht nicht erst mit der ersten Laktation, sondern wird bereits in den ersten Lebensmonaten vorbereitet.
Die genomische Selektion, eine gezielte Stierauswahl und die konsequente Weiterentwicklung der eigenen Kuhfamilien bieten dafür gute Möglichkeiten. Dabei soll die Herde Schritt für Schritt weiterentwickelt werden, ohne die Anforderungen des eigenen Betriebes aus den Augen zu verlieren.
Am Hansengut zeigt sich damit eine Zuchtphilosophie, die auf Leistung, Funktionalität und Langlebigkeit gleichermaßen setzt. Moderne Genetik wird mit langjähriger Erfahrung verbunden, während die eigenen Kühe letztlich zeigen müssen, ob die getroffenen Entscheidungen richtig waren.
Denn für Familie Gruber ist eine erfolgreiche Zucht vor allem dann wertvoll, wenn aus guter Genetik gesunde Kühe werden, die über viele Jahre im Stall zuverlässig Leistung bringen.













